MISP-KURS Sommersemester 2006:

"Flach spielen, hoch gewinnen" – WM und Wissenschaft




Wichtige Daten:
Einführungsvorträge: 12. und 13. Mai an der TU Kaiserslautern


Die Fußball-Weltmeisterschaft ist zur Zeit in aller Munde und Kaiserslautern ist als gastgebende Stadt, als WM-Spielstätte und als Wissenschaftsstandort mittendrin dabei. Für uns ist das ein Anlass, das MISP-Thema des Sommersemesters "Flach spielen, hoch gewinnen - WM und Wissenschaft" zu nennen und uns mit diesem außerordentlich interessanten und hochgradig interdisziplinären Thema zu befassen. Dabei betrachten wir die Symbiose "WM und Wissenschaft" aus verschiedenen Blickwinkeln und stellen unter anderem vor, welche Aktivitäten die WM an unserer Universität, in der Stadt und im Kaiserlauterer Fußball ausgelöst hat. Renommierte Vortragende aus dem FIFA WM-Organisationskomitee (WM-OK), aus verschiedenen Fachbereichen der Universität und anderen, öffentlichen Einrichtungen beleuchten dabei unterschiedliche Facetten dieses Großevents. Viele werden erstaunt sein, wie viel unsere Universität zum Gelingen der Fußballweltmeisterschaft beiträgt.

Das WM-Organisationskomitee hat schon seit Jahren die Aufgabe, diese Großveranstaltung zu planen und wartet nun gespannt auf die Durchführung. Eine Besonderheit dabei ist, dass es sich nicht um wiederkehrende oder dauerhafte organisatorische Aufgaben handelt, sondern dass beispielsweise 1100 Volunteers rekrutiert und einige tausend Personen akkreditiert und temporäre, lokale Baumaßnahmen nur für diesen einmaligen Event vorgenommen werden müssen. In unserer Veranstaltung wirft ein Sprecher der OK Außenstelle Kaiserslautern einen allgemeinen Blick auf die überwältigende Dimensionen und Herausforderungen, die die WM den Organisatoren abverlangt.

Frau Prof. Dr. Troeger-Weiß vom Lehrstuhl für Regionalentwicklung und Raumordnung an der TU Kaiserslautern hat sich intensiv mit den Auswirkungen der WM auf Kaiserslautern befasst und wird im Rahmen von MISP darüber referieren. Besonderes Augemerk wird dabei auf die wirtschaftlichen Effekte vor, während und nach der WM, auf den Image- und Attraktivitätsgewinn im Zuge der Weltmeisterschaft und auf die Bedeutung der WM für die Stadt- und Regionalentwicklung Kaiserslauterns gelegt.

Die Studie der Stiftung Warentest hat zu Beginn des Jahres für einigen Wirbel gesorgt. Wir haben die Stiftung Warentest eingeladen, uns die besagte Studie näher zu erläutern. Ein Kritikpunkt der Verbraucherschützer waren dabei mangelhafte Entfluchtungsmöglichkeiten der Stadien im Ernstfall. Herr Prof. Dr. Hamacher, Fachbereich Mathematik, beschreibt in seinem allgemeinverständlichen Vortrag, welche Methoden die Mathematik liefert, um Aussagen über die Evakueriungszeit zu treffen. Ergänzend dazu ist ein weiterer Vortrag zur Koordination der Einsatzkräfte, wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst, bei diesem Großereignis geplant.

Sie mögen Rudi Michel, verehren "kleines dickes Müller" oder verziehen schmerzverzerrt das Gesicht beim Gedanken an Rummenigges lädiertes Knie? Sie hören noch das Pfeifen von Hoeneß' versiebtem Elfmeter, damals, oder erinnern sich an Netzers fulminantes Tor im Pokalfinale gegen …? Ja, gegen wen denn eigentlich? Und wann war das, und wo?
Neuartige Annotierungs- und Retrieval-Techniken der Künstlichen Intelligenz zaubern Ihnen die Welt des Fußballs in ihrer ganzen Vielfalt aus den Tiefen des Raumes auf Ihren Rechner. Und gleichzeitig können Sie selbst, noch während Sie als Zuschauer im Stadion den Geschehnissen beiwohnen, mit Ihren einzigartigen digitalen Bilddokumenten jedermann vor Augen führen, dass die Kugel doch hinter der Linie oder das brutale Foul in Wirklichkeit eine Schwalbe war. Sie können sich zur Einstimmung auf das WM-Finale Ihre persönliche Best Off Kollektion der beteiligten Teams zusammenstellen und das Web nach einer Vielzahl interessanter Unterkategorien (Tore, Torwartparaden, Kurioses, usw.) durchstöbern.
Herr Prof. Dr. Dengel, Wissenschaftlicher Direktor am DFKI und Professor für Informatik an der TU Kaiserslautern berichtet über "Soccer Jukebox". Soccer Jukebox veranschaulicht beispielhaft die Ziele und Visionen des DFKI-Forschungsprojekts SMARTWEB. Am Übergang vom syntaktischen zum semantischen Netz geht es darin unter anderem um die maschinelle Generierung und Analyse semantisch annotierter Webseiten und den multimodalen, mobilen Zugriff auf das Netz. Am Competence Center Computational Culture (C4) werden darüber hinaus die Auswirkungen der neuen Technologie auf bestehende soziale Netzwerke und Dienste rund um das Thema Foto und Video im Netz untersucht.

Herr Prof. Dr. Topp vom Fachgebiet Mobilität und Verkehr an der TU Kaiserslautern berichtet über Verkehrsmanagement-Maßnahmen zur Abwicklung der Besucherverkehre während der FIFA WM 2006. An ausgewählten Verkehrskonzepten der WM-Standorte werden die unterschiedlichen Möglichkeiten der Verkehrsbeeinflussung und -lenkung der Verkehre während der Reise (on-trip) auf dem Weg von den Bundesautobahnen zum Stadion aufgezeigt (statische Wegleitung - dynamische Wegleitung; P+R-Konzepte). Verschiedene dynamische Wegweiser wie die dWiSta (dynamische Wegweiser mit integrierter Stauinformation), die neueste Generation der dynamischen Wegweiser an den Bundesautobahnen, sowie städtische moderne Park-Leitsysteme werden vorgestellt. Am Beispiel der Stadt Kaiserslautern wird zudem auf die von der FIFA geforderte Fangruppentrennung (räumlich getrennte Anreise der neutralen Fans, der Fans der beiden Mannschaften sowie der FIFA/Hospitality-Gäste) beim IV und ÖPNV eingegangen. Ein zweiter Themenblock beschäftigt sich mit den Reiseinformationsmöglichkeiten, die vor Antritt der Reise (pre-trip) zur Verfügung stehen. Hierbei wird das Internet-Portal der FIFA vorgestellt, das u.a. eine deutschlandweite Fahrplanauskunft, Routenplaner sowie eine Abfrage der prognostizierten Verkehrsbelastung enthält.

Die Veranstalter der WM 2006 fordern, den Gästen eine stressfreie Mobilität anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu ermöglichen. Der hohe Anteil ortsfremder und fremdsprachiger Personen, Nachfragespitzen und Fantrennung stellt eine besondere Herausforderung dar. Um ein klares Bild des Verkehrsverhaltens, der Orientierungsmuster und Einschätzungen der Besucher/innen zu erhalten, führt Frau Jun.Prof. Dr. Spellerberg, Lehrgebiet Stadtsoziologie, quantitative, standardisierte Befragungen durch, über die sie in unserer Veranstaltung berichten wird.

Herr Prof. Dr. Walter Ruda, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern, vom Fachbereich Betriebswirtschaft der Fachhochschule Kaiserslautern, Campus Zweibrücken, wird uns die Verknüpfung von Sport und Wirtschaft näher bringen. Hierbei wird er natürlich auch über die WM-Stadien und die Finanzierung der WM berichten. So werden ausgewählte Marketingaspekte der Offiziellen Sponsoringpartner und der Nationalen Förderer behandelt. Darüber hinaus wird aufgezeigt, welche Unternehmen von der WM besonders profitieren. Zudem hat Herr Ruda schon einen Lehrbrief "Planung, Organisation und Durchführung von Großevents" zur Fussball-WM verfasst. Natürlich darf ein Blick auf die Gegenwart und in die Zukunft des 1. FC Kaiserslautern durch das Aufsichtsratsmitglied nicht fehlen. Als Besucher und Kenner der argentinischen Fußball-Szenerie wird Herr Prof. Dr. Ruda auch das eine oder andere über das "Fußball-Land" und den WM-Favoriten Argentinien berichten.

Frau Prof. Dr. Christiane Ziegler, Fachbereich Physik, zeigt uns, wie man einen "Ball um die Ecke bringt" und erklärt und dabei "die Physik der Bananenflanke". Würde man einen Fußball im Vakuum kicken, wie Physiker den schiefen Flug gerne erstmal vereinfachend beschreiben, könnte man es niemals schaffen, einen Eckball direkt in ein Tor zu verwandeln. Dazu braucht der Ball Gegenwind - und er braucht einen ordentlichen Drall. Beides führt zum so genannten Magnuseffekt, der für Luftdruckverhältnisse sorgt, die den Ball bei perfektem Schuss regelrecht ins Tor "saugen". In dem Vortrag wird dieser Magnuseffekt und der ihm zu Grunde liegende Bernoulli-Effekt erklärt und mit einigen faszinierenden Experimenten zum "hydrodynamischen Paradoxon" und zum Ballwurf und -schuss selbst illustriert.

Diese Themen werden evtl. durch Vorträge weiterer Sprecher von Stadt und Universität ergänzt.

Im Anschluss an die Einführungsveranstaltung werden Praxisprojekte zum Thema angeboten, die in fächerübergreifend besetzten Gruppen von Studierenden im Laufe des Semesters bearbeitet werden. Abschließend werden die Manuskripte der Vorträge und Projektberichte in der Reihe "Modellierung im Interdisziplinären Studienprogramm" veröffentlicht. Die Teilnehmer erhalten ein Zertifikat, welches die Art der Arbeit in der Projektgruppe beschreibt und gegebenenfalls - nach Absprache mit dem jeweiligen Fachbereich - einen Seminar- oder Facharbeitsschein.

Die Veranstaltung wendet sich - wie üblich - an alle Studierende der TU Kaiserslautern. Weitere Information können per E-Mail oder Telefon bei Stefan Ruzika: ruzika@mathematik.uni-kl.de bzw. (0631)-205-3878 eingeholt werden.



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