Das Krankenhaus ist das Thema des interdisziplinären Studienprogramms in diesem Semester. Welche Rolle wird das Krankenhaus in der Zukunft spielen, wenn die betriebswirtschaftlichen Zwänge auf der einen und die medizinischen und sozialen Anforderungen auf der anderen Seite sich (auch) am Krankenhaus manifestieren werden? Beide Seiten sind heute schon massiv im Krankenhaus zu spüren und werden es in Zukunft noch viel mehr sein. Das machten die Vortragenden der Einführungswoche, die vom 05. bis 09. Oktober an der Universität Kaiserslautern stattfand, auf beeindruckend vielfältige Art und Weise klar. Die Bandbreite der Beiträge ging von der konkreten strukturellen und finanziellen Situation am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern über architektonische und betriebswirtschaftliche Fragestellungen bis hin zu Fragen der Krankenhausseelsorge und medizinischen Alternativkonzepten zum Krankenhaus.
Die Woche begann mit einer Darstellung aus der Praxis: Frau Dietrich, die Geschäftsführerin der Westpfalz
Klinikum GmbH, war zu Gast und berichtete zum einen über die Organisation und die Struktur eines Krankenhauses der
Maximalversorgung, so wie es in Kaiserslautern zu finden ist. Zum anderen brachte sie den TeilnehmerInnen das für Laien
nicht ganz leicht zu verstehende System der Abrechnung von ärztlichen Leistungen in den Krankenhäusern nahe. Den
Nachmittag gestaltete Professor Bähre von der Fachhochschule Kaiserslautern. Prof. Bähre ist dort im
Fachbereich Architektur tätig, zu seinen Spezialgebieten zählt auch die Architektur von Krankenhäusern, was er
durch viele innovative Ideen und erste Preise bei Wettbewerben eindrucksvoll belegen kann. Er stellte verschiedene
architektonische Ansätze von den Anfängen der Krankenhaus-Architektur bis in die heutige Zeit vor und erarbeitete mit
den Teilnehmern und Teilnehmerinnen Kriterien für einen guten Entwurf eines Krankenhauses.
Am Morgen des zweiten Tages stellte PD Dr. Schubert seine Thesen zum Thema "Organisationspsychologische Aspekte im
Krankenhaus" vor. Dr. Schubert hat einen Vertretungsprofessur für Psychologie an der Universität Kaiserslautern inne.
In seinem Vortrag standen die MitarbeiterInnen eines Krankenhaus im Vordergrund: die verschiedenen Hierarchien mit ihren Vor- und
Nachteilen, die Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen (Ärzte und Ärztinnen, im Pflegebereich Tütige,
Verwaltungsangestellte) und der Zusammenhang zwischen der Leistung der Organisation und der individuellen Entwicklung eines jeden
Angestellten. Auch im zweiten Vortrag ging es um das Personal. Frau Schwarzmüller von der Firma Schwarzmüller
und Medinn stellte ein ursprünglich am DFKI entwickeltes Software-Produkt zur Dienstplangestaltung vor und erklärte
während der Präsentation die Schwierigkeiten, vor die eine Pflegeleitung bei der Generierung eines neuen Dienstplanes
gestellt ist.
Am Mittwoch Morgen stand dann der Patient und die Patientin im Vordergrund: Pfarrer Annweiler von der Apostelkirche in
Kaiserslautern sprach über die seel(sorger)ische Begleitung der PatientInnen im Krankenhaus. Herr Annweiler absolvierte eine
Ausbildung als Krankenhausseelsorger an verschiedenen Kliniken in New York und war so in der Lage, den TeilnehmerInnen einen
fundierten Systemvergleich USA-Deutschland zu liefern. Kern der Aussage war, daß das amerikanische System, in dem die
SeelsorgerInnen der Verwaltung des Krankenhauses unterstehen, europäisiert und das deutsche System, in dem sie häufig
als Fremdkörper im System angesehen werden, aber dadurch auch nicht vom Geld des Krankenhauses abhängig sind,
amerikanisiert werden solle. Professor Dr. Brökelmann, der erste Vorsitzende des Bundes für Ambulantes
Operieren, gestaltete dann den Nachmittag. Er begann mit der Darstellung der Geschichte der medizinischen Versorgung und des
Krankenhauses von den Anfängen in römischer Zeit bis heute und vertrat die Meinung, daß nach dieser langen Zeit
der Konzentration der medizinischen Versorgung in Krankenhäusern nun die Zeit gekommen sei, wieder einen Teil dieser
Versorgung aus den Krankenhäusern heraus zu nehmen und in kleinere Einheiten wie zum Beispiel Tageskliniken und
Zentren für Ambulantes Operieren zu geben.
Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Betriebswirtschaft und des Operations Research. Dr.Henning aus der Arbeitsgruppe
Medizinökonomie der Universität Erlangen und Dipl. Kaufmann Warnke, ebenfalls aus Erlangen, stellten anhand
verschiedener Fallstudien dar, wo und mit welchen Mitteln Veränderungen am System erreicht werden können, die zu einer
Verbesserung der Gesamtsituation des Krankenhauses führen. Nach der Vorstellung einer Studie zur Frage der optimalen
Strategie bei der Versorgung des Hauses mit Arzneimitteln durch Apotheken konnten dann die TeilnehmerInnen aktiv werden: In
Kleingruppen schlüpften sie am Rechner mit Hilfe des in Erlangen entwickelten Simulationsprogramms in die Haut einer
Krankenhausleitung. Es sollte dabei versucht werden, durch verschiedene Entscheidungen, die im Laufe des Planspiels zu treffen
waren, die Ziele, die vorher definiert worden waren, möglichst optimal zu erreichen. Den Abschluß des Tages bildete
eine Vorstellung verschiedener Methoden des Operations Research zur Entscheidungsfindung.
Den letzten Tag der Vortragsreihe läutete dann Professor Dr. Priester von der evangelischen Fachhochschule
Ludwigshafen ein mit dem Thema "Krankenhäuser zwischen Kostendruck und Patientenbedürfnissen - Hat des
"gesundheitsfördernde Krankenhaus" eine Zukunft?". Nach mehrjähriger selbständiger Tätigkeit,
unter anderem als Autor verschiedener Studien über die Situation der Pflege in Hessen sowie über den
zukünftigen Pflegebedarf ist Prof. Priester nun tätig im Bereich Pflegepädagogik der evFH Ludwigshafen. Er
stellte unter anderem dar, daß es in Zukunft unerläßlich sein wird, daß die Sektoren Krankenhaus -
Ambulantes Operieren - Ambulante Pflege und Heime wesentlich stärker koordiniert werden müssen, um eine regionale
Über- bzw. Unterversorgung zu verhindern. Den Abschluß bildete, wie auch schon in anderen MISP-Vortragswochen,
ein Beitrag von Dr. Ehrgott von der Universität Kaiserslautern über interdisziplinäre Arbeitstechniken.
Hier sollte insbesondere den TeilnehmerInnen an den Projekten ganz konkrete Hilfsmittel an die Hand gegeben werden, wie sie
mit Problemsituationen während der Arbeit im Team umgehen können.
Auch in diesem Semester konnten sich die interessierten TeilnehmerInnen wieder aus unterschiedlichen Fragestellungen, die immer in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Praxis behandelt werden, ihre "Lieblingsprojekte" heraussuchen, die sie dann in interdisziplinär besetzten Gruppen behandeln sollen. Dieses Mal fiel die Wahl auf ein Projekt mit dem Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern. Dabei geht es im weitesten Sinne um die Mitarbeit beim Aufbau einer sogenannten Leitzentrale, in der alle Transporte, die im Krankenhaus anfallen, koordiniert werden sollen. Es handelt sich dabei unter anderem um PatientInnentransporte zwischen Station und Leistungsstelle, um das Versorgen der Stationen mit Medikamenten bzw. das Überbringen von Laborproben bis hin zum Transport von Müll, Wäsche und Essen.
Dagmar TenfeldeDas Buch zu MISP im WS 98/99 mit dem vorläufigen Titel
"Das Krankenhaus der Zukunft!?",in dem sowohl die Vorträge als auch ein Bericht der Projektgruppe veröffentlicht werden, wird voraussichtlich im Winter 1999/2000 erscheinen.
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