Pressemeldung

Lehrgebiet Baukonstruktion II und Entwerfen gewinnt internationalen Architekturpreis


Von: Marc Schützendorf


25.01.2010
< Vorheriger Artikel


Nordflügel OG alt.

Flur neu.

Lehrgebiet Baukonstruktion II und Entwerfen, Prof. Helmut Kleine-Kraneburg, gewinnt den internationalen Architekturpreis contractworld.award 2010

 

contractworld.award

Die Deutsche Messe Hannover hat zum zehnten Mal den "contractworld.award" ausgelobt, den bedeutendsten internationalen Architekturpreis für Innenraumgestaltung. Mit insgesamt 60.000 Euro Preisgeld ist es zugleich die höchstdotierte Auszeichnung dieser Art in Europa. Im Jahr 2010 nahmen 623 Architekten, Planer und Innenausstatter an der Ausschreibung teil, was die Bedeutung des Preises unterstreicht.

 

Für die gestalterische Leitung der Umbaumaßnahmen in Bau 1 der TU Kaiserslautern, Kleiner Campus Pfaffenberg, erhielt das Lehrgebiet Baukonstruktion II und Entwerfen den "contractworld.award 2010" in der Kategorie "Education/Healthcare". Damit konnte sich Prof. Helmut Kleine-Kraneburg mit seinem Team gegenüber den 158 direkten Konkurrenten durchsetzen. Auf der feierlichen Preisverleihung am 16. Januar 2010 auf der Messe Hannover nahmen Prof. Helmut Kleine-Kraneburg und Prof. Dr. Helmut J. Schmidt, Präsident der TU Kaiserslautern, die Auszeichnung entgegen.

 

Die international besetzte Jury lobt in Ihrer Beurteilung besonders den behutsamen Umgang mit der vorhandenen architektonischen Substanz und dessen Transformation in die heutige Zeit.

 

"Bei dem Projekt für die Architekturfakultät in Kaiserslautern handelt es sich nicht um eine Sanierung, es ist keine Verwandlung, keine Restauration, sondern ein Eingriff, der eine sorgfältige Weiterführung dessen darstellt, was bereits vorhanden war.

Das Schulgebäude aus den späten Fünfzigerjahren wurde in den Siebzigern zur Architekturfakultät. Zu der Zeit wurde das bestehende Gebäude um einen neuen Flügel erweitert.

Das Architektenteam, das für das hier ausgezeichnete Projekt verantwortlich zeichnet, hat sich bewusst dafür entschieden, sich darauf zu konzentrieren, das zu verbessern, was bereits vorhanden war, ohne die Absicht, viel zu verändern.

In der heutigen Zeit sind viele Architekten besessen von Originalität und Neuheit. Die hauptsächliche Qualität dieses Projektes ist seine Zurückhaltung, was die Eingriffe angeht. Erweiterungen und Änderungen gibt es zwar, mit attraktiven und gut gestalteten Details, doch ziehen sie nicht viel Aufmerksamkeit auf sich. Sie sind einfach da.

In Anbetracht der Tatsache, dass heute und in Zukunft ein großer Teil der Arbeit von Architekten darin bestehen wird, mit vorhandenen Baukörpern umzugehen, zeigt dieses Projekt einen vorbildlichen Zugang dazu, wie so etwas getan werden kann.

Das Projekt bringt die Kraft und die Schönheit dessen zum Vorschein, was schon vorhanden war, und öffnet neue Wege, um existierende Räume und Innenräume zu schätzen."

 

Über den Wettbewerbsgewinn hinaus wird der Bau 1 der TU Kaiserslautern in Kürze in mehreren Veröffentlichungen erscheinen, z.B. in der Februarausgabe des Magazins "Metamorphose".

 

Geschichte und Bedeutung des "Bau 1"

 

In den 70er-Jahren, zur Zeit der Universitätsgründung, wurde das Gebäude für die Architekturfakultät der Universität umgebaut und erweitert. Es sollte als Ort der einzigen universitären Architekturausbildung in Rheinland-Pfalz dienen. Für die Umnutzung wurde dem ehemals 2-flügeligen Gebäude aus dem Jahr 1954 ein weiterer Flügel im Norden hinzugefügt, der die Gestalt des Hauses nachhaltig veränderte. Dieser ist im Gegensatz zu den ursprünglichen Flügeln als Zweibund ausgeführt, wodurch die Gebäudetiefe und die Belichtungssituation grundlegend verändert wurden. Neben dem Äußeren erfuhren die Innenräume ebenfalls massive Veränderungen. An Stelle der transparenten und hellen Flure und Büroräume traten durch tief abgehängte Holzdecken geprägte dunkle Räume und Flure, die mit zahlreichen Einbauten wie Schaukästen und Vitrinen versehen waren. Das ursprüngliche Konzept der offenen, transparenten Lehrakademie wurde durch diese Eingriffe auch inhaltlich ad acta gelegt. In den 90er-Jahren wurde das Kunstzentrum an das Ende des Nordflügels angefügt und veränderte das Bild ein weiters Mal. Hinzu kommt eine neue Eingangssituation, die durch die Erweiterung um ein Foyer mit Cafeteria, studentischen Arbeitsräumen und einem darüber liegenden Vorlesungssaal geschaffen wurde. Die lichte Freitreppe als Zugang in das Erdgeschoß wurde durch den Zugang durch das dunkle, im dekonstruktivistischen Zeitgeist eingerichtete Foyer ersetzt.

 

Neue Räume für eine bessere Lehre

 

Das vom Lehrgebiet Baukonstruktion II und Entwerfen entwickelte Gestaltungskonzept beruht auf einer inhaltlichen Neuausrichtung der Lehre: enger Kontakt zwischen Studierenden und Lehrenden, kleine Entwurfs- und Seminareinheiten, räumliche und inhaltliche Bindung der Studierenden an die Hochschule. Dies wird durch eine Umverteilung der vorhandenen Flächen zugunsten studentischer Arbeitsplätze erreicht. Die Büroflächen der Lehrgebiete werden im Gegenzug auf das Minimum reduziert und in die räumliche Nähe der Arbeitsplätze gerückt. Das Raumprogramm wurde durch das Umbaukonzept insofern verändert, dass ehemalige lehrgebietseigene Seminarräume zu großen, allgemein nutzbaren studentischen Arbeitsräumen wurden. Dies verlangte von den beteiligten Lehrgebieten die Reduktion der eigenen Büroflächen auf ein Minimum. Dadurch wurden einerseits neue Kapazitäten zugunsten der Lehre geschaffen und andererseits eine neue architektonische Qualität in das Gebäude gebracht. Im Erdgeschoss des Nordflügels konnte dadurch das ursprüngliche Prinzip des Einbunds, also eines Flures der nur einseitig mit Nebenräumen belegt ist, wieder realisiert werden, da die Arbeitsräume als Erweiterung des Flures erscheinen. Dies war nur mit einem innovativen Brandschutzkonzept durch die Bildung von zusammenhängenden Brandabschnitten realisierbar. Darüber hinaus wurden die Sanitärräume behindertengerecht modernisiert und Nebenräume wie z. B. eine Teeküche geschaffen. Ehemals reine Verkehrs- oder Funktionsflächen wie die Flure, Treppenhäuser und Foyers können nun für Präsentationen und Ausstellungen genutzt werden, die einem Studiengang Architektur angemessen sind. Einbauten, die den Raumeindruck der Flure und Treppenhäuser nachhaltig beeinträchtigt haben wurden rigoros entfernt.

 

Tragfähiges Gestaltungskonzept

 

Der Rückbau der alten, dem Raumgefühl abträglichen Eingriffe in Bau 1 steht im Vordergrund des Gestaltungskonzeptes. An Stelle einer dem Zeitgeist unterworfenen Neuinterpretation des Gebäudes steht die Wiederentdeckung und Stärkung bereits vorhandener Werte. Es wurden keine grundlegenden Eingriffe in die Gebäudestruktur vorgenommen sondern Dinge entfernt um die ursprünglich vorgesehene, hohe architektonische Qualität wieder zum Ausdruck zu verhelfen. Dazu gehören die optimale Belichtung der Räume, die Reduzierung der sichtbaren Details und die großzügige Gestaltung der Flure und Aufenthaltsräume. Bau 1 wird durch die dargestellten Maßnahmen wieder zu einem stimmigen Ganzen zusammengeführt und ermöglicht den Studierenden sowie den Lehrenden eine hohe Identifikation mit ihrem Haus.

Die Realisierung der Maßnahmen erfolgte in enger Kooperation mit der LBB, Niederlassung Kaiserslautern, die als Besitzer des Bau 1 für die Umsetzung der Baumaßnahme zuständig ist.

 

Das Lehrgebiet bedankt sich bei allen am Umbau Beteiligten und befürwortet die konsequente Fortführung der Maßnahmen in den weiteren Sanierungsabschnitten.