Pressemeldung
Prof. Dr. Annette Spellerberg gewinnt den "Best Congress Paper Award" bei der AESOP 2012
Von: Dipl.-Volkswirt Thomas Jung
Bei der 25. Jubiläumskonferenz der AESOP, The Association of European Schools of Planning, vom 10. bis zum 15. Juli in Ankara, mit über 1.000 Teilnehmern, erhielt Prof. Dr. Annette Spellerberg, Lehrgebiet Stadtsoziologie, den Preis für den besten Kongressbeitrag. Sie hat unter dem Titel "Dwellings and Generation Change in Owner Communities" ein Forschungsprojekt aus Rheinland-Pfalz vorgestellt, das vom rheinland-pfälzischen Finanzministerium im Rahmen des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus gefördert und in Kooperation mit Dr. Karl Ziegler, Fachbereich Raum- und Umweltplanung der TU Kaiserslautern, und der Energieagentur Rheinland-Pfalz durchgeführt wurde.
In dem Forschungsprojekt "Wohneigentum für Generationen. Siedlungen zukunftsfähig gestalten und entwickeln" wurde eine besondere Form von Eigenheimsiedlungen untersucht, nämlich Wohngebiete, die gemeinsam von ihren späteren Bewohnern in organisierter Gruppenselbsthilfe errichtet wurden. Siedlergemeinschaften sind aus der Not heraus entstanden, um auch ärmeren Bevölkerungsschichten familiengerechte Wohnungen bieten zu können. Die ersten Siedlungen entstanden in den 1920er Jahren, die Mehrheit der Siedlungen in Rheinland-Pfalz wurde in den 1950er und 60er Jahren gebaut. Die Eigenheime waren mit erheblichen baulichen Eigenleistungen und der Verpflichtung zur Selbstversorgung durch große Nutzgärten und Kleintierhaltung in Seitengebäuden verbunden. Viele Siedlungen haben sich in Vereinen organisiert und sind dem Verband Wohneigentum angeschlossen. Heute sind viele Grundrisse veränderten Bedürfnissen angepasst, die Seitengebäude werden zum Wohnen genutzt, und die Gärten werden als Hobby betrachtet. Eine alternde Bevölkerung und die Bewältigung des Generationenwechsels ist eine zentrale Herausforderung für viele Siedlergemeinschaften.
Ziel des Projektes war zu untersuchen, ob diese Eigentümergemeinschaften die anstehenden Zukunftsaufgaben besser bewältigen als andere suburbane Gebiete - obwohl die Bewohner häufig ein vergleichsweise hohes Alter erreicht haben. Die Frage war, wie die Nachbarschaft, wechselseitige Unterstützungsleistungen, die Modernisierung und Sanierung von Gebäuden, die energetische Sanierung sowie der Generationenwechsel bewältigt wird. Im Projektbereich Soziales wurden eine schriftliche Befragung zu den Themenbereichen Wohnen, Wohnzufriedenheit, Nachbarschaft und gemeinschaftliche Aktivitäten durchgeführt. In Beteiligungsverfahren, sogenannten „Zukunftswerkstätten“, wurden in jeder der fünf ausgewählten Siedlungen Projekte entwickelt, die für die Bewohnerinnen und Bewohner besonders relevant waren, um die Wohn- und Lebensbedingungen zu verbessern. Mit kommunalen Akteuren wurden Expertengespräche durchgeführt, um die Einbindung der Siedlungen in die Kommune sowie Besonderheiten zu eruieren.
Die fünf untersuchten Siedlungen zeichnen sich insgesamt durch eine hohe Ortsbindung, aktive Nachbarschaften und vielfältige Unterstützungs- und Gemeinschaftsaktivitäten aus. Allerdings ist zu beobachten, dass Nachbarschaft im Zuge des Generationenwechsels häufiger neutraler und pragmatischer begriffen wird, ähnlich wie in anderen suburbanen Wohngebieten. Das Projekt hat zugleich gezeigt, dass selbstnutzende Eigentümer – auch im höheren Alter – sehr aktiv sind und sich engagiert für ihr Wohngebiet einsetzen. Dieses Potenzial birgt ein großes, bisher weitgehend ungenutztes Potenzial für neue Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten. Insofern können die ausgewählten Fallbeispiele eine Vorbildfunktion für andere suburbane Vororte einnehmen. Auf der anderen Seite werden Investitionen in Gebäude hinten an gestellt, weil das Haus vererbt werden soll, die Nachkommen aber an anderen Orten wohnen und die Häuser letztendlich auf dem Markt weitere Nutzer finden müssen.
Das ländlich geprägte Rheinland-Pfalz richtet seine Aufmerksamkeit auf selbstnutzende Eigentümer im Hinblick auf einen energetisch zukunftsfähigen Wohnungsbestand. Das Projekt wurde auch mit dem Ziel gefördert, herauszufinden, ob organisierte Eigentümer eine höhere Bereitschaft zur energetischen Sanierung zeigen als Einzeleigentümer klassischer Wohngebiete. Es hat sich gezeigt, dass trotz Information, Beratung und Hilfe im Rahmen des Forschungsprojekts, auch in Siedlergemeinschaften der Einzeleigentümer von zentraler Bedeutung ist. Trotz vorteilhafter Voraussetzungen in den Gemeinschaften, wie Nachbarschaftshilfe und der Organisation in Verein und Verband, entscheiden die individuellen finanziellen Spielräume sowie die altersbedingten und familiären Bedingungen über die konkrete Handlungsbereitschaft und weniger das Leben in einer vergleichsweisen homogenen Siedlung mit gemeinsamer Bauerfahrung.
Das ExWoSt-Projekt (Experimenteller Wohnungs- und Städtebau) "Wohneigentum für Generationen" zielte somit auch darauf ab, die Siedlungen in den Fokus der verschiedenen kommunalen und landesweiten politischen Akteure zu rücken. Auf Landes- und Bundesebene hat das Projekt auch mit einem Abschlusssymposium Wirkung erzielt, zu dem Experten zur Wohnsuburbanisierung und energetischen Sanierung referierten und eigene Projektergebnisse präsentierten. Die Relevanz des Themas wurde dadurch unterstrichen, dass der zuständige Minister aus Rheinland-Pfalz (Finanzen und Bauen: Dr. Carsten Kühl), die Bürgermeister der beteiligten Städte und der gesamte Bundesvorstand des Verbandes Wohneigentum an der Abschlussveranstaltung des Projektes teilnahmen.
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