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V-Modell XT: TU Kaiserslautern und TU München entwickelten gemeinsam neuen Entwicklungsstandard für IT-Systeme des Bundes

Bundesinnenminister Otto Schily wird am 4. Februar den neuen Entwicklungsstandard für IT-Systeme des Bundes – das neue V-Modell XT – in einer feierlichen Auftaktveranstaltung in der TU München der Öffentlichkeit vorstellen. Das V-Modell XT ist in Behörden und vielen Unternehmen eine Richtschnur für die Organisation und Durchführung von IT-Vorhaben. Hervorzuheben sind der Bausteincharakter, das Sichtenkonzept und die durchgängige Werkzeugunterstützung des V-Modells XT. Wissenschaftler der TU Kaiserslautern und der TU München entwickelten gemeinsam mit den Industriepartnern EADS Deutschland GmbH, IABG mbH, Siemens AG und 4Soft GmbH diesen Entwicklungsstandard.

Das Bundesamt für Informationsmanagement und Informationstechnik der Bundeswehr (IT-AmtBw) und die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung (KBSt) im Bundesministerium des Innern gaben den Auftrag mit einem Gesamtvolumen von vier Millionen Euro.

Nach wie vor ist die Entwicklung von Softwaresystemen eine Herausforderung für Software-Ingenieure. Bei 49 % aller Software-Projekte wird – laut Schätzungen von Standish Group International Inc. – das Endprodukt entweder zu spät, mit erhöhten Kosten oder mit reduzierter Funktionalität übergeben. „Mit dem V-Modell XT werden Behörden und Unternehmen in die Lage versetzt, Software nach dem neuesten Stand der Informationstechnologie zu entwickeln“, erläutert Professor Manfred Broy von der TU München. Wie groß die Bedeutung des Vorgehensmodells mittlerweile ist, zeigt sich darin, dass es sowohl im militärischen Bereich als auch für den Verwaltungsbereich der Bundesbehörden als verbindlicher Standard gilt.

Forscher und Industriepartner konzipierten das 1997 letztmalig aktualisierte V-Modell neu. Es wird dadurch den Bedürfnissen moderner Softwaresysteme gerecht. Die Aspekte Entwicklung langlebiger und verteilter Softwaresysteme wurden deutlich verbessert. Außerdem achteten die Wissenschaftler bei der Konzeption des V-Modells XT besonders auf eine durchgehende Werkzeugunterstützung. So erhalten die Nutzer des V-Modells XT dank dieser Open-Source-Werkzeuge je nach Projekt ein maßgeschneidertes Vorgehensmodell, Wordvorlagen und Worddokumente wie beispielsweise das Angebot oder den Projektplan. „Durch die Werkzeuge wird die Anwendung des V-Modell XT substanziell vereinfacht, so dass es auch bereits für kleine und mittlere Projekte eingesetzt werden kann. Daneben werden V-Modell-Tools kommerzieller Anbieter ihre Berechtigung für größere Projekte haben“, meint Juniorprofessor Dr. Andreas Rausch von der TU Kaiserslautern.

Das V-Modell XT ist nach dem Baukastenprinzip verwirklicht. Durch die modulare Grundstruktur kann der Anwender sein individuelles Vorgehensmodell zusammenstellen. So nutzt ein Auftragnehmer eines Softwareprojektes das V-Modell anders als ein Auftraggeber und entsprechend werden unterschiedliche Vorgehensbausteine offeriert. Beispielsweise braucht eine Firma, die sich um einen Softwareentwicklungsauftrag bewirbt, den Vorgehensbaustein zur „Angebotserstellung und Vertragserfüllung“. Darin enthalten sind Produkt- und Aktivitätsbeschreibungen wie „Bewertung der Ausschreibung“ oder „Vertrag“.

Neben dem Bausteincharakter kommt ein weiteres Grundprinzip bei der Erstellung des V-Modells hinzu: das Sichtenkonzept. Der Anwender kann sein erarbeitetes Vorgehensmodell aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Beispielsweise liefert die Konventionssicht eine Darstellung in Hinblick auf Standards, Normen und Vorschriften. Durch die sogenannten Konzeptsichten erhalten spezielle Anwendergruppen gesonderte Darstellungen unter anderem der Vorgehensbausteine oder der Aktivitäten.

Die öffentliche Hand stellt das V-Modell XT den Anwendern auf der Seite der Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung (KBSt) – www.kbst.bund.de – kostenfrei zur Verfügung. Ein Download ist auch unter www.v-modell-xt.de (linke Navigationsleiste: V-Modell XT) möglich. Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern hat eine Lerntour erarbeitet, die auf der gleichen Website unter "V-Modell->Support->Lerntour" zu finden ist.

Vor Veranstaltungsbeginn am 4. Februar 2005 (11.15 Uhr, Hörsaal 1 im Institut für Informatik der TU München) findet um 10.00 Uhr ein Pressegespräch im Fakultätsraum statt. Gesprächspartner sind: Wolfgang Stolp, Präsident des IT-AmtBw, Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy, Institut für Informatik, TU München, und Juniorprofessor Dr. Andreas Rausch, Fachbereich Informatik, TU Kaiserslautern.

 

Ansprechpartner:

Juniorprof. Dr. Andreas Rausch

Fachbereich Informatik

TU Kaiserslautern

Tel.: 0631/205-3360

e-mail: rausch@informatik.uni-kl.de

 

Die TU Kaiserslautern ist die einzige technisch-ingenieurwissenschaftlich ausgerichtete Universität in Rheinland-Pfalz. Zukunftsorientierte Studiengänge, eine praxisnahe Ausbildung und eine moderne Infrastruktur sind die Rahmenbedingungen, die Studierende an der Campus-Universität vorfinden. Die TU Kaiserslautern wurde beim bundesweiten Wettbewerb "Exzellente Lehre" mit dem Exzellenz-Preis für Studium und Lehre ausgezeichnet. Damit stellt die TU den hohen Stellenwert ihrer Studienangebote unter Beweis. Darüber hinaus profitieren die Studierenden und Wissenschaftler von den zahlreichen international renommierten Forschungseinrichtungen, die im Bereich der angewandten Forschung eng mit der TU Kaiserslautern kooperieren.

 

 

Katrin Müller
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