Werkzeugkasten: Wiki, Weblog - Social Software

Unter "Social Software" werden einfache und flexible Anwendungen verstanden, die das kooperative Zusammentragen und Bearbeiten von Inhalten unterstützen. Dazu gehören u.a. Wikis und Weblogs. Beide Werkzeuge leben von der aktiven Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer.

 

Wiki

"Wiki" bezeichnet kollaborative Managementsysteme für Inhalte von Webseiten (engl.: Content Management System – CMS). Die für Wikis typische gemeinsame Entwicklung von Webseiten wurde 1994-95 von Ward Cunningham entwickelt. Der Name "Wiki" (auf Hawaiianisch "schnell") steht für ein schnelles Bereitstellen und Auffinden von Informationen in Webseiten.

Wiki-Systeme zeichnen sich durch vier Hauptmerkmale aus:

  • Alle Anwenderinnen und Anwender verfügen über Bearbeitungsrechte, d. h. sie können vorhandene Inhalte modifizieren und/oder neue Inhalte einstellen.
  • Eine (halb-)automatische interne Verlinkung verlinkt im Text vorkommende Begriffe mit den Titeln bereits im System vorhandener Seiten.
  • Alle Veränderungen und Erweiterungen der Texte eines Wiki-Systems werden dokumentiert und können bei Bedarf wieder zurückgeführt werden. Diese Erfassung der Entstehungsgeschichte bezeichnet man als "Versionierung".
  • Um Textbeiträge innerhalb eines Wikis zu formatieren und um Links anzubringen, wird eine vereinfachte Syntax (die Wiki-Syntax) verwendet, die bei Speicherung des Textes in HTML-Code konvertiert wird. Einige Wiki-Systeme bieten einen WYSIWYG-Editor (What you see is what you get) für die Formatierung und ersparen ihren Anwendern somit das Erlernen der Wiki-Syntax.

Einsatzbereiche in der universitären Lehre

Wiki-Systeme ermöglichen die kollaborative Gestaltung von Internetseiten. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Online-Enzyklopädie Wikipediaexterner Link.

Im Lehr-Lernkontext werden Wikis eingesetzt für:

  • die kollaborative Erstellung von Seminararbeiten
  • die kollaborative Sammlung von Lernmaterial (in Gruppenarbeit, für die gesamte Lerngruppe, mit oder ohne Beteiligung des Lehrenden)
  • Projektkoordination und -dokumentation

Der Einsatz von Wikis bietet Einblicke in die Entstehungsprozesse dieser Hypertextsysteme, d. h. in die für die gemeinsame Erstellung notwendigen Arbeitsabläufe. Dies erfordert die aktive und regelmäßige Beteiligung möglichst aller Teilnehmer/innen, die sich an zuvor publizierte Regeln halten sollten. Diese legen beispielsweise fest, unter welchen Bedingungen Änderungen an fremden Texten vorgenommen werden dürfen.

Zwei Beispiele für den Einsatz eines Wiki-Tools in der Hochschullehre werden in der (englischsprachigen) Präsentation von Monika Haberer und Dr. Dorit Günther (Vortrag am 29. Mai 2008 auf der 2nd E-Learning Conference of the Charter SarLorLuxexterner Link in Zweibrücken) vorgestellt: "Wiki - Two Ways of Initiating Collaborative Learning Processes".
Download hier: Abstract (pdf) und Präsentation (pdf).

Weblog (Blog)

Ein Weblog (kurz: Blog) ist ebenfalls eine Art Content Management System, das neue Publikationen in regelmäßigen Abständen im Web ermöglicht. Die Einträge sind chronologisch rückwärts geordnet, d.h. der neueste Beitrag steht an oberster Stelle.
Weblogs entstanden Mitte der neunziger Jahre und werden hauptsächlich als Online-Tagebücher und zur Publikation von aktuellen Nachrichten verwendet. Diese werden von Einzelpersonen oder Einrichtungen an abonnierte Empfänger/innen verteilt.

Im Vergleich zum Aufwand bei der Erstellung von Webseiten ist die Pflege eines Weblogs einfach: Die Publikation neuer Inhalte erfolgt über Formulare im Internet, die ebenfalls die Integration von Grafiken gestatten. Es wird kein HTML-Editor benötigt. Einige Weblogs bieten zusätzlich einen WYSIWYG-Editor zur Text-Formatierung. Eine Übertragung der neuen Inhalte auf den Server per FTP entfällt. Weblogs bieten i.d.R. die Möglichkeit, vorhandene Beiträge zu kommentieren.

Der Anbieter eines Weblogs betreibt i.d.R. einen RSS-Feed (Rich Site Summary / Really Simple Syndication), über welchen entsprechende "Feed-Reader" auf den Rechnern der Abonnenten einen kurzen Hinweis auf die neue Publikation erhalten. Dieser Hinweis umfasst den Titel und eine Kurzbeschreibung des neuen Beitrags sowie einen Link zum kompletten Text, den die Abonnenten bei Interesse abrufen können.

 

Einsatzbereiche in der universitären Lehre

Weblogs können eingesetzt werden:

  • zur Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien und Arbeitsanweisungen zu den jeweiligen Veranstaltungsterminen
  • zur nachträglichen Verteilung von Musterlösungen zuvor gegebener Aufgaben
  • als Lerntagebuch (Lernende führen zur Dokumentation und transparenten Darstellung ihres Lernprozesses ein Lerntagebuch)
  • als Projekttagebuch (Arbeitspakete und sonstige projektrelevante Ereignisse werden in chronologischer Reihenfolge erfasst und bei Bedarf kommentiert)
  • zum regelmäßgen Versenden von Audio-/Video-Dateien als Episoden eines Podcasts
    Anwendungsbeispiel: das Podcastportal der TU Kaiserslautern wird mit dem Weblog-System WordPressexterner Link umgesetzt.