Grundsatzprogramm

Das Grundsatzprogramm als pdf

Präambel
Die gruene:uni Kaiserslautern ist eine studentische Hochschulgruppe, die sich in der Tradition der demokratischen Studierendenbewegungen sieht und hierbei besonders stark das Prinzip der Nachhaltigkeit in das universitäre Leben zu integrieren versucht. Dabei besteht das Selbstverständnis der grünen Uni darin, das Prinzip der Nachhal­tigkeit über die Betonung des kulturellen, sozialen, ökologischen, emanzipativen, demokratischen und ressourcensparsamen Miteinanders an der Universität zu verwirklichen, und somit die Universität von einem reinen Ausbildungsbetrieb zu einer Stätte der Bildung zurückzuführen.
Hierbei begreift sich die gruene:uni als neue treibende Kraft der studentischen Politik der TU Kaiserslautern und wird so in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft die Richtung innerhalb der studentischen Politik angeben, sowie die politische Kultur zum Wachsen bringen. Das vorliegende Grundsatzprogramm dient dazu, die Richtung dieser Politik zu manifestieren, und steht in einer Linie mit bisherigen Grundsatzprogrammen und Manifesten der linken, alternativen und grünen Bewegung.

I Grundsätze
i. Studentische Kultur
Das studentische Leben muss mehr zu bieten haben als das Studium selbst. Eine kreative und geistige Entfaltung der eigenen Persönlichkeit ist nur innerhalb eines kulturellen Kontextes möglich. Dieser muss möglichst ausdifferenziert sein, um eine große Palette an Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Hierzu muss ein kooperatives Verhältnis zwischen den städtischen Einrichtungen, privaten Initiativen, den einzel­nen Hochschulgruppen und den studentischen Organisationen bestehen. Dies er­möglicht eine kulturelle Vielfalt, die für ein qualitativ hochwertiges Leben am Studien­standort Kaiserslautern von hoher Priorität ist.
ii. Sozialgerechte Universität
Ein Studium darf nicht auf Grund von sozialen Dispositionen, wie z.B. der Zugehörig­keit zu einer finanziell benachteiligten Bevölkerungsgruppe, abgebrochen werden. Hier ist es von Nöten, die TU Kaiserslautern und deren sozialen Auffangmechanis­men so auszugestalten, dass ein Studienabbruch nicht auf Grund eben dieser Be­nachteiligungen determiniert wird. Das System muss von Fremdselektion auf Selbst­selektion, was die ökonomischen Rahmenbedingungen betrifft, umgestellt werden. Dazu muss sich die Studierendenschaft als Solidargemeinschaft begreifen.
iii. Ökologische Universität
Die Universität ist der Schmelztiegel neuer Ideen, neuer Konzepte von Technik und Theorie. Die Ökologie soll dabei im Mittelpunkt stehen. Aus diesem Grund muss die Universität der Ort sein, an dem diese neuen Ideen und Konzepte erprobt und verwirklicht werden. Dies kann nur durch Überwindung der funktionalen Differenzierung der einzelnen Fachbereiche, und der damit einhergehenden Vernet­zung der Studierenden der jeweiligen Fachbereiche untereinander, gelöst werden. Die Ökologisierung der Gesellschaft, ausgehend von den Universitäten, kann nur interdisziplinär erreicht werden. Dazu muss ein Zusammenspiel zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, sowie technischen Wissenschaften gelingen. Zum einen können so neue Kompetenzen der Studierenden entwickelt werden, die auch von individuellem Nutzen sein werden. Zum anderen kann sich so die Universität als gesellschaftlich relevanter Problemlöser positionieren und so eine lebenswerte Zukunft garantieren, die die ökologischen Probleme der modernen Gesellschaft hinter sich gelassen haben wird bzw. deren Folgen stark vermindert haben wird.
iv. Emanzipation und Demokratisierung
Demokratie ist ein Prinzip der Emanzipation eines/einer jeden/jeder Einzelnen aus gesellschaftlicher Unmündigkeit. Diese mag zum Teil selbstverschuldet sein, zum andern Teil durch gesellschaftliche Restriktionen bestimmt sein. Die Universität ist der Ort, an dem diese Unmündigkeiten überwunden werden können und müssen. Gerade hier muss das Prinzip der Gleichheit und Brüderlichkeit, auch wenn dies eine hohe Kontrafaktizität und damit verbundene Kontingenz aufweist, gelebt und in unendlicher Annäherung versucht werden, sie in den Horizont des Möglichen zu rücken. Dazu dürfen individuelle Persönlichkeitsmerkmale nicht zur Exklusion führen. Die Studierendenschaft muss sich als Studierendenschaft begreifen und sich so in sich selbst integrieren. Das hat zu Folge, dass sich die Studierendenschaft stärker als Gemeinschaft definieren kann. Sie muss die Vielheit in der Einheit repräsentieren und durch die so gewonnene Souveränität ihre Macht kommunikativ zur Geltung bringen. Dies muss dazu führen, dass sich die Studierendenschaft auf einer Augenhöhe mit der herrschenden Elite der Universität begibt. Diese Elite darf diese Macht nicht verkennen, und wird diese Berücksichtigen müssen. Die Studierendenschaft muss sich auch innerhalb des Willensbildungsprozesses an der Universität ihrer Masse entsprechend positionieren und die gegenwärtig faktische Elite, ihrer Masse entsprechend, in die Schranken weisen.
v. Transparenz und politische Kultur
Die Nachvollziehbarkeit der getroffenen Entscheidungen innerhalb der grünen Uni ist auf Grund der basisdemokratischen Ausrichtung unabdingbar und erfordert ei­nen hohen Grad an Transparenz. Dieses Prinzip gilt es auch als Grundlage für die Entscheidungen der VertreterInnen der gruenen:uni in den gewählten Gremien zu verwurzeln. Dazu ist es unabdingbar, sämtliche zur Verfügung stehende Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen, um in der Hochschulöffentlichkeit beobachtbar zu werden und die getroffenen Entscheidungen so einem kritischen Diskurs zugänglich zu machen. Hierzu bieten sich sowohl die klassischen Wege der Publizität an, als auch die neuen Wege über das Internet. Hierbei liegt es im Verständnis der grünen Uni, die getroffenen Entscheidungen und vorherigen Themensetzungen in den Gremien nachvollziehbar darzustellen. Nur mittels dieser Transparenz ist es möglich, die vorhandene Apathie der meisten Studierenden gegenüber den politischen Prozessen an der Uni abzubauen. Denn nur so kann ein kontroverser Diskurs entstehen, der Voraussetzung für eine politische Kultur darstellt. Nur durch die Differenz des einem zum anderen kann eine Wahlmöglichkeit für einen Standpunkt errungen werden. Nur durch Wahlmöglichkeiten kann eine lebendige politische Kultur entstehen. Deshalb verpflichtet sich die grüne Uni dazu, den Mut zu haben Stellung zu beziehen und einen Standpunkt einzunehmen, dabei stets die anderen politischen Akteure hinterfragend. Nur so können Themen in der Hochschulöffentlichkeit gesetzt werden, die dann einen Diskurs zu lassen. Die grüne Uni manifestiert sich so als einen der tragenden Pfeiler der politischen Kultur an der Universität.
vi. Forschung und Lehre
Die Universität ist der Ort, an dem die Gesellschaft von morgen gedacht werden muss. Hier werden die technischen und wissenschaftlichen Grundlagen für die Lö­sung der gegenwärtigen und zukünftig gegenwärtigen Probleme innerhalb der Ge­sellschaft geschaffen. Der gesellschaftliche Nutzen kann aber nur zur vollen Entfal­tung gebracht werden, wenn die Erkenntnisse, die an der Universität gesammelt wurden, der Allgemeinheit zugänglich ist. Dazu muss die Universität diese Erkennt­nisse für jedermann frei zugänglich machen. Nur so gelingt es, diese Erkenntnisse in den öffentlichen Diskurs einzubringen und die Informationsasymmetrien, die zwi­schen der herrschenden Elite und dem/der BürgerIn bestehen, auszugleichen. Hierzu muss im Sinne des humboldtschen Bildungsideals die Lehre diese Erkenntnisse vermitteln, und so die Studierendenschaft dazu befähigen, als gesellschaftliche Katalysatoren aufzutreten, die es dann ermöglichen sie in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Die Universität kann und darf nicht isoliert von der Gesellschaft existieren. Sie darf auch nicht zu einem verlängerten Arm der Forschungsabteilungen der Wirtschaft werden. Aus diesem Grund darf die Universität nicht primär aus Drittmitteln finanziert werden. Ihr gesellschaftlicher Auftrag, verwurzelt in einer demokratisch legitimierten Gesellschaft, muss wieder in den Vordergrund rücken. Forschung darf nicht nur für wirtschaftliche Interessen betrieben werden; sie muss der Allgemeinheit dienen.

II Aufgaben
Aufgabe der gruenen:uni ist es, im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundord­nung an den Entscheidungsfindungsprozessen an der TU Kaiserslautern zu partizi­pieren und den Grundsätzen entsprechend die Ziele dieses Grundsatzprogrammes zu verwirklichen. Hierbei sollen insbesondere die Kompetenzen der verschieden Studienrichtungen der Mitglieder gebündelt werden, um sich so in besonders hoher Qualität in den Diskursen der einzelnen Gremien zu entfalten und den Entscheidungsfindungsprozess, dem Grundsatzprogramm entsprechend, lenken zu können.

beschlossen von der Mitgliederversammlung am 12.07.2010