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Ausgangslage und theoretischer Hintergrund

1. Geschlechtsspezifische sozialisationsbedingte...

Aufgrund des spezifischen Fächerangebotes der TU Kaiserslautern (primär Natur- und Ingenieurwissenschaften) liegt der Studentinnenanteil trotz enormer Zuwächse in den letzten zehn Jahren insgesamt lediglich bei 35,5% (Stand: Wintersemester 2008/09), in einer Reihe von Fächern sogar nur um 10%. Diese niedrigen Anteile verweisen auf geschlechtsspezifische Hürden, die das Berufswahlspektrum erheblich einschränken. Ursachen hierfür liegen u.a. in einem unterschiedlichen Sozialisationsverlauf bei Jungen und Mädchen. So werden sie in der Familie und in den Schulen nach wie vor primär in den Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Interessen gefördert, die sich an den vorherrschenden Geschlechtsrollen orientieren. In diesem Prozess – unterstützt durch die Medien – lernen sie auch, Berufe im naturwissenschaftlich-technischen Bereich als „männliche“ wahrzunehmen.

Dieses hat Konsequenzen für die Lebensplanung und Lebensgestaltung von beiden Geschlechtern. Bei Mädchen und Frauen entwickelt sich oft eine ablehnende Grundhaltung, wenn Technik und (technisierte) Naturwissenschaft als „unweiblich“/“männlich“ betrachtet werden, und diese Bereiche werden den Männern überlassen. Damit sind Frauen in wesentlichen Erfahrungsmöglichkeiten sowie Chancen auf die Erlangung von Positionen, die die Gestaltung von Welt und Umwelt beeinflussen können, stark eingeengt. Umgekehrt muss die Gestaltung von Technik, von Gesellschaft, von Zukunft in einem erheblichen Maß ohne die innovativen Potentiale von Frauen auskommen.

Im Gegensatz zu den Jungen findet also bei den Mädchen im Verlauf von Kindheit und Jugend kein kontinuierlicher, unterstützender und ermutigender Kontakt zu naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen statt, der sie als Erwachsene in selbstverständlicher Art und Weise in diese einmünden lassen könnte.

 

2. Strukturelle Benachteiligungen

Entscheiden sich Mädchen und Frauen dennoch für ein eher „frauenuntypisches“ Fach, so finden sie erschwerende Bedingungen/Strukturen vor:

 

  • Wissenschaft und Hochschulen sind aufgrund von historischen und gesellschaftlichen Bedingungen nach männlichen Interessen, Herangehensweisen, Lebensentwürfen und -rhythmen, Problemstellungen und Wertvorstellungen strukturiert.
  • In den Natur- und Ingenieurwissenschaften finden sich erheblich weniger weibliche als männliche Studierende, wodurch Frauen möglicherweise in eine „Außenseiterposition“ geraten, als „Exotinnen“ gelten.
  • Es fehlen Identifikationsmöglichkeiten, weibliche Vorbilder, da Frauen unter den Lehrenden noch seltener zu finden sind.
  • Aufgrund fehlender Kenntnisse von struktureller Diskriminierung werden Frauen oftmals mit Vorurteilen bedacht, wogegen sie sich - meist individuell - zur Wehr setzen müssen.
  • In diesen Bereichen gilt eine Vereinbarkeit mit familiären Aufgaben als besonders schwierig; denn auch Studien- und Arbeitsorganisationen richten sich nach dem männlichen Lebensmodell, das immer noch beinahe ausschließlich eine kontinuierliche Berufstätigkeit vorsieht, die nicht durch reproduktive Tätigkeiten (Haushalt, Kinder) „beeinträchtigt“ wird.

3. Vorurteile

Es herrscht immer noch die Auffassung, dass Technik und Naturwissenschaft den weiblichen Neigungen widerspreche. Doch wie zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen (z.B. KUCKLICH u.a. 1994) nachweisen, haben Frauen ein stärkeres Interesse an diesen Bereichen, als gemeinhin für möglich gehalten wird. Dieses Potential sollte gestützt werden, Schülerinnen mit einer Affinität zu technischen, mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern sollten ermutigt werden, sich für ein solches Studienfach zu entscheiden.