Pressemeldung

Die Technische Universität trauert um Prof. Dr. Helmut Ehrhardt


Von: Hartmut Hotop, Hans Oechsner


09.05.2011
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Die TU Kaiserslautern trauert um ihren Gründungspräsidenten Prof. Dr. Helmut Ehrhardt. Der Ehrensenator der Universität verstarb am 05. Mai im Alter von 84 Jahren.

 

Von 1972 bis 1981 stellte Helmut Ehrhardt als erster Präsident die Weichen für die Zukunft der Universität Kaiserslautern. Seine Verdienste um die Gründung und Weiterentwicklung der Technischen Universität Kaiserslautern wurden mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz gewürdigt. Eine weitere hohe Ehre wurde Helmut Ehrhardt zuteil, als ihm Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel anlässlich des 40. Geburtstags der TU im September 2010 die Goldene Stadtplakette verlieh.

 

Helmut Ehrhardt erhielt seine akademische Ausbildung an der Universität Bonn, wo er in der Gruppe von Prof. Wolfgang Paul promovierte. Ab 1960 war er Assistent in der Gruppe von Prof. Otto Osberghaus an der Universität Freiburg, an der er sich 1966 in Experimentalphysik mit Arbeiten auf dem Gebiet der Massenspektrometrie und der Elektronenstoßprozesse habilitierte. 1968 folgte er einem Ruf nach Mainz, wo er bald eng in die Planungen zur Gründung der Universität Trier-Kaiserslautern einbezogen wurde. 1972 wurde er Gründungspräsident dieser Universität und übernahm in Kaiserslautern einen Lehrstuhl für Experimentalphysik.

 

Helmut Ehrhardt hatte sich schon in den 60er Jahren durch seine Untersuchungen zu Resonanzphänomenen und zur Ionisationsdynamik in Elektronenstößen mit Atomen und Molekülen einen hervorragenden wissenschaftlichen Namen gemacht. Seine Gruppe führte die weltweit ersten Koinzidenzmessungen der beiden Elektronen nach elektronstoß-induzierter Ionisation von Atomen und Molekülen durch. Diese Arbeiten wurden stetig weiter entwickelt und bildeten eine der Säulen des ersten Kaiserslauterer Sonderforschungsbereichs 91 "Energietransfer bei atomaren und molekularen Stoßprozessen" (1978-1992). Viele renommierte ausländische Wissenschaftler waren dabei Gäste der Arbeitsgruppe. Helmut Ehrhardts große Anerkennung auf diesem Gebiet drückte sich auch dadurch aus, dass er 1973 bei der International Conference on the Physics of Electronic and Atomic Collisions in Belgrad als Chairman fungierte.

 

Als Helmut Ehrhardt 1981 sein Wirken als Präsident unserer Universität beendete, hätte er sicher sehr reizvolle Aufgaben in der Hochschulpolitik in einem Umfang übernehmen können, die seinen Tag voll ausgefüllt hätten. Trotzdem wandte er sich mit einer schnell wachsenden Arbeitsgruppe wieder eigener Forschung zu, und zwar auf einem für ihn als Atomphysiker völlig neuen und sehr aktuellen Feld, nämlich der Physik und den Anwendungen Dünner Schichten. Diese Arbeiten erfolgten vor allem im Rahmen des 1985 mit Helmut Ehrhardt als Gründungsmitglied eingerichteten Forschungsschwerpunkts "Materialwissenschaften". Die Gründung der heute noch existierenden Forschungsschwerpunkte des Landes wie auch der jetzt in Kaiserslautern bestehenden Forschungsinstitute geht auf die Empfehlungen der Expertenkommission "Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung" zurück, die vom damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel einberufen und von Helmut Ehrhardt geleitet wurde.

 

Der materialwissenschaftliche Schwerpunkt in Kaiserslautern, zu dem sich Arbeitsgruppen aus der Physik, dem Maschinenbau und der Chemie zusammenschlossen, war der erste Landesforschungsschwerpunkt überhaupt. Der Universität flossen daraus erhebliche Finanzmittel und Stellen zu, die allerdings immer an die erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln gekoppelt waren. Eines der zentralen Themen des Schwerpunkts waren neue Materialien in Form Dünner Schichten und deren Anwendungen in vielen modernen Technologiebereichen wie der Photovoltaik, der Informationstechnologie, der Werkzeugtechnik oder der Tribologie. Aufgrund seiner neuen Arbeitsrichtung wurde Helmut Ehrhardt ein wichtiger Exponent gerade auf den beiden zuletzt genannten Bereichen. Dabei hat er sich mit den in den neunziger Jahren wichtig werdenden Hartstoffschichten aus Metallnitriden und -karbiden, vor allem aber mit Diamantschichten befasst. Auf diesen Gebieten gelangte er mit seinen Mitarbeitern rasch zu internationalem Renommee. Als Depositionstechniken benutzte Helmut Ehrhardt plasma- und ionengestützte Verfahren, die eine atomare Synthese von Schichtstrukturen erlaubten. Hervorzuheben sind die Kooperationen gerade mit kleinen und mittelständischen Firmen zur Oberflächenveredelung und -vergütung von Werkzeugen und Bauteilen.

 

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