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Konzept

Jugendliche wählen oft traditionell geschlechtsspezifische Berufe. Mit dem „Schülerinnentag“ zielen wir auf eine Erweiterung des Berufswahlspektrums von Mädchen/jungen Frauen, da sie in den meisten technischen und einigen naturwissenschaftlichen Studiengängen, die an der TU studiert werden können, unterrepräsentiert sind. Sie erhalten im Rahmen der Veranstaltung nicht nur konkrete Informationen über die vielfältigen Alternativen, sondern auch die Gelegenheit, sich ihrer eigenen Kompetenzen durch praktische Erfahrungen bewusst zu werden. Dabei können sie aus einem umfangreichen Programm – etwa 50 Workshops und 15 Vorträge u.a. – wählen. Zahlreiche wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Studierende und ProfessorInnen sind mit der Bereitstellung von Angeboten beteiligt. Die Veranstaltung wird mittels Fragebogen für Schülerinnen, Workshopleitende und Lehrkräfte evaluiert. Bislang wurde der „Schülerinnentag“ vom Frauenbüro 16. Mal organisiert.

Unser Konzept basiert auf vier Säulen: 1. Angebote für praktisches Erproben; 2. geschlechtshomogene Lerngruppen, also ausschließlich Gruppen von Schülerinnen; 3. Präsentation von Informationen und Vorbildern; 4. Sensibilisierung der Lehrkräfte.

 

 

1. Angebote für praktisches Erproben

Um einen möglichst intensiven Kontakt zu technischen und naturwissenschaftlichen Fragestellungen zu erlangen, können die Schülerinnen der gymnasialen Oberstufe an kleinen Arbeitsgruppen/Workshops teilnehmen. Hier können sie aktiv bislang eher ungewohnte Bereiche erfahren und dabei erleben, dass sie als Mädchen/Frauen durchaus erfolgreich mit naturwissenschaftlichen und technischen Fragestellungen umgehen können, und dass es sogar spannend sein und Spaß machen kann. Die Fachbereiche sowie die Bibliothek bereiten ein breites Spektrum an interessanten Versuchen vor. In den Workshops haben die Schülerinnen Gelegenheit, in verschiedene Bereiche der Naturwissenschaften und der Technik Einblicke zu erlangen und festzustellen, dass auch sie Fragestellungen der Mathematik, Informatik, Biologie, Chemie, Elektro- und Informationstechnik, Physik, des Maschinenbaus, der Verfahrenstechnik und des Wirtschafts- und Bauingenieurwesens erfolgreich lösen können.

2. Geschlechtshomogene Lerngruppen

Wissenschaftliche Untersuchungen, beispielsweise zur Koedukation, sowie Erfahrungen in unterschiedlichen Projekten zeigen, dass Angebote speziell für Mädchen und junge Frauen geeignet sind, diese für naturwissenschaftliche und technische Sachverhalte zu interessieren und ihre Studien-und Berufsorientierung zu erweitern.

In koedukativen Lernsituationen – also bei der gemeinsamen Unterrichtung von Mädchen und Jungen – werden Mädchen, besonders in naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächern (siehe z.B. FAULSTICH-WIELAND 1991), aufgrund z.B. der mangelnden Berücksichtigung ihrer Lerninteressen und Zugangsweisen benachteiligt. Diesen Untersuchungsergebnissen folgte das Postulat, Modelle zu entwickeln und anzuwenden, die die Benachteiligung von Mädchen aufheben. Das heißt, dass der gemeinsame Unterricht von Mädchen und Jungen nicht prinzipiell in Frage gestellt wird. Dennoch – und auch wegen des Fehlens oder der mangelnden Verbreitung entsprechender förderlicher Konzepte (Stichwort „reflektierte Koedukation“) – wird eine zeitweise Trennung durchaus für sinnvoll gehalten. Unter sich wagen die Schülerinnen eher, Fragen zu stellen, selbst etwas auszuprobieren, auf ihre Art und Weise an die Sache heranzugehen etc. Ein erfolgreiches Ausprobieren könnte ihre Sicht auf die Technik verändern und dazu führen, daß sie einen naturwissenschaftlichen Leistungskurs, ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium in Betracht ziehen.

 

3. Informationen und Vorbilder

Den Schülerinnen soll die Veranstaltung einen Einblick in verschiedene Arbeitseinheiten sowie breitgefächerte Informationen über die Technische Universität, die Fachbereiche und Studiengänge bieten. Bei der Vermittlung durch weibliche Studierende und wissenschaftlich Beschäftigte gewinnen sie darüber hinaus weibliche Vorbilder.

Im Rahmen einer Infobörse, einer Podiumsdiskussion und durch Studienberatungsangebote von Fachbereichen und Fachschaften erhalten die Schülerinnen die Möglichkeit, Informationen zum Studium, zu bestimmten Studiengängen und auch eine individuelle Studienberatung zu bekommen. Die vielfältigen Informationen und Gespräche können nichtzutreffende Vorstellungen über diese Fächer revidieren, ein realistischeres Bild erstellen helfen. Durch die Betreuung von Studierenden und MitarbeiterInnen, welche die Schülerinnen begleiten oder zu Kaffee und Gespräch einladen, sollen mehr als nur fachspezifische Fragen diskutiert werden können. Auch allgemeine studienbezogene Aspekte können im Gespräch behandelt, Erfahrungen ausgetauscht werden. Die Studentinnen und Mitarbeiterinnen stellen für die Schülerinnen wichtige Identifikationspersonen dar.

 

4. Sensibilisierung der Lehrkäfte

Mit dieser Veranstaltung möchten wir auch den beteiligten Lehrkräften von Schulen und Universität die Möglichkeit bieten, geschlechtsspezifische Denk- und Handlungsstrukturen, besonders auch Entscheidungsfindungsprozesse, zu hinterfragen. Dadurch sensibilisiert können sie als MultiplikatorInnen unser Projekt durch entsprechende Aktivitäten in ihrem jeweiligen Bereich unterstützen. Langfristig sollen benachteiligende Strukturen im koedukativen Unterricht in Schule und Hochschule abgebaut, Lerninteressen und Zugangsweisen von weiblichen Lernenden berücksichtigt werden. Durch das Curriculum vorgeschriebene Themen sollten in handlungsorientierte Kontexte eingebunden werden, wodurch Bezüge zum Menschen hergestellt, soziale Auswirkungen oder praktische Anwendbarkeit aufgezeigt werden könnten. Den Schülerinnen/Studentinnen soll Gelegenheit gegeben werden, eigene experimentelle Erfahrungen zu sammeln, wofür eine partielle Monoedukation sinnvoll sein kann. Insgesamt ist eine inhaltliche und methodische Umgestaltung des naturwissenschaft-technischen Unterrichts vorzusehen, der Mädchen und Jungen fördert.