Studium Integrale
Konfliktraum Straße
höchste Zeit für die Rückgewinnung der Stadtstraße
Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Ulrike Reutter
Donnerstag, 17. Januar, 17.15 Uhr
Gebäude 42, Hörsaal 110
Stadtstraßen haben viele Funktionen: an ihnen wird gewohnt, gelebt, geschlafen, gespielt, gearbeitet, die freie Zeit verbracht, sich entspannt und erholt, gelernt und Sport betrieben, an ihnen wird produziert und gehandelt, ge- und verkauft, Dienstleistungen angeboten und nachgefragt, sie erschließen Grundstücke und Räume. Und natürlich verbinden sie Orte und auf ihnen wird verkehrt – zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Rollator, mit dem Rollstuhl, mit dem Bus, mit der Straßenbahn, mit dem Automobil, mit dem Lkw, mit dem Lieferwagen, mit dem Segway, mit dem Skateboard, mit Rollschuhen und Liegerädern. Sie dienen dem Nahverkehr und der Verbindung zu Zielen in der Ferne. … Doch an den meisten Stadtstraßen sind alle diese Aufgaben und Funktionen der Vorherrschaft des Autoverkehrs untergeordnet.
Konflikte, die sich aus den ungleichen Machtverhältnissen der Straßennutzer ergeben, sind deshalb tagtägliche Wirklichkeit: Unfälle mit Toten und Verletzten, störender Lärm und schädliche Abgase, Flächenverbrauch und Entwertung von Stadtqualität. Diesen Konflikten wird mit unterschiedlichen verkehrs- und stadtplanerischen Strategien begegnet.
Der Vortrag zeigt kritisch auf, mit welchen Zielen, Interessen, Leitbildern und Konzepten die Verkehrsplanung in den letzten Jahrzehnten versucht hat, die unterschiedlichen Ansprüche an Stadtstraßen zu trennen, zu verlagern, zuzulassen oder zu verbieten und so die Konflikte zu lösen – oder eben auch nicht. Es ist höchste Zeit, dass die Stadtstraßen für die Menschen zurückgewonnen werden, indem die Dominanz des Autoverkehrs zurückgedrängt wird – auch dafür gibt es gute Beispiele!
Prof. Dr.-Ing. Ulrike Reutter
Prof. Dr.-Ing. Ulrike Reutter, geb. 1961, verheiratet, zwei erwachsene Söhne, arbeitete nach dem Studium der Raumplanung an der Universität Dortmund zunächst am Forschungsschwerpunkt Stadterneuerung der Hochschule der Künste in Berlin und anschließend bis 2011 im ILS - Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund. 1995 promovierte sie zur Doktor-Ingenieurin mit der Dissertation: „Autofreies Leben in der Stadt“. 2011-2012 hat sie das Fachgebiet Mobilität und Verkehr am Fachbereich Bauingenieurwesen der Technischen Universität Kaiserslautern zunächst im Rahmen einer Vertretungsprofessur geleitet und ist seit dem 31.07.2012 Universitätsprofessorin in Kaiserslautern.






