Kontrolle, Alltag und Protest

Die Straße als Raum der Widersprüche


Vortrag von Prof. Dr. Ellen Bareis

Donnerstag, 22. November, 17.15 Uhr

Gebäude 42, Hörsaal 110


Bis in die 1980er Jahre hinein wurde die Straße vor allem als unwirtlicher Transitraum und als Ort öffentlichen Protests wahrgenommen und genutzt. Während der letzten Jahrzehnte wandelte sie sich zum weichen Standortfaktor neoliberaler Stadtpolitik. Sie ist ein zentraler Faktor der Festivalisierung des Städtischen. Die Straße ist Konsumraum, Verwertungsraum, Ort „sozialräumlicher Programme“. Doch sie ist zugleich Raum des alltäglichen (Über-)Lebens und – besonders mit den Platzbesetzungen der sozialen Bewegungen wie Occupy und Blockupy – auch zunehmend wieder Ort des Protests. 

Eine kritische Analyse im Dreieck von Ökonomie, Politik und Alltag zeigt die Überwachungs- und Kontrollinstrumente und Prozesse sozialer Ausschließung auf, die sich im Zuge der neoliberalen Hegemonie entwickelt haben. Sie sucht aber auch, im Sinne eines Verständnisses „von unten“, die Perspektive der Lebensbearbeitung und der sozialen Protestformen zu rekonstruieren. So zeigt sich die Straße als paradigmatischer Ort, an dem die Widersprüche urbaner Transformationsprozesse ihren Ausdruck finden. 

Der Vortrag fragt danach, welches Verständnis von öffentlichem Raum und welche soziale Infrastruktur sinnvoll und hilfreich sind, wenn ein Verständnis von Demokratie zugrunde gelegt wird, das gesellschaftliche Partizipation „von unten“ ins Zentrum stellt


Prof. Dr. Ellen Bareis

Ellen Bareis, Gesellschaftswissenschaftlerin, Professorin für gesellschaftliche Ausschließung und Partizipation an der Hochschule Ludwigshafen, promovierte in Frankfurt/M. über Konflikte, alltägliche Nutzung und Kontrolle in städtischen Shoppingmalls. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Strategien des „aktivierenden Sozialstaats“, Ethnografie/ Gemeindestudien/(Nicht-)Nutzungsforschung, Alltag und soziale Kämpfe, die Produktion des Sozialen from below, Transformationen des Städtischen.