„Rette sich, wer kann!“

Modelle für die Evakuierungsplanung


Vortrag von Prof. Dr. Stefan Ruzika

Donnerstag, 15. November, 17.15 Uhr

Gebäude 42, Hörsaal 110


Unter Evakuierung versteht man einerseits das kurzfristige Räumen eines Gebäudes oder einer Region, andererseits auch das mittel- bzw. langfristige Verlegen des Lebensmittelpunkts von Menschen. Beide Arten einer Evakuierung werden meist durch ein Ereignis, das Leib und Leben von Menschen gefährdet, ausgelöst und beide Arten einer Evakuierung erleben wir - zum Glück - relativ selten. Tritt der Ernstfall dann dennoch ein, so sind die Konsequenzen häufig tragisch und weitreichend wie etwa der Unfall in Fukushima oder das Unglück während der Love-Parade in Duisburg zeigen. 

Modelle der Mathematik und Informationstechnik können helfen, Evakuierungen in verschiedensten Szenarien vorzubereiten und die nötigen Planungen im Vorfeld zu verbessern. Fragen nach (minimalen) Evakuierungsdauern, guten Evakuierungsrouten oder etwa den kritischen Stellen einer Evakuierung können damit beantwortet werden. Diese Modelle sind dynamisch und übertragbar, d.h. sie können einer veränderten Situation angepasst werden und mit ihrer Hilfe können Verantwortliche schnell und kostengünstig eine ganze Reihe von „Was-ist-wenn“-Fragen am Rechner durchspielen. Somit kann virtuelle Erfahrung gewonnen werden, wo ein realer Erfahrungsschatz aufgrund der Seltenheit, Größe oder Diversität entsprechender Ereignisse kaum zu erwerben ist. 

In dem Vortrag soll der Stand der Forschung im Bereich der Evakuierungsmodellierung skizziert werden und Grenzen und Chancen des Forschungsfelds diskutiert werden. Zusätzlich werden Ergebnisse des Projekts „Regionale Evakuierung: Planung, Kontrolle und Anpassung (REPKA)“ vorgestellt, das sich mit den Abläufen in dem Gebiet Betzenberg im Anschluss an eine Evakuierung des FritzWalter-Stadions beschäftigt.


Prof. Dr. Stefan Ruzika

Stefan Ruzika ist seit 2008 Juniorprofessor für Mathematische Optimierung und Anwendungen am FB Mathematik der TU Kaiserslautern. Er studierte Mathematik und Informatik an der TU Kaiserslautern und an der Clemson University, SC, USA. Seine Promotion im Jahr 2007 beschäftigte sich mit Themen der multikriteriellen Optimierung und des Operations Research. Seine Grundlagenforschung im Gebiet der Mathematischen Optimierung ist durch vielfältige anwendungsorientierte, interdisziplinäre Kooperationen motiviert. Sein Hauptinteresse gilt der Modellierung von Evakuierungsprozessen sowie der Dekodierung verrauschter Signale durch ganzzahlige, kombinatorische Optimierungsverfahren.