Die erste große Fachexkursion des Fachgebiets S+O führte eine kleine aber feine Gruppe vom 23.-25.09.2010 zum Finale der IBA Stadtumbau 2010 nach Mitteldeutschland. Genauer in vier Städte. Halle an der Saale, Aschersleben im Harzvorland, die Bachstadt Köthen/Anhalt und in de Bauhausstadt im Gartenreich Dessau standen auf dem Programm. Vor Ort kamen die Teilnehmer mit den Fachleuten unterschiedlichster Disziplinen direkt ins Gespräch. Sie erhielten so schnell kompakten Überblick über die aktuellen Handlungsfelder und modellhafte Lösungen der IBA-Städte und ihrer Themenschwerpunkte. Plakat zur Fachexkursion

Halle (Saale) – Balanceakt Doppelstadt

1990 wurde die rund 1.200 Jahre alte Universitätsstadt mit der damals gerade 26 Jahre jungen, sozialistisch-modernen Neustadt zu einer Stadt vereint; seitdem hat Halle den Charakter einer widersprüchlichen „Doppelstadt“. Während die Altstadt saniert wird, leidet die Neustadt unter erheblichem Bevölkerungsverlust, dessen Folgen Leerstand und großflächiger Abriss sind. Dennoch leisten beide Stadtformen ihren individuellen Beitrag zu Halles unverwechselbarem Charakter als Doppelstadt. Welche Hinterlassenschaften der städtebaulichen DDR-Moderne gehören also zum schützenswerten, historischen Erbe und welche können oder müssen abgerissen werden? Entlang der Magistrale hat die IBA in sieben Projekten das Miteinander der beiden kontrast- und konfliktreichen Stadttypen untersucht und zur Diskussion gestellt.

Aschersleben – Von außen nach innen – Konzentration auf den Kern

Aschersleben lenkt seine Schrumpfung entschieden von außen nach innen: Abriss an den Rändern bei gleichzeitiger Stärkung der Innenstadt. Behörden, Bildungs- und Einkaufszentren werden in den Stadtkern verlagert. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Innenstadtring als Schnittstelle zwischen Altstadt und den gründerzeitlichen Erweiterungen. Entlang dieser Verkehrsschneise stehen bis zu 75% der Wohngebäude leer. Durch kontrollierten Abriss, künstlerische und temporäre Nutzung der Brachflächen sowie Ansiedelung von Logistikfunktionen soll der Innenstadtring wieder attraktiver werden. Auf einigen Brachen startet die DRIVE THRU Gallery, auf einer ehemaligen Industriefläche entsteht ein Bildungszentrum. Der Flusslauf der Eine wird neu gestaltet und mit der Altstadt verknüpft.

Köthen (Anhalt) – Homöopathie als Entwicklungskraft

Köthen knüpft wieder an seine historische Bedeutung für die Entwicklung der Homöopathie an. Die Gesundheitsbranche soll zum Imagefaktor und Motor der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Stadtentwicklung werden. Denn einst hatten die anhaltischen Fürsten hier Bildung und Wissenschaft kontinuierlich gefördert, darunter auch die Erforschung der Homöopathie durch Samuel Hahnemann. Das Hahnemann-Museum, die „Europäische Bibliothek der Homöopathie“ und ein homöopathischer Fernstudiengang sollen aus der Stadt ein überregionales Zentrum der Homöopathie machen. Darüber hinaus wurde untersucht, wie sich homöopathische Prinzipien in der Stadtplanung nutzen lassen. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe aus Stadtplanern und Homöopathen hat Konzepte dafür empirisch in der Ludwigstraße erprobt.

Dessau-Roßlau – Urbane Kerne – landschaftliche Zonen

Dessau-Roßlau soll langfristig zu einer Stadt mit kleineren, stabilen Kernen mit spezifischen urbanen Qualitäten schrumpfen. Die urbanen Kerne werden stadträumlich verbessert und ihre sozialen Netze gestärkt. Auf den Flächen dazwischen werden leerstandsbedingte Abrisse konzentriert. Sukzessive entsteht ein zusammenhängender, zentraler Landschaftszug: Wohnen im Grünen wird zum Standard. In der Landschaftsgestaltung werden Prinzipien aus dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich übernommen. Auf den Abrissflächen werden „wilde Wiesen“ angelegt, die schnell pflegeleichte und vielfältige Landschaften entstehen lassen. Sie bilden die Basis des neuen Landschaftszugs. Die Stadt bietet Bürgern und Initiativen an, für einzelne Flächen Patenschaften und damit deren Pflege und Nutzung zu übernehmen.

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… Gernot Lindemann gibt uns als Eigentümermoderator Einblick in seine Tätigkeit im Stadtteil
Stadtgang durch die älteste Stadt Sachsen-Anhalts
… Stadtgang entlag des Homöopathiepfades mit Stadtplaner Werner Georges