Brach gefallene soziale Infrastrukturbauten – Eine Untersuchung zu Inwertsetzungen in peripherisierten Regionen im demografischen Wandel

Dr.-Ing. Frank Amey

Weit ab von Wachstumskernen, raumordnerischen Entwicklungsachsen und ökonomischer Wettbewerbsfähigkeit befinden sich peripherisierte Räume in Nord-Thüringen bzw. im südlichen Sachsen-Anhalt. Der dort persistente Transformationsprozess ist durch Abwanderung, mangelnde Investitionen oder überdurchschnittlich hohe Arbeitslosenzahlen gekennzeichnet. Das Dilemma besteht darin, dass die durch nicht selbst verschuldete Abkopplung, Stigmatisierung und Abhängigkeiten gekennzeichneten Kommunen nicht in der Lage sind, durch endogene Kräfte sich neu zu erfinden, was eine Regenerierung möglich machte, um letztendlich in der Wertschöpfungskette den für Investoren derzeit unattraktiven Immobilienmarkt wieder zu beleben. Diese seit mehr als 20 Jahren durchlaufenen Entwicklungspfade wirken sich auf die Siedlungskörper aus, die in vielen Orten zu perforieren drohen. Es ist festzustellen, dass der Prozess des Niedergangs längst noch nicht abgeschlossen ist. Soziale Infrastrukturbauten, wie ehemaligen Schulen, Kitas und Krankenhäusern, sind im besonderen Maß von diesen Entwicklungen betroffen. Insbesondere durch den selbst verstärkenden Effekt des demografischen Wandels dienen sie als stadtplanerischer Forschungsgegenstand. Dies vor dem Hintergrund einer möglichen Inwertsetzung als städtebauliche Innenentwicklungsstrategie (Anpassung) nach dem diese Immobilien ihre ursprüngliche Nutzung verloren haben. Die Notwendigkeit zum stadtplanerischen Handeln ergibt sich u.a. aus der nicht selten städtebaulich exponierten Lage, als seltene bauliche Zeitzeugnisse auch als Teil eines Ensemble mit kulturhistorischem Wert sowie als Merkpunkte einer gesamtstädtischen bzw. dörflichen Ordnung. Die Arbeit identifiziert die neuen Herausforderungen, die im Umgang mit leer stehenden sozialen Infrastrukturbauten in peripherisierten Klein- und Mittelstädten durch die Eigentümer zu bewältigen sind und reflektiert kritisch die Wirksamkeit der informellen sowie formellen planerischen Instrumente. Es werden konkrete Vorschläge gemacht, wie das Immobilienmanagement sowie die Eigentümereinbindung bei sehr stark beruhigten Wohnimmobilienmärkten zu erfolgen hat. Weiterhin werden Strategieansätze des Verwaltungshandelns empfohlen, die auf die speziellen Marktbedingungen abgestimmt sind. Neben diesen aus der Theorie gewonnenen Analogieschlüssen zeigen die aus dem Feldexperiment in der o.g. Untersuchungsregion durch umfangreiche Erhebungen operationalisierbare Daten. Aus dieser Dichte der Informationen entstanden valide Aussagen, deren Reliabilität in die Entwicklung einer Standortanalysedatenbank einflossen sind. Somit konnte nicht nur die Problemlage objektiv nachgewiesen werden, sondern es gelang auch in der Exploration ein für die Kommunen handhabbares Planungsinstrument zu entwickeln, das auch anderswohin übertragbar ist.

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Tag der wissenschaftlichen Aussprache

30.6.2014

Gesamturteil

gut

Veröffentlichung:

Frank Amey (2014): Brach gefallene soziale Infrastrukturbauten: Eine Untersuchung zu Inwertsetzungen in peripherisierten Regionen im demografischen Wandel

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Universitätsstandort der Doktorarbeit

  • Promotion an der TU Kaiserslautern, Fachgebiet Stadtumbau+Ortserneuerung
  • Erstgutachter (Doktorvater) Prof. Dr.-Ing. Holger Schmidt
  • Zweitgutachter Prof. Ringel (Universität Leipzig)

Stationen Ausbildung

  • Studium der Stadt- und Regionalplanung, TU Berlin

Derzeitiger Arbeitsplatz

SALEG mbH

Weitere Forschungsvorhaben/-interessen

Anpassungsgrenzen im Städtebau im demografischen Wandel

Schwerpunkte in der Lehre

  • Methoden in der integrierten Stadtentwicklung
  • Stadtmanagement
  • Stadtumbau

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