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Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde der englische Begriff für Sucht (addiction) durch den englischen Begriff für Abhängigkeit
(dependence) ersetzt. Im Deutschen jedoch ist sprachlich weiterhin die Unterscheidung zwischen Abhängigkeit und Sucht möglich und üblich: Abhängigkeit beschreibt überwiegend die pharmakologische Seite des Phänomens,
Sucht schließt alle seelischen und sozialen Begleit- und Folgeerscheinungen ein. Man unterscheidet zwischen psychischer (seelischer) und physischer (körperlicher) Abhängigkeit: Seelische Abhänigkeit ist der unbezwingbare Drang, sich die Substanz um jeden
Preis, z.B. auch durch kriminelle Handlungen oder Prostitution, zu beschaffen und einzunehmen. Der Konsum erfolgt mit dem Ziel des Losgelöstseins, des Wohlbefindens, der Euphorie. Später, und oft sehr bald, geht es
nur noch um die Tilgung der im Entzug auftretenden tiefen Mißstimmung und Niedergeschlagenheit. Folgen psychischer Abhängigkeit sind u.a. die Einengung der Interessen auf das Suchtmittel und der Verlust familiärer
und beruflicher bzw. schulischer Interessen sowie der Wechsel der Freunde (“Saufkumpel”, “Szene”).Typisch ist auch die Unwahrhaftigkeit bezüglich Menge und Häufigkeit der Stoffeinnahme und der Abhängigkeit als ein
weiteres Symptom der Sucht (!), nicht als Charaktereigenschaft der Betroffenen. Seelische Entzugszeichen sind “Stoffhunger”, der Drang zu erneuter Drogeneinnahme, der überwältigend werden kann, Unruhezustände, Getriebenheit, Gereiztheit, Angst, depressive
Verstimmungen bis hin zu Selbstmordgedanken, Schlaflosigkeit, u.a. Daneben gibt es weitere substanzspezifische Symptome. Es sind vor allem die seelischen Entzugserscheinungen, die Abhängige immer wieder zum Konsum
ihres Suchtmittels nötigen und gegen ihren tieferen Wunsch abhängig halten.
Bei körperlicher Abhängigkeit reagiert der Körper auf die ständige Gifteinnahme mit Gegenregulationen des Stoffwechsels. Die bei plötzlichem Entzug des Suchtgiftes überschießende
Gegenregulation erzeugt die meisten Entzugssymptome. Sie klingen bei erneuter Suchtmittelzufuhr schnell ab. Ein Vorzeichen körperlicher Abhängigkeit ist die Gewöhnung mit Toleranzentwicklung und Dosissteigerung.
Durch die Anpassungsvorgänge des Stoffwechsels werden schließlich sonst tödliche Dosen des Suchtmittels vertragen (toleriert). Abhängige reagieren, um die gewünschte Wirkung dennoch zu erleben, mit Dosissteigerung.
Körperliche Entzugerscheinungen treten nur bei Suchtmitteln mit Toleranzausbildung auf. Dazu gehören vor allem Opiate (z.B. Heroin), Alkohol, Babiturat-Schlafmittel und viele weitere Dämpfungs- und Schlafmittel sowie angstlösende Beruhigungsmittel. Im Vordergrund stehen - nicht nur bei den Opiaten - überschießende Reaktionen des vegetativen Nervensystems: Unruhe, weite Pupillen, Schweißausbrüche, Gereiztheit, Frieren, Zittern, Schwindel, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Übelkeit; seltener Durchfälle, Erbrechen, Schmerzen im Bauchraum, der Gelenke und Glieder. Dazu kommen substanzspezifische Beschwerden, wie etwa Krampfanfälle bei Babituratentzug.
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