Jubiläum 2020

1970 - 1979

Pioniere gesucht

Eine Universitätsgründung als Motor für regionale Entwicklung


Was bewegt eigentlich eine Landesregierung, eine neue Universität zu gründen – und das gleich an zwei Standorten?


Die demographische Entwicklung bescherte Rheinland-Pfalz in den 60er und 70er Jahren einen massiven Zuwachs an studierwilligen Abiturienten. Machten 1960 noch 2.164 Schülerinnen und Schüler Abitur, wurden 1970 bereits 5.300 Abiturienten gezählt. Hochgerechnet auf die Studierendenzahlen rechnete man damit, dass bis 1978 etwa 30.000 bis 35.000 Studierende in Rheinland-Pfalz unterzubringen seien. 
 
Das Problem? Es gab nicht genügend Studienplätze im Land, um diesen steigenden Bedarf zu decken. Die Abiturienten wanderten ab und kamen auch als ausgebildete Fachkräfte nicht mehr zurück. Die Kapazitäten der einzigen Landesuniversität in Mainz waren restlos ausgeschöpft.  
 
Strategisch fokussierte man sich auf die Fachrichtungen, in denen eine besonders hohe Nachfrage bestand, und legte entsprechende fachliche Schwerpunkte an beiden Standorten, die voneinander unabhängige Forschungs- und Lehrtätigkeiten zuließen.  
 
Die politischen Hintergründe und Absichten, gerade in den struktur- und bildungspolitisch schwachen Regionen um Kaiserslautern und Trier, die Hochschulversorgung des Landes zu verbessern, erläuterte die damalige Landesregierung in ihrem Memorandum von 1969.

Neben der Schaffung neuer Studienplätze versprach man sich von der Gründung der Universitäten, ihrer Erstausstattung und dem weiteren Ausbau viele neue Beschäftigungsmöglichkeiten für technisch qualifizierte Arbeitskräfte. Damit verbunden war zudem die Erwartung, dass die Region sich wirtschaftlich und räumlich-strukturell weiterentwickeln und die in Kaiserslautern heranwachsende neue Bildungsgeneration auch deutliche kulturelle Impulse setzen würde.  
 
Hinter dem Neuanfang sah man aber auch eine Chance, die ins Stocken geratenen Strukturreformen umzusetzen und in Kaiserslautern und Trier den Grundstein für erfolgsversprechend Universitätsstandorte zu legen. So gliederte man die Universität von Anfang an in Fachbereiche und setzte einen Studiendekan ein, der für die Abstimmung des Lehrangebots und für die laufende Studienberatung und Betreuung der Studierenden verantwortlich war. Auch sollten gleich zu Beginn in allen Fachbereichen Fachdidaktik-Stellen besetzt werden, da es aus Sicht der Landesregierung die Aufgabe der Lehrenden sei, die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung für die Ausbildungsaufgabe der Lehrberufe verwendbar zu machen - eine Neuerung in der damaligen bildungspolitischen und methodischen Ausrichtung der Hochschulen.  
 
Doch die größte Herausforderung für die Macher hinter der neuen Universität war sicherlich der enge zeitliche Rahmen, der zwischen dem Beschluss der Landesregierung für eine Neugründung Mitte 1969 und der Eröffnung der neuen Universität zum Wintersemester 1970/71 gesteckt war. Eine Mammutaufgabe, die die „Dienststelle für die Vorbereitung der Errichtung der Universität Trier-Kaiserslautern“ unter der Leitung des damaligen Direktors des Staatlichen Hochschulinstituts für Berufspädagogik in Mainz, Prof. Dr. Martin Graßnick, mit Bravour meisterte, so dass zum 15. Oktober 1970 alleine in Kaiserslautern knapp 200 Studierende ihr Studium in Mathematik, Naturwissenschaften oder Technologie antreten konnten.  
 
Der Grundstein für eine moderne und zukunftsorientierte Pionierschmiede war gelegt!

Organisationsausschuss (v.l.n.r.): Hans Herrmann, Willi Bißbort, Theo Vondano, Prof. Dr.-Ing. Martin Graßnick, Klaus Berto, Dr. Hans Jung und Hans Keller.
Im Februar 1970 tagte der Organisationsausschuss in Kaiserslautern. Hans Herrmann und Willi Bißbort, Theo Vondano, Prof. Dr. Martin Graßnick, Klaus Berto von Doenning, OB Dr. Hans Jung und Hans Keller (v.l.n.r.). Foto: TUK
Arbeitstagung der Mitglieder des Unterausschusses Kaiserslautern des Strukturausschusses für die Universität Trier-Kaiserslautern im Februar 1970. Zweiter von rechts: Prof. Dr.-Ing. Graßnick.
Arbeitstagung der Mitglieder des Unterausschusses Kaiserslautern des Strukturausschusses für die Universität Trier-Kaiserslautern im Februar 1970. Zweiter von rechts: Prof. Dr.-Ing. Graßnick. Foto:Bachem
Prof. Dr. Werner Freise vor dem neu entstandenen AVZ-Gebäude.
Prof. Dr. Werner Freise vor dem neu entstandenen AVZ-Gebäude. Foto: TUK

Zeittafel wichtiger Ereignisse

Juli 1969Memorandum der Landesregierung Rheinland-Pfalz zur Gründung einer zweiten Landesuniversität in Trier und Kaiserslautern neben der Universität Mainz
August 1969Aufnahme der Tätigkeit der „Dienststelle für die Vorbereitung der Errichtung der Universität Trier-Kaiserslautern“ unter Leitung von Prof. Dr. Martin Graßnick
Dezember 1969Ausschreibung von circa 140 Stellen für Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter
28. Juli 1970Verabschiedung des Landesgesetzes über die Errichtung der Universität Trier-Kaiserslautern
15. Oktober 1970Start der Universität mit den Fachbereichen Mathematik, Physik und Technologie zum Wintersemester 1970/71.

Aufnahme des Lehrbetriebs mit 191 Erstsemesterstudierenden, untergebracht in den Räumlichkeiten der ehemaligen Pädagogischen Hochschule (Bau 1)
1971/72Fertigstellung der ersten Gebäude (Geb. 11 - 14) auf dem Campus im Süden der Stadt Kaiserslautern
1972 – 1981Prof. Dr. Helmut Ehrhardt wird erster Präsident der Universität Trier-Kaiserslautern und steht dann ab 1975 bis zum Ende seiner Amtszeit der Universität Kaiserslautern vor.
1972 Einrichtung der Fachbereiche Biologie und Chemie sowie Aufteilung des bisherigen Fachbereichs Technologie in die Fachbereiche Maschinenwesen/Elektrotechnik sowie Architektur, Raum- und Umweltplanung/Erziehungswissenschaften
Januar 1973Eröffnung der Cafeteria im Aufbau- und Verfügungszentrum (AVZ, Geb. 11-14) der Universität
April 1973Die Universität übernimmt das Materialprüfamt vom Bezirksverband Pfalz.
März 1974Das Regionale Hochschulrechenzentrum Kaiserslautern wird eingeweiht.
Dezember 1974Verabschiedung des Landesgesetzes über die Errichtung der Universität Trier und der Universität Kaiserslautern im Landtag
1975Es entstehen zwei eigenständige Universitäten Kaiserslautern und Trier. 

In Kaiserslautern werden die Fachbereiche Maschinenwesen, Elektrotechnik und Informatik eingerichtet.
1977Fertigstellung und Übergabe des MPM-Gebäudes (Geb. 44-46) für die Fachbereiche Mathematik, Physik und Maschinenwesen
1978 – 1979Der Fachbereich Architektur, Raum- und Umweltplanung/ Erziehungswissenschaften wird in die Fachbereiche Architektur, Raum- und Umweltplanung, Bauingenieurwesen (ARUBI) und Sozialwissenschaften aufgeteilt.

Mit einem schlagkräftigen Team Unmögliches möglich machen

Auszug aus „Ein Wagnis gelingt“, von Dr. Bernhard Vogel anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Universität Kaiserslautern
 
Ein waghalsiger Gedanke
 
Man fragt heute, wie das damals möglich war: Im Juli 1969 wurde das Memorandum zur Gründung einer zweiten rheinland-pfälzischen Universität vorgelegt, 15 Monate später beginnt das erste Semester. Es fallen einem viele Gründe ein. Vor allem, dass es eine Handvoll Persönlichkeiten gab, die fest entschlossen waren, alles zu tun, um den gewagten, um nicht zu sagen waghalsigen Gedanken, binnen weniger Monate den Anfang für eine neue Universität aus dem Boden zu stampfen, Abiturienten ohne Studienchancen zu helfen und wissenschaftlichen Nachwuchs, insbesondere für die Schulen, auszubilden, unverzüglich in die Tat umzusetzen. Dazu gehörte Helmut Kohl, der wenige Wochen zuvor zum Ministerpräsidenten gewählt worden war, der dem verwegenen Gedanken zustimmte und uns politisch den Rücken freihielt, ein ungewöhnliches Konzept zu entwickeln. Dazu gehörten Helmut Ehrhardt und Hans Buchheim. Physiker der eine, Politischer Wissenschaftler der andere; beide als Professoren der Universität Mainz mit Rheinland-Pfalz vertraut.
 
Helmut Ehrhardt, zunächst vorläufiger Leiter der Universität Trier-Kaiserslautern, später in der entscheidenden ersten Phase als Präsident der Universität Kaiserslautern für die junge Universität ein Glücksfall. Hans Buchheim stellvertretender Vorsitzender des für alle konzeptionellen und personellen Fragen zuständigen Strukturausschusses. Dazu gehörte aber vor allem Martin Graßnick, der ungewöhnlich erfahrene Leiter der Dienststelle für die Vorbereitung der Errichtung einer Universität Trier-Kaiserslautern, die am 1. September 1969 ihre Tätigkeit aufnahm, der mitunter organisatorische Meisterleistungen vollbrachte. Und es gehörten dazu einige Mitarbeiter des Kultusministeriums, das damals noch Ministerium für Unterricht und Kultus hieß, die diese Neugründung zu ihrer ureigensten Sache machten und Tag und Nacht dafür arbeiteten. Wenn einmal eine umfassende Geschichte der Gründung geschrieben wird, sind natürlich noch viele andere Namen zu nennen, auch die einiger Studenten. Zwei Gesichtspunkte waren darüber hinaus dafür, dass das Wagnis gelang, wohl entscheidend: der Gedanke, eine Doppeluniversität zu gründen, und der Entschluss, die an beiden Orten vorhandenen Pädagogischen Hochschulen nicht in die Neugründung miteinzubeziehen.
 
Zwei Universitäten finanziell nicht vertretbar
 
Auf einer Reise nach Frankreich hatte ich die Universität Orléans-Tours besucht, zwei Städte, die circa 100 Kilometer voneinander entfernt liegen. In Orléans hatte man eine mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät gegründet, in Tours eine geisteswissenschaftliche. Das Beispiel war für mich entscheidend. Es wäre nicht möglich gewesen, angesichts des enormen Rückstandes, den das „Land aus der Retorte“, den Rheinland-Pfalz damals gegenüber den anderen deutschen Ländern noch hatte, angesichts vor allem seiner finanziellen Lage zwei Universitäten zur gleichen Zeit zu gründen. Und hätte man nur eine gegründet, wäre es äußerst fraglich gewesen, ob je eine zweite Neugründung gefolgt wäre. Und es wäre nicht möglich gewesen, im Landtag eine Mehrheit für Trier oder für Kaiserslautern zu erreichen. So aber stimmten die Pfälzer zu, denn sie wollten Kaiserslautern, und die Trierer, denn sie wollten Trier.
 
Eigenständigkeit war vorprogrammiert
 
Dabei war mir von vorneherein klar, dass am Ende zwei selbständige Universitäten stehen würden. Dass die Zwillingsuniversität sich allerdings so schnell und so gut entwickeln würde und dass jede von ihnen so bald auf eigenen Beinen stehen würde, das war am Anfang nicht abzusehen. Bei vielen Neugründungen in anderen deutschen Ländern wählte man vorhandene Pädagogische Hochschulen als Ausgangspunkt. Wir gingen einen anderen Weg. Als ich Kultusminister wurde, 1967, verfügte das Land über sechs Pädagogische Hochschulen. Zu viele und zu kleine Einrichtungen, um einer modernen Lehrerbildung angesichts des neuen Konzeptes von Grund- und Hauptschulen anstelle der alten Volksschule gerecht zu werden.
 
Eine davon – Neuwied – konnte im Zuge der Simultanisierung der Lehrerbildung und weil sie noch über keine Baulichkeiten verfügte, geschlossen werden.
 
Weitere Konzentration auf drei Standorte war notwendig. Wir entschlossen uns, sowohl Kaiserslautern als auch Trier zu schließen und die Professoren und das weitere Lehrpersonal an die anderen Hochschulstandorte zu versetzen und sie dadurch zu stärken. Laute Proteste in Kaiserslautern und Trier waren die Folge. Die Schließung der Pädagogischen Hochschule stand fest, die neue Universität schien in den Sternen zu stehen. Ich erinnere mich an die lautstarken Demonstrationen, ich sehe auch die schwarzen Särge vor mir, die man damals durch beide Städte trug. Für Monate war jeder Besuch in Kaiserslautern und Trier, gleich aus welchem Anlass, für den Kultusminister ein Spießrutenlaufen. Tatsächlich aber gab uns die Entscheidung die einmalige Chance, völlig neu zu beginnen; zwar die vorhandenen Gebäude für den sofortigen Beginn zu nützen, aber mit einem Team ganz junger aufbauwilliger Wissenschaftler anzufangen.
 
Weiterer Ausbau ist unbedingt notwendig
 
Einige von Ihnen gehören heute zu den angesehensten Wissenschaftlern in Kaiserslautern und Trier, einige von Ihnen wirken heute an den größten und ältesten deutschen Universitäten. Für Kaiserslautern war die Entscheidung eine der Voraussetzungen dafür, von Anfang an einen eindeutig naturwissenschaftlichen Schwerpunkt zu setzen. Ich wünsche denen, die heute in Kaiserslautern und in Mainz Verantwortung für die junge Universität tragen, Mut und Zuversicht, um den weiteren Ausbau zügig voranzutreiben. Damit gelungene Neugründungen auf Dauer konkurrenzfähige Universitäten bleiben können.


Quelle: Universität Kaiserslautern 1970-1990. Rückblick auf das zwanzigjährige Bestehen. Redaktion: Dr. Bernd-Friedemann Schultze


Karlheinz Laubersheimer – der erste Studierende der Universität in Kaiserslautern

Karlheinz Laubersheimer, geboren 1944, machte zunächst eine Ausbildung zum Elektriker, bevor er am bischöflichen Abendgymnasium in Mainz sein Abitur nachholte.
 
Am 13. Mai 1970 bat ihn der damalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Bernhard Vogel, in einem Schreiben, die neu zu gründende Universität Trier-Kaiserslautern als studentischer Vertreter im Strukturausschuss zu unterstützen, wo er tatkräftig mitgestaltete. 
 
Zum Start des Wintersemesters 1970/ 71 begleitete er dann Prof. Dr. Martin Graßnick, den ehemaligen Direktor der Ingenieurschule Mainz, nach Kaiserslautern, um dort ein Studium in Elektrotechnik und Pädagogik aufzunehmen. Von seinen Kommilitonen wurde Laubersheimer zum ersten Präsidenten des Studentenparlaments der neu gegründeten Universität gewählt.  
 
Nach seinem Studium in Kaiserslautern arbeitete Karlheinz Laubersheimer als Oberstudienrat an der Berufsschule und der Berufsaufbauschule in Ludwigshafen.

Karlheinz Laubersheimer als junger Mann. Foto: Prof. em. Dr.-Ing. Hans Dennhardt
Karlheinz Laubersheimer als junger Mann. Foto: Prof. em. Dr.-Ing. Hans Dennhardt
Der erste Studierende der Universität in Kaiserslautern
In einem persönlichen Brief vom 30. September 1970 dankt Prof. Dr. Martin Graßnick Karlheinz Laubersheimer für seine Unterstützung. Foto: Prof. Dr.-Ing. Hans Dennhardt

Pragmatismus und Pioniergeist waren gefragt – Erinnerungen an die Gründungsphase der Doppeluniversität Trier-Kaiserslautern

von Prof. Dr. Martin Graßnick
 
Am 26.3.1969 wurde ich zu dem damaligen Kultusminister, Dr. Vogel, gebeten und mit der Frage überrascht, ob ich die Leitung einer noch zu errichtenden Dienststelle übernehmen wolle, deren Aufgabe es sei, die erforderlichen Vorbereitungen für die Gründung einer zweiten Landesuniversität mit den Standorten Trier und Kaiserslautern zu treffen.
 
Es sollte schnell gehen
In weiteren Gesprächen erläuterte er, wie er sich die eigentliche Gründungsphase vorstellte. Es sollte schnell gehen. Das war nur möglich, wenn möglichst wenige Entscheidungskompetenzen abgegeben wurden, d.h., wenn man pragmatisch verfuhr. Die vorgesehenen Ausschüsse für die Struktur der Universität, zuständig für Lehrbetrieb und Lehrkörper und für Organisation, zuständig für Fragen des Baugeländes, der Baumaßnahmen und der Verwaltung, waren als beratende Gremien konzipiert und ohne gesetzlich bestimmte öffentliche Rechtskraft. Die Berufung geeigneter Mitglieder für den Strukturausschuss bedurfte langer Überlegungen. Wichtig war, dass die vorgesehenen Lehrfächer durch entsprechende Hochschullehrer vertreten waren. Wissenschaftliche Mitarbeiter und studentische Vertreter wurden ebenfalls nach diesem Gesichtspunkt in die Gremien berufen.  
 
Vorbereitende Dienststelle eingerichtet
Mit Wirkung vom 1. September 1969 wurde dann die „Dienststelle für die Vorbereitung zur Errichtung der Universität Trier-Kaiserslautern“ mit Sitz in Mainz errichtet und ich zu ihrem Leiter berufen. Die langatmige Bezeichnung, die Unterstellung und Weisungsgebundenheit an das Kultusministerium machten die gewollte Effektivität deutlich. Geboren wurde sie aus der Sorge um die Einhaltung der gesetzten Zeitvorstellung und der Ungewissheit des Unterfangens. Zeitraubende ständige Orientierung des Ministeriums, besonders in belanglosen Kleinigkeiten, umging ich nach dem Motto: Wer viel fragt, erhält viele Antworten und schafft unnötige Verantwortungszwänge nach oben.
 
Auch den mir unterstellten Mitarbeitern gewöhnte ich schnell ab, mich mit allem zu befassen, ermunterte sie, selbst Verantwortung zu übernehmen, um dann mit ihnen bei Fehlentscheidungen gemeinsam nach Abhilfe zu suchen. Das hat ausgezeichnet funktioniert. Die Dienststelle war personell mehr als bescheiden und zu Beginn nur mit dem Dienststellenleiter, einem Juristen, einem Baureferenten, zwei gehobenen Beamten, drei Schreibkräften und einem Fahrer ausgestattet. Dienststundenbegrenzungen waren über das ganze Jahr in der Dienststelle aufgehoben.
 
Positiver Bescheid des Wissenschaftsrates
 
Am 3. Oktober 1969 wurde beim Minister die endgültige Liste der Mitglieder für Organisations- und Strukturausschuss verabschiedet. Am 15. Oktober 1969 teilte der Minister den telefonisch durchgegebenen positiven Bescheid des Wissenschaftsrates mit. Die schriftliche Stellungnahme selbst wurde am 21. November 1969 abgefasst.  Aus heutiger Sicht ist manches Problem, welches uns damals beschäftigte, kaum noch nachvollziehbar. Arbeitskräfte waren nur schwer zu finden. Arbeitslose gab es so gut wie keine. Außer zwei Mitarbeitern hatte vom ganzen Personal der Dienststelle niemand Erfahrung in der Hochschulplanung und -verwaltung.
So wurde die Dienststelle für das spätere Personal der Neugründung Trier-Kaiserslautern sozusagen in experimenteller Weise auch Ausbildungsstelle. Zwischen all den Terminen bei Behörden, den Städten usw. versuchten wir möglichst viele Informationen, die zu einer Universitätsgründung erforderlich waren, hereinzubekommen oder durch persönlichen Augenschein – sowie Rücksprachen – zu erhaschen. Die Tätigkeit der Dienststelle stand, trotz ihrer Kompetenzen, im Grunde genommen unter einem Damokles-Schwert, d.h. unter dem Auftrag des Kultusministeriums, alles zu tun, damit die Universität am 1. Oktober 1970 die Tore öffnen könne.
 
Improvisation war Trumpf
Nach welchen Gesichtspunkten sollten wir die Vorbereitung treffen? Die Haushaltsansätze gaben nicht viel her. Das Memorandum war für korrekte Aussagen in Bezug auf Struktur, Studentenzahlen, Raum- und Sachbedarf unergiebig. Im Grunde hätten wir warten müssen, was die noch nicht in Aktion getretenen Struktur- und Organisationsausschüsse erarbeiteten. Niemand konnte uns helfen. Ein Ergebnis der Ausschüsse war sicher nicht vor Sommerende zu erwarten. Dann war es für die Durchführung von Personalbesetzungen, den Einkauf von Einrichtungen jeder Art und für bauliche Maßnahmen zu spät. Auf der Kriegsakademie hatte ich die Grundregel für jeden kommandierenden Offizier gelernt: „Besser einen falschen Befehl (und dann den Kopf hinhalten) als gar keinen Befehl zu geben (was strafbar war)“. Auf die gegebene Situation übertragen, hieß das: Handeln ohne Kompetenz und ohne viel zu fragen.
 
Die Berufungen liefen auf vollen Touren

Die Berufungskommissionen liefen auf hohen Touren, und besonders von Mai bis August fanden viele Berufungsgespräche in der Dienststelle statt. Hier wurde den Berufenen auch über die personelle und sachliche Ausstattung und die räumliche Unterbringung im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel Auskunft erteilt. Nach der neuen Struktur durften jedoch keine persönlichen Zusagen in Bezug auf Haushaltsmittel und Personalwünsche mehr gemacht werden. Nur der Fachbereich war für die Verteilung aller zugewiesenen Mittel maßgebend. Diese neue Verfahrensweise war dem einen oder anderen Berufenen nur schwer klarzumachen, und manchmal kam ich mir mehr als Werbefachmann denn als Organisator einer neuen Universität vor.  
Insgesamt hatte die Dienststelle im Sommer 1.800 Lehrkörperbewerber – dies bei 140 Stellenausschreibungen – zu bearbeiten. In der Sitzung vom 20.6.1970 legte der Strukturausschuss fest, die Verwaltungen in Trier und Kaiserslautern außer der Position des Präsidenten getrennt – d.h. jede Funktion hier und dort – aufzubauen, um später ohne Zeitverlust die beiden Fakultäten in selbständige Universitäten aufteilen zu können. Um die Bevölkerung der beiden Städte Trier und Kaiserslautern auf die kommende Universität aufmerksam zu machen, um unser eigenes Image zu pflegen, aber auch schlichtweg um die Anlieferung von Einrichtungsgegenständen zu erleichtern, beantragte die Dienststelle am 4.3.1970, die Oberbürgermeister möchten Straßenhinweisschilder zur „Universität“ an wichtigen Straßenknotenpunkten aufstellen. Dieser Bitte kamen die Stadtverwaltungen nur zu gerne und unverzüglich nach.
 
Gegensätze wurden deutlich
Da wir als Mitglieder der Dienststelle an allen Sitzungen teilnahmen, hatten wir auch Einblicke in die unterschiedliche Arbeitsweise und Effektivität. Die beiden Unterausschüsse für Organisation, fast nur von Beamten und Abgeordneten besetzt, arbeiteten reibungslos und ohne sich gegeneinander zu unterscheiden. Anders bei den Unterausschüssen zur Struktur: Im Unterausschuss Kaiserslautern, logisch, mit sachlicher Diskussion – ganz der Mentalität von Natur- und Ingenieurwissenschaften entsprechend – bemühte man sich um pragmatische Ergebnisse.
Die Sitzungen im Strukturausschuss Trier verliefen dahingegen sehr viel farbiger und gegensätzlicher. Nun waren auch die Gegensätze zwischen Geistes-, Natur- und Ingenieurwissenschaften vom inneren Gehalt schon recht deutlich, und es fiel schwer, sich ständig von einem Extrem im Sinne des Verständnisses ins andere Extrem gezogen zu wissen. Längeren Streit gab es beispielsweise bei der Festlegung der Amtsbezeichnung für die Führung der Fachbereiche. Die Reformer wollten „Vorsitzender“, die Konservativen drückten dann doch den „Dekan“ durch: Da war man doch wer!
 
Schwierige Standortwahl
Der Organisationsausschuss hatte sich in der Hauptsache mit der Auswahl der jeweiligen Standortgelände zu befassen. In Kaiserslautern hielten wir ein Gelände, das sich unmittelbar südlich der alten Pädagogischen Hochschule anschloss, für das Beste. Trotz enormen Einsatzes musste eine Verschiebung nach Südwesten, in eine Talsituation, in Kauf genommen werden. Alle anderen vorgeschlagenen Standortgebiete, ob zwischen der Pirmasenser und Hohenecker Straße oder entlang der Autobahn in der Nähe der Ingenieurschule, schieden aus verschiedenen Gründen sofort aus. Der Eröffnungstermin rückte näher; deshalb veranlasste die Dienststelle ab 1. August 1970 die Etablierung eigener Universitäts-Verwaltungsstellen in Trier und Kaiserslautern. Alles entbehrliche Personal, Akten und für dort wichtige Vorgänge der Dienststelle wurden mitgegeben. In Mainz verblieb nur das unbedingt erforderliche Abwicklungspersonal. Ein wichtiges Datum wurde der 25.9.1970: In Kaiserslautern tagte der gesamte Strukturausschuss. Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war die Wahl des vorläufigen Leiters der Universität.
 
Dienststelle aufgelöst
Am 31.8.1970 beantragte ich unter der Tagebuch-Nr. 100/3978 beim Kultusministerium, die „Dienststelle“, nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt hatte, zum 30.9.1970 aufzulösen. Das Brieftagebuch wies zu diesem Zeitpunkt fast 4.000 Briefausgänge des Dienststellenleiters auf. Am 22.9.1970 lieferte ich den Abwicklungsbericht im Ministerium ab. Am 1. Oktober 1970 begann die Universität – wie politisch gewünscht – ihr Eigenleben.

Prof. Dr. Martin Graßnick, Architekt, Architekturhistoriker und Denkmalpfleger, wurde am 5. Mai 1917 in Mainz geboren. In den Kriegsjahren musste er aus politischen Gründen das Gymnasium verlassen und machte eine Lehre als Bauzeichner an der Bauschule Mainz bei Gustav Friedrich Scheinpflug. Dann wurde er zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet und zur Wehrmacht eingezogen. Nach der deutschen Besetzung Italiens im Jahr 1943 wurde er als Chef einer Pionierkompanie nach Pescara kommandiert. In seinem Befehlsbereich verhinderte er die Deportation von demobilisierten Angehörigen der italienischen Streitkräfte als Militärinternierte nach Deutschland. Wegen dieser Haltung wurde er 1984 mit dem Verdienstorden der Italienischen Republik (Offizier) geehrt.  
 
Nach Kriegsende studierte Graßnick an der Technischen Hochschule Darmstadt, wo er auch promovierte. Zunächst als Dozent an der Staatsbauschule Mainz tätig, wurde er 1956 deren Direktor und 1959 zugleich Direktor der Mainzer Werkkunstschule. Neben der Tätigkeit an der Ingenieurschule war er Berater für Denkmalpflege der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Er verantwortete den Wiederaufbau des Quirinus-Münsters in Neuss und war von 1947 bis 1977 der Dombaumeister des kriegszerstörten Doms in Xanten. Nachdem er 1966 in Mainz das Hochschulinstitut für Berufspädagogik aufgebaut hatte, wurde er 1969 mit der organisatorischen Leitung der Universitätsneugründung Trier-Kaiserslautern beauftragt, die er planmäßig zum Wintersemester 1970/1971 in ihren Betrieb führte.  
 
Er blieb in Kaiserslautern und lehrte „Baugeschichte und Denkmalpflege“ in der Architektur. 1982 wurde Graßnick emeritiert und von der Technischen Universität Kaiserslautern zum Ehrensenator ernannt. Anfang 2016 wurde zu seinen Ehren eine vorher am Lehrgebiet Geschichte und Theorie der Architektur, eingerichtete Visiting Professur nach seinem Namen benannt.  
 
Darüber hinaus war er ehrenamtlich in etlichen Berufsverbänden tätig: so 17 Jahre als Vizepräsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, als Präsident des Deutschen Zentralverbandes der Ingenieurvereine und als Vorstandsmitglied der Deutschen Betonsteinindustrie. Graßnick lebt heute in Baden-Baden.


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Eine Universität geht eigene Wege

1. Januar 1975: Das „Trennungsgesetz“ tritt in Kraft
 

Das strategische Konzept, welches der Doppeluniversität Trier-Kaiserslautern von Beginn an zugrunde lag, ging auf. Die Fokussierung auf besonders nachgefragte Fachgebiete sorgte ebenso wie die thematische Schwerpunktsetzung mit technisch-naturwissenschaftlichen Fachbereichen in Kaiserslautern und Gesellschaftswissenschaften in Trier für ein rasantes Wachstum.
 
Beide Standorte hatten sich in den ersten fünf Jahren ihres Bestehens derart positiv entwickelt, dass einer Trennung in zwei eigenständige Universitäten nichts im Wege stand. Und somit wurde zum 1. Januar 1975 aus Kaiserslautern die einzige Universität mit ingenieurwissenschaftlicher-technischer Ausrichtung in Rheinland-Pfalz. 

Die Pioniere der ersten Stunden hatten ganze Arbeit geleistet. Professoren, Studierende und Verwaltungsmitarbeiter engagierten sich motiviert für die Erstellung von adäquaten Strukturen, Prüfungsordnungen und Studienplänen, um aus Kaiserslautern einen wettbewerbsfähigen und forschungsstarken Universitätsstandort mit großer Strahlkraft zu machen.
 
In Rahmen einer offiziellen „Trennungsfeier“ am 4. Februar 1975 ehrte Universitätspräsident Professor Dr. Helmut Ehrhardt die interne Selbständigkeit der Universität. Er betonte in seinem Grußwort, dass dieses Ereignis weit über den heimischen Raum hinaus von allergrößter Bedeutung sei. Für die Region selbst setze die Universität einen „befreiten Aufschwung in die Zukunft“, der erhebliche positive Konsequenzen mit sich bringen werde.  
 
Zahlreiche prominente Gäste aus Politik und Wirtschaft feierten mit den Universitätsangehörigen diesen großen Schritt in die Selbstständigkeit.

Anekdote am Rande

Prof. Dr. Gerhard Steinebach, damals studentischer Senator an der Universität Kaiserslautern, erinnert sich mit einem verschmitzten Lächeln an die offizielle Trennungsfeier der Doppeluniversität Trier-Kaiserslautern.  
„Im Rahmen des Festaktes war die Landesprominenz aus Politik und Wissenschaft vertreten und auch die Studierenden sollten während des offiziellen Teils dabei sein. Nicht eingeplant war allerdings unsere Teilnahme am anschließenden Empfang, der von schmackhaften Häppchen und Getränken begleitet werden sollte. Nun war es aber so, dass wir damals als Studierende nicht viel Geld zur Verfügung hatten und deshalb auch immer hungrig waren. Als einer meiner Kommilitonen dann hinter einem Vorhang das reich gedeckte Buffet entdeckte, gab es kein Halten mehr. Und während die hohen Herren noch den offiziellen Reden lauschten, begann hinter den Vorhängen bereits der Empfang – nur eben für die Studierenden. Man staunte dann also nicht schlecht, als die Platten zum Start des Empfangs bereits leer geputzt waren – was uns nach einigen Minuten aber großes Gelächter und großes Verständnis einbrachte. Und so wurde es für alle ein Fest, auf das man aus verschiedenen Blickwinkeln gerne zurückschaute.“

Die bauliche Entwicklung der Universität in den 70er-Jahren – aus 6.200 werden 55.700 Quadratmeter

In den ersten Gründungsjahren wurde der Universitätscampus Kaiserslautern durch drei große Baumaßnahmen geprägt. Im Oktober 1970 startete der Lehrbetrieb der jungen Universität zunächst in den Räumlichkeiten der ehemaligen Pädagogischen Hochschule, dem sogenannten Bau 1. Diese waren für die neuen Anforderungen umgebaut worden und boten mit 6.200 und später 7.100 Quadratmetern Raum für das erste Vorlesungsjahr.
 
Doch der Standort entwickelte sich schnell weiter und machte einen zusätzlichen Ausbau der Nutzflächen bereits zum Wintersemester 1971/72 erforderlich. In Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Hochbauamt, welches später in den Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) überging, wurde der Rahmenentwurf für ein Aufbau- und Verfügungszentrum (AVZ) mit einer Hauptnutzfläche von rund 22.800 Quadratmetern erarbeitet.  
 
Im Frühjahr 1971 begannen die Hochbauarbeiten der Gebäude 11 bis 14 und der zugeordneten Flachbauten 21 bis 24. Die Bauarbeiten erfolgten in Rekordzeit. Bereits gegen Ende desselben Jahres konnte die Hälfte der Bauten bezogen werden, während die andere Hälfte im Sommer 1972 übergeben wurde.   
 
Für die weitere bauliche Entwicklung der Universität musste zunächst die Frage des genauen Standortes geklärt werden. Hierfür standen drei Gelände zur Auswahl:

  • rund 35 Hektar südwestlich der ehemaligen Pädagogischen Hochschule (Reichswaldgelände Pädagogische Hochschule)
  • nordwestlich der Staatlichen Ingenieurschule mit Erweiterung nach Osten
  • rund 120 Hektar zwischen der Pirmasenser Straße und der Hohenecker Straße  

In die Entscheidung floss mit ein, dass parallel zur Universitätsentwicklung auch eine ihr zugeordnete Wohnstadt mit Anbindung an die Kernstadt entstehen sollte. So bekam das landeseigene Reichswaldgelände mit Buchenloch und Leimkaut den Zuschlag, welches geologisch die besten Bedingungen bot und am einfachsten verfügbar war.   
 
Dies war der Startschuss für die zweite Bauphase – die Entstehung der für die einzelnen Fachbereiche speziell entwickelten Gebäude. Mit dem Bau des Mathematik-, Physik- und Maschinenbau-Gebäudes (MPM/Gebäude 44–46) mit rund 20.400 Quadratmetern Nutzfläche einschließlich des Zentralen Hörsaaltrakts mit Foyer und der Zentralen Werkstätten (Bau 45).  
Die Bauarbeiten dazu begannen im September 1975. Im Februar 1977 konnte das Gebäude 48 bezogen werden. Im August folgten die Gebäude 44, 45 und 46.
 
Ein zentrales Element der Campusinfrastruktur war die Inbetriebnahme der Energiezentrale nach 20-monatiger Bauzeit im Juni 1977. In einem weitverzweigten, begehbaren Kanalsystem wurden die Zentralbereiche von hier aus an die Versorgung mit Wärme, Gas, Kälte, Notstrom oder auch Druckluft angeschlossen.  
 
Die wachsenden Studierendenzahlen führten auch Einrichtungen wie die Cafeteria an ihre Grenzen. Im Frühjahr 1977 begann der Bau des zentralen Mensagebäudes auf dem Campus mit 5.270 Quadratmeter Hauptnutzungsfläche und einer großen, modernen Industrieküche. Die Eröffnung dieses Gebäudes im Oktober 1979 beschloss den dritten großen Bauabschnitt der 70er Jahre.

Die in Fertigbau errichteten Gebäude können 1972 bereits bezogen werden.
Die in Fertigbau errichteten Gebäude können 1972 bereits bezogen werden. Foto: TUK
Das Verfügungszentrum kann bezogen werden
Das Verfügungszentrum kann bezogen werden. Foto: TUK
Campusplan Anfang 70er
Campusplan Anfang 70er. Foto: TUK

Rückblick auf eine Dekade erfolgreicher Universitätsgeschichte

Im Rahmen eines Festaktes am 5. November 1980 erinnerte sich der Präsident der Universität Kaiserslautern, Prof. Dr. Helmut Ehrhardt, an die Anfänge der Universität.
 
[...] Die Universität hat vor zehn Jahren den ersten Studenten die Tore geöffnet – sie ist jetzt Teenager geworden, wie in diesen Tagen eine Zeitung ihren Geburtstagsartikel überschrieben hat.
[...]
Viele, die heute zu dieser Feierstunde gekommen sind, haben anfänglich mit uns gezittert, manche hatten von der Zeit und der Situation her gesehen hoch gesteckte Ziele, alle haben mitgeholfen, sich für ein Gelingen eingesetzt und, wie ich meine, einen Ausbauzustand und einen Anerkennungsgrad erreicht, den 1970 niemand auch nur erträumt hätte. Wir können uns in Kaiserslautern noch nicht mit dem Ausbauzustand und dem Renommee der Technischen Hochschulen Aachen, München, Stuttgart, Darmstadt oder Karlsruhe vergleichen, aber wir gehören in diesen Kreis und sind dort als solide Neugründung anerkannt.
Viele, die heute an dieser Feierstunde teilnehmen, haben Anteil an dieser Aufbauleistung. Viele sind gekommen, um mit uns zu feiern, nachzudenken über die vergangenen zehn Jahre und über die Zukunft. Ich begrüße Sie alle sehr herzlich im Namen der Universität.
[...]
Die Universität Kaiserslautern ist in die Stadt und in die Region eingegliedert. In den vergangenen zehn Jahren haben wir viel Hilfe benötigt und auch erhalten. Die Universität hat aber auch dazu beigetragen, die Stadt etwas zu verändern. Kaiserslautern ist noch lange keine typische Universitätsstadt, aber, meine Damen und Herren, wir dürfen nicht ungeduldig sein, so etwas dauert mindestens eine oder zwei Generationen, und manche Städte, insbesondere größere, schaffen es nie. Kaiserslautern hat sicher gute Voraussetzungen. Der Mithilfe der vielen Organe und Institutionen dürfen wir sicher sein.
[...]
Meine Grußworte sollen auch Worte des Dankes sein. Was wäre die Universität ohne die mit Pioniergeist getragene Aufbauarbeit vieler Universitätsangehöriger selbst, der Studenten, der wissenschaftlichen Mitarbeiter, der Professoren, der Lehrbeauftragten und der Arbeiter, Angestellten und Beamten in den Dienstleistungseinrichtungen, Verwaltung, Technischer Dienst, Bibliothek und Rechenzentrum.
Nichts war am Anfang vorhanden, alles musste von Null an aufgebaut werden, die Werkstätten, das System der Vorlesungen, Seminare und Übungen angepasst auf die sich stets vermehrenden Studiengänge, die Bibliotheken usw. Wir wollten nie eine spektakuläre „Reformhochschule“ sein, wir wollten eine solide Ausbildung ermöglichen mit guten Chancen für unsere Studenten im späteren Berufsleben und wir wollten gute Forschung treiben, sodass wir national und international konkurrenzfähig sind, dass wir beachtet und bekannt werden. In der Pro-Kopf-Leistung der wissenschaftlichen Veröffentlichungen stehen wir mit an der Spitze der Hochschulen der Bundesrepublik, auf internationalen Tagungen ist die Universität Kaiserslautern wohlbekannt, außerhalb der wissenschaftlichen Welt müssen wir aber noch viel Werbung betreiben. [...]
Nach den turbulenten ersten Jahren haben wir uns viel mit Zukunftsperspektiven beschäftigt. Der Wissenschaftsrat sprach erst kürzlich seine Anerkennung aus, ob zu Recht, wird sich erst in weiteren zehn oder zwanzig Jahren herausstellen. Der Senat der Universität und die Hochschulleitung sind fest überzeugt, dass wir in diesem Jahr mit 4.000 Studenten und circa 900 Landes- und Drittmittelbediensteten etwa Halbzeit feiern. Nach unserer Meinung müsste der Endausbau bei circa 7.500 Studenten der Natur- und Ingenieurwissenschaften und des Wirtschaftsingenieurwesens liegen. Diese Prognose basiert auf vielfältigen statistischen Daten und auf den Erfahrungen der letzten fünf Jahre. [...] Diese Prognose stimmt auch überraschend gut mit den Zielen der Landesregierung aus dem Jahre 1970 überein. [...]
Ich bin sicher, dass alle heute Anwesenden an einer guten Zukunft für unsere Universität mitarbeiten wollen. Ich darf Sie bitten, dies mit aller Kraft zu tun. Die Region, die Stadt und die Universität Kaiserslautern brauchen Ihre Unterstützung.

 

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