Jubiläum 2020

1980 - 1989

Ein wegweisendes Jahrzehnt für die Konzeption als Technische Universität mit hoher Forschungskompetenz

Mit 3.500 Studierenden und circa 700 Bediensteten startete die junge Universität ins neue Jahrzehnt. Damit hatte sie ungefähr die Hälfte der 1978 in Auftrag gegebenen geplanten Ausbaustufe erreicht. Das Ziel war die Einrichtung von rund 7.000 Studienplätzen in den kommenden Jahren, die meisten davon in den Bereichen Maschinenwesen, Elektrotechnik, Architektur und Raum- und Umweltplanung, Chemie sowie Bau- und Wirtschaftsingenieurwesen.


Diese Entwicklungsplanung, die durch den Landtag genehmigt worden war, sah für die kommenden Jahre vor, die bestehenden Kernfächer weiter auszubauen und zwischen diesen Brückenfächer anzusiedeln, die der Komplementierung des Fächerspektrums dienen sollten. Universitätspräsident Erhardt sah in dieser Vervollständigung eine der Hauptaufgaben der Universität für das folgende Jahrzehnt. Vom Wissenschaftsrat gab es für diese Planungen nicht nur vollste Zustimmung, sondern auch ein großes Lob.

Im Vordergrund jeglicher Planungen stand, an der Konzeption als Technische Universität festzuhalten. So sollten die jüngeren ingenieurwissenschaftlichen Fachbereiche weiter ausgebaut und das Studienangebot in diesem Bereich sowie in den Naturwissenschaften durch Fächerdifferenzierung erweitert werden. Komplettiert wurde das Angebot durch die Einrichtung eines Wirtschaftsingenieurstudiums, für das zunächst zwei Professuren vorgesehen waren.

Auch von baulicher Seite hatte die Universität Anfang der 80er Jahre ungefähr die Hälfte auf dem Weg zum fertigen Campus zurückgelegt. Denn nicht nur der Entwicklung der Fachbereiche und der stark wachsenden Zahl der Studierenden musste Rechnung getragen werden, die eine massive Erweiterung der Hauptnutzungsflächen notwendig machten. Auch der Ausbau der Infrastruktureinrichtungen, Werkstätten und der zentralen Bibliothek prägten diese Dekade. Die Anforderungen an die Universitätsbauten bezogen sich auf ihre unterschiedlichen Nutzungen: Hörsäle, Seminar- und Laborräume für die Lehre, Speziallabors für die Forschung, Gewächshäuser für den Fachbereich Biologie oder auch Maschinen- und Prüfhallen für den Maschinenbau. Dabei orientierten sich Planung und Ausbau der Universität einschließlich der dazugehörigen Infrastruktur an der Zahl der zu erwartenden Studierenden, die sich aber stetig veränderte.

Hinzu kam die Einrichtung neuer Forschungsinstitute, die die Forschungsaktivitäten der Universität auf eine neue Ebene hoben und zu einem politischen Wandel in den Hochschuldiskussionen passten. Wachsende Drittmitteleinnahmen und die Einrichtung einer Kontaktstelle für den Technologietransfer ließen die Universität Kaiserslautern zu einem forschungsstarken Standort werden. Dies passte zu den politischen Tendenzen, aufgrund der Bedarfe aus Industrie und Wirtschaft ein besonderes Augenmerk auf die universitäre Forschung zu legen, vor allem auf die angewandten Forschungsgebiete, die als modern galten.

Dagegen war die haushaltstechnische Situation in dieser Dekade für die Universität Kaiserslautern sehr angespannt. Während die Studierendenzahlen trotz angehobener Zugangsbeschränkungen stark stiegen, wurden die Probleme in der personellen Ausstattung durch Stelleneinsparungen und –sperrungen sowie durch notwendig gewordene Einsparungen im Sachhaushalt noch verschärft. Daraus entstand eine laute Forderung der Universitätsleitung an die Politik nach einer ausreichenden Grundausstattung und deren Erhaltung durch konsequente Reinvestitionen sowie die Anpassung der Personalausstattung an die immer noch wachsende Lehrbelastung.

Die Universität Kaiserslautern gab sich in diesem Jahrzehnt kämpferisch, um sich gegen die schlechten Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre zu wehren und für die anstehenden Herausforderungen und eine erfolgreiche zukünftige Weiterentwicklung gewappnet zu sein.

Zeittafel wichtiger Ereignisse

September 1980Die Universität feiert Richtfest für den Chemie-Neubau.
Dezember 1980Fertigstellung der Hallen für den Fachbereich Maschinenwesen
1981Prof. Dr. Dieter Maaß wird Präsident und Prof. Dr. Klaus Landfried wird Vizepräsident der Universität Kaiserslautern
Februar 1983Die Universität erhält neue Sport- und Freizeitanlagen
Januar 1982Die Kontaktstelle für Innovations- und Technologieberatung (KIT) wird eingerichtet.
Mai 1983Einweihung des Fachbereichsgebäudes Chemie
Januar 1985Umbenennung des Fachbereichs Sozialwissenschaften in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
Oktober 1986Einweihung der neuen Zentralbibliothek.
Das Studentenwohnheim ESA wird nach fünfjähriger Bauzeit eröffnet.
Januar 1987Prof. Dr. Klaus Landfried wird Präsident der Universität.
Juni 1987Einweihung des ersten Drittmittelgebäudes (Bau 56)
April 1988Das Gebäude des Materialprüfamts wird offiziell eingeweiht.
Juli 1988Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz wird mit den Standorten Kaiserslautern und Saarbrücken gegründet.
Juni 1989Einweihungsfeier für den Neubau Informatik, Rechenzentrum, Hochspannungslabor und Maschinenhalle 65
November 1989Offizielle Eröffnung des CIM-Centrum Kaiserslautern (CCK)
Dezember 1989Das Institut für Oberflächen- und Schichtanalytik wird gegründet.

1980 - 1989

Der Beginn der 80er Jahre war geprägt von einem gründlichen Wandel in den hochschulpolitischen Diskussionen. Hatte man sich in den Gründungsjahren der Universität Kaiserslautern verstärkt auf Entwicklungen in Studium und Lehre fokussiert, so rückte die Forschung in den Mittelpunkt des Interesses.

Die Politik erkannte die steigende Relevanz der Forschungs- und Entwicklungsstärke eines Landes, um wirtschaftlich konkurrenzfähig zu bleiben und was sicherlich auch durch die schwierige weltwirtschaftliche Situation der Stunde bedingt war.

Für die Universitäten bedeutete dies die Forderung nach einem stärkeren und effizienteren Forschungspotential durch die Bildung von Schwerpunkten, möglichst im Bereich der angewandten Forschung. Außerdem sollten Kooperationen zwischen Universitäten und Unternehmen gefördert und die Umsetzung von Forschungsergebnissen in wirtschaftliche Produkte unter dem Stichwort „Technologietransfer“ beschleunigt werden.

Dies war für die Universität Kaiserslautern, wie auch für andere Technische Universitäten, nichts Neues. Hatte sie sich doch der intensiven Zusammenarbeit mit der Industrie bei der Lösung praxisnaher Probleme seit ihrer Gründung verpflichtet. Als problematisch wurde allerdings die Aufgabe gesehen, Forschungsschwerpunkte zu setzen. Prof. Dr. Dieter Maaß, damaliger Präsident der Universität Kaiserslautern, im Vorwort zum Jahresbericht 1983 dazu:

„Forschungsschwerpunkte zu setzen ist allerdings im eigentlichen Sinne nur dort möglich, wo Forschungspotential, also Professuren und die zugehörige Ausstattung, als Dispositionsmasse verfügbar ist. Solange nur gerade die durch die Studienpläne vorgegebenen Teilgebiete einer jeden Wissenschaft durch nur einen Hochschullehrer (teilweise nur durch Lehrbeauftragte) abgedeckt werden können, ist diese Situation nicht gegeben.“

Dennoch war es der Universität Kaiserslautern gelungen, zwei Sonderforschungsbereiche (SFB) erfolgreich bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einzuwerben: SFB 91 „Energietransfer bei atomaren und molekularen Stoßprozessen“ (seit 1978) und SFB 124 „VLSI Entwurfsmethoden und Parallelität“ (seit 1983), die von den Fachbereichen Physik und Informatik getragen wurden. Hinzu kam ein dritter Sonderforschungsbereich SFB 314 „Künstliche Intelligenz“, der gemeinsam mit den Universitäten Karlsruhe und Saarbrücken sowie dem Fraunhofer-Institut für Informations- und Datenverarbeitung betrieben wurde. Doch auch in anderen Bereichen gelang es, den Anteil der Drittmittel deutlich zu steigern und damit auch den stetig wachsenden Erfolg der Universität in ihren Forschungsaktivitäten auszuweisen. So konnten in dieser Dekade die Drittmitteleinnahmen von 8,4 Millionen DM (1980) auf 27,8 Millionen DM (1989) erhöht werden.

Als weiterer Beleg für die steigende Forschungsrelevanz des Standorts wurde zusätzlich die Zahl von wissenschaftlichen Tagungen, Gastvorträgen, Promotionen und Habilitationen angesehen.

Für den Ausbau der Technologie-Transfer-Aktivitäten wurde 1982 eigens die Kontaktstelle für Innovations- und Technologieberatung (KIT) eingerichtet. Diese sollte Unternehmen, Wirtschaftsverbänden, aber auch den Behörden vor allem der Region als erster Ansprechpartner bei der Suche nach dem in der Universität gespeicherten Forschungs-Know-how dienen. Dabei wurden fünf verschiedene Aktivitätsfelder unterschieden: die Präsenz auf internationalen Messen und Ausstellungen, die Anbahnung gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsprojekte zwischen Universität und Wirtschaft, ein zeitlich befristeter Personalaustausch zwischen Universität und Industrie, wissenschaftliche Weiterbildung sowie die sogenannte „Spin-Off-Verwertung“ von Forschungsergebnissen und Patenten in Gestalt von direkt aus der Forschung umgesetzten Produkten. Letzteres geschah in der Regel im Rahmen der Gründung von kleineren Unternehmen durch Wissenschaftler, mit oder ohne Beteiligung von risikofreudigen Unternehmern.

1983 erschien erstmals ein Verzeichnis möglicher Beratungsleistungen durch Professoren, in dem ebenfalls die wichtigsten Forschungs- und Arbeitsgebiete sowie die Geräteausstattung mit den jeweiligen Kontaktadressen aufgeführt waren. Die Resonanz auf dieses Serviceangebot war nach den Hannover Messen 1983 und 1984 so groß, dass man „über die Errichtung eines Instituts für die Zusammenarbeit von Universitäten und Wirtschaft auf den Gebieten der Forschung, Entwicklung und Weiterbildung“ in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH nachdachte, das zwar organisatorisch kein Teil der Universität sein sollte, aber doch eng verwoben sein sollte. Als Kernaufgaben wurden die Einwerbung sowie die organisatorische Abwicklung von Forschungsprojekten, die Durchführung wissenschaftlicher Weiterbildungsveranstaltungen und die Vermittlung von Beratungsdienstleistungen gesehen. Außerdem sollte das Institut als Ausgangspunkt für technologieorientierte Unternehmensneugründungen im Rahmen eines von der Landesregierung in Kaiserslautern geplanten „Technologiezentrums“ fungieren.

Doch die Zusammenarbeit mit den Ministerien lief nicht immer reibungslos. Hintergrund kontroverser Diskussionen waren die Empfehlungen einer vom Ministerpräsidenten eingesetzten Kommission zu „Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“, die man 1985 mit dem Kultusministerium über die Einrichtung von neuen Forschungsschwerpunkten in den Bereichen Materialwissenschaften, Mikroelektronik/Informationstechnik sowie Biotechnologie führte. Deren Umsetzung wurde letztendlich vom Technologieprogramm der Landesregierung getragen und erwies sich, trotz einiger anfänglicher Probleme, als sinnvoll. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Forschung und Lehre erfuhr nicht zuletzt durch sie neue Impulse.

Als letzter Baustein in der Entwicklung zu einem national und international renommierten Forschungsstandort kann die Ansiedlung von Instituten für Forschung und Entwicklung im Umfeld der Universität betrachtet werden. Vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz über ein Oberflächen- und Dünnschichtenanalyselabor bis hin zu einem Institut für Verbundwerkstoffe und weiteren Zentren auf anderen Fachgebieten sollten für die universitäre Lehre, Forschung und Weiterbildung in den kommenden Jahren wichtige Impulse gesetzt werden.  

Im Fachgebiet „Industriebetriebslehre/Arbeitswissenschaften“ wurde 1989 in Kooperation mit dem Landesamt für Jugend und Soziales die Forschungsstelle „Technologie und Arbeit“ eingerichtet.

Dennoch wurde immer wieder darauf gepocht, die Grundlagenforschung zu Gunsten der finanzstarken angewandten Forschung nicht zu vernachlässigen, vor allem mit Blick auf die desolate Grundausstattung. Erst 1989 ermöglichte es eine großzügige Zuweisung von Investitionsmitteln aus dem Strukturhilfefonds, den stark überalterten Gerätepark in größerem Umfang zu modernisieren, was zumindest die Ausstattungssituation der Universität mit wissenschaftlichen Geräten deutlich verbesserte.


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  • Materialwissenschaften (seit 1986)
    Hier arbeiteten Arbeitsgruppen aus Physik und Maschinenbau an der Erforschung und Entwicklung neuartiger Werkstoffe und Werkstoffkombinationen. Die Eigenschaften dieser Stoffe wurden vor allem durch innere und äußere Grenzflächen und dünne Schichten bestimmt.
  • Biotechnologie (seit 1986)
    Dieser Schwerpunkt wurde hauptsächlich von Arbeitsgruppen der Biologie, Chemie und Verfahrenstechnik getragen. Er befasste sich vor allem mit der Isolierung und Testung von Wirkstoffen aus Pflanzen und Pilzen, mit dem Ziel daraus neue Medikamente und Pflanzenschutzmittel herzustellen.
  • Mikroelektronik und Informationstechnik (seit 1986)
    Hier arbeiteten hauptsächlich Arbeitsgruppen aus den Fachbereichen Elektrotechnik und Informatik zusammen. Als gruppenübergreifende Serviceeinrichtung wurde ein Zentrum für Mikroelektronik eingerichtet, in dem vor allem an der Optimierung von Schaltungsentwürfen gearbeitet wurde.
  • Umweltschutz und Energietechnik (seit 1988)
    Der Forschungsschwerpunkt gliederte sich in vier Teilbereiche. Erfassung und Reduktion der Schadstoffemissionen bei technischen und chemischen Prozessen, Umweltverträglichkeit, Lärm und Umweltökonomie. Die Arbeit wurde wesentlich unterstützt durch Förderung von Einzelprojekten aus Mitteln des Umweltministeriums.


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Die Universität Kaiserslautern war von Beginn an als Technische Universität konzipiert. In diesem Sinne erweiterte man gleich zu Beginn des neuen Jahrzehnts das bestehende Fächerspektrum durch neue Studiengänge, die sich an den neuen Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientierten.
 
Flankiert wurde die Einrichtung der neuen Studiengänge von einer umfassenden Studienberatung, die alle Gymnasien in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Baden-Württemberg mit Informationen versorgte. Der vom Studierendensekretariat in Zusammenarbeit mit den Fachbereichen 1978 erstmals mit 4.000 Stück aufgelegte Studienführer war schnell ausverkauft, eine zweite Ausgabe wurde Anfang der 80er neu erstellt.

So starteten im Wintersemester 1979/80 die ersten Studierenden im Studiengang Bauingenieurwesen, Ökochemie/ Lebensmittelchemie sowie Biotechnologie und Technische Physik und ließen die Zahl der Studienanfänger von 3.099 im WS 1978/79 auf 3.509 weiterwachsen.   

Auch das wirtschaftswissenschaftliche Lehrangebot, anfangs noch durch Lehraufträge abgedeckt, wurde weiter ausgebaut. Die erste Gastprofessur in diesem Bereich wurde Ende der 70er Jahre mit Dr. habil. Klaus Zink besetzt. Mit seiner Unterstützung stellte die Senatskommission in Zusammenarbeit mit Vertretern des Fachbereichs Maschinenwesen einen Studienplan für den neu einzurichtenden Studiengang Wirtschaftsingenieur/ Technoökonomie auf, für den im Doppelhaushalt 1980/81 zwei Professuren vorgesehen waren.

Begleitet wurde die stärkere Berücksichtigung wirtschaftswissenschaftlich orientierter Berufsfelder von der Einführung eines Nebenfaches Wirtschaftswissenschaften für die Diplomstudiengänge Mathematik und Informatik, der Einführung der Vertiefungsrichtungen Volks- und Betriebswirtschaftslehre für die Studiengänge Lehramt an Berufsbildenden Schulen und erweiterten Wahlmöglichkeiten wirtschaftswissenschaftlicher Lehrveranstaltungen für die Diplomstudiengänge Maschinenwesen und Elektrotechnik.

Im Jahr 1985 folgte dann die Einrichtung der Diplomstudiengänge Wirtschaftsmathematik und Technomathematik, die sich von Beginn an großer Beliebtheit bei den Studierenden erfreuten.

Dies wirkte sich im Verlauf des Jahrzehnts allerdings massiv auf die bereits über den Kapazitätsgrenzen operierende Universität aus, die Lehre war über die Maße überlastet. Vorlesungen mussten aufgrund des Platzmangels abgesagt werden, so beispielsweise die Übung in Höherer Mathematik für circa 1.600 Erstsemester in den Ingenieurfächern und der Physik. Die Mathematik verlegte öffentlichkeitswirksam eine ihrer Vorlesungen ins Fußballstadion auf dem Betzenberg, in dem schließlich 4.000 Studierende auf den Rängen saßen. Ein von der Studierendenschaft organisierter Protestmarsch in Mainz, der auf die völlig unzureichende Betreuungsrelation hinweisen sollte, wurde von allen Statusgruppen in der Universität unterstützt und verfehlte seine Wirkung auf die Landesregierung nicht. Dennoch dauerte es mehrere Jahre, bis die prekäre Studiensituation in Kaiserslautern sich entspannte.


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Eine Universität am Rande der Belastungsgrenze

Die prekäre Haushaltslage der Universität stellte die Universitätsleitungen bei gleichzeitigem Wachstum in allen Bereichen vor große Herausforderungen, vor allem mit Blick auf die Sicherung der qualitativen und quantitativen Ansprüche, die man sich von Beginn an gesetzt hatte.

Zwei Personen, die diese Zeit maßgeblich prägten, waren Prof. Dr. Dieter Maaß, der von 1981 bis 1987 das Amt des Präsidenten bekleidete, und Prof. Dr. Klaus Landfried, der ihm in dieser Zeit als Vizepräsident zur Seite stand und 1987 selbst zum Universitätspräsidenten gewählt wurde.

Beide standen der Universität in einer sehr turbulenten Zeit vor, die geprägt war von großen Wachstumsschmerzen bei einer gleichzeitig sehr erfreulichen Erfolgsgeschichte in Forschung und Lehre und einer immensen Bauentwicklung auf dem Campus. Diese zweite Dekade machte deutlich, dass die Anfangskonzeption aufging und man sich inhaltlich auf die richtigen Bereiche fokussiert hatte. National und international stieg die Reputation, während man vor Ort mit fehlenden Raumkapazitäten und Betreuungsrelationen zu kämpfen hatte.

Doch beide Präsidenten navigierten die Universität sicher durch diese schweren Zeiten und legten damit einen weiteren Grundstein für die weitere erfolgreiche Entwicklung. 

Professor Dr. Dieter Maaß, Präsident von 1981–1987

Dieter Maaß studierte Mathematik an der Universität Heidelberg und promovierte an der damaligen Technischen Hochschule Karlsruhe, wo er am Institut für Angewandte Mathematik, einem Vorläufer des späteren Karlsruher Rechenzentrums, als Geschäftsführer arbeitete. Seine Forschungsschwerpunkte waren Organisation und Betrieb wissenschaftlicher Rechenzentren und Rechnernetze. Ab Oktober 1970 wurde er zunächst mit dem Aufbau und der Leitung eines Hochschulrechenzentrums, dem heutigen RHRK, betraut. Daneben widmete er sich dem Aufbau des Fachbereichs Informatik, wo er 1978 als Professor berufen wurde.

Bereits 1979 wurde Prof. Dr. Dieter Maaß zum Dekan des Fachbereichs Informatik gewählt. Dieses Amt hatte er bis zu seiner Wahl als Präsident der Universität Kaiserslautern im Jahre 1981 inne. In dieser Funktion war Prof. Maaß von 1981 bis 1987 tätig.

Prof. Dr. Dieter Maaß. Foto: TUK
Prof. Dr. Dieter Maaß. Foto: TUK
Übernahme des Präsidentenamts durch Prof. Dr. Dieter Maaß (links) von Prof. Dr. Helmut Ehrhardt. Foto: TUK
Übernahme des Präsidentenamts durch Prof. Dr. Dieter Maaß (links) von Prof. Dr. Helmut Ehrhardt. Foto: TUK

Professor Dr. Klaus Landfried, Präsident von 1987-1997

Klaus Landfried studierte Volkswirtschaftslehre, Geschichte, Neuere Deutsche Literatur, Öffentliches Recht und Politikwissenschaft an den Universitäten Basel und Heidelberg. 1970 promovierte er an der Universität Heidelberg und war von 1972 bis 1973 als John F. Kennedy Memorial Fellow an der Harvard University in Cambridge/Massachusetts in den USA.

Bereits 1974 folgte er dem Ruf an die Universität Kaiserslautern und lehrte bis 1987 als Professor für Politikwissenschaft im Fachbereich Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Von 1981 bis 1987 übernahm Professor Klaus Landfried das Amt des Vizepräsidenten, bevor er 1987 zum dritten Präsidenten der Universität Kaiserslautern gewählt wurde. Hier stand er für zehn Jahre an der Spitze der Hochschule.

Zusätzlich zu seinem Präsidialamt an der Universität Kaiserslautern war Landfried von 1991 bis 1997 Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). 1997 wechselte er schließlich als Präsident der HRK nach Bonn und hatte dieses Amt bis 2003 inne. Im selben Jahr wurden seine Verdienste in der deutschen Hochschulpolitik mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt.

Prof. Dr. Klaus Landfried
Prof. Dr. Klaus Landfried. Foto: TUK
Prof. Dr. Landfried übernimmt das Präsidentenamt von Prof. Dr. Dieter Maaß
Prof. Dr. Landfried übernimmt das Präsidentenamt von Prof. Dr. Dieter Maaß. Foto: TUK

1980 - 1989

Die zweite Dekade der Universitätsgeschichte war geprägt von großen baulichen Entwicklungen auf dem Campus. Neben den Neubauten für verschiedene Fachbereiche gab es auch erste Umbauten bereits bestehender Gebäude mit einem Gesamtvolumen von 11 Millionen DM, um den fortschreitenden Veränderungen der Universitätsstruktur gerecht werden zu können.

Um den Baustellencharakter des Campus nach und nach aufzuheben, wurde auch verstärkt ein Augenmerk auf die Außenanlagen gelegt.

So freute man sich beispielsweise im Sommer 1980 über die Fertigstellung des Fußgängerbereichs zwischen den Gebäuden 44, 46 und 48, der es nun endlich ermöglichte, trockenen Fußes zwischen den Gebäuden zu laufen. Auch einige neue Kunst-am-Bau-Projekte wurden in dieser Dekade umgesetzt. Dazu gehörten beispielsweise die Brunnenanlage vor der Mensa, die 1985 eingeweiht wurde, sowie zwei Industriedenkmäler, darunter ein Kompressormotor südlich von Gebäude 11 und ein Reaktionsofen westlich von Gebäude 52, die beide 1984 aufgestellt wurden.

Zum Ende der Dekade verfügte der 40 Hektar große Universitätscampus bereits über insgesamt 40 Gebäude mit einer Gesamtnutzungsfläche von 150.000 Quadratmetern, davon 101.000 Quadratmeter Hauptnutzungsfläche. Die Gesamtbaukosten erreichten bis dahin einen Wert von circa 400 Millionen DM.


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Hochmodernes Chemie-Gebäude setzt Meilenstein in der Universitätsentwicklung

Nach einer Bauzeit von nur 16 Monaten entstand auf einer Lichtung am östlichen Rand des Campus ein mächtiges Gebäude aus zwei zueinander versetzten, zweibündigen Baukörpern mit einer Gesamtlänge von rund 134 Metern, welches nach seiner Fertigstellung als Gebäude 52 den Fachbereich Chemie beherbergen sollte.

Beim Richtfest im September 1980 bezeichnete der damalige Staatssekretär des Mainzer Finanzministeriums, Heinrich Schreiner, die Errichtung des Chemiebaus als wichtigen Schritt beim weiteren kontinuierlichen Ausbau der Universität Kaiserslautern. Das hochmoderne Lehr- und Forschungsgebäude bot auf einer Hauptnutzungsfläche von 9.850 Quadratmetern Raum für insgesamt 620 Studienplätze für Diplomchemiker und Lehramtsanwärter. Neben Hörsälen, Seminarräumen, Laboren und der Bereichsbibliothek waren in dem Gebäudekomplex die Glasbläserei sowie anfänglich die Elektro- und Metallwerkstätten untergebracht.

Nach Einschätzung des damaligen Leiters des Staatsbauamts Kaiserslautern-Ost, Rudolf Coen, handelte es sich bei dem Chemiegebäude um den wohl komplexesten Bau der Universität. Dies war einerseits den Luftwechselmöglichkeiten in den Chemielaboren und sogenannten „Stinkräumen“ geschuldet, die mehrfach pro Stunde durchgeführt werden konnten. Zudem machte ein Wärmerückgewinnungssystem die in der Abluft enthaltene Wärme wieder nutzbar.

Diese Komplexität schlug sich auch in der Höhe der Baukosten nieder. Knapp 45,8 Millionen DM waren für den Bau, der Ende 1981 fertiggestellt und am 2. Mai 1983 eingeweiht wurde, eingeplant gewesen.

Nach kurzer Bauzeit feierte der Fachbereich Chemie im September 1980 Richtfest und weihte das Gebäude im Mai 1983 ein. Foto: TUK
Nach kurzer Bauzeit feierte der Fachbereich Chemie im September 1980 Richtfest und weihte das Gebäude im Mai 1983 ein. Foto: TUK
Beim Richtfest des neuen Fachbereichsgebäudes dabei: Dipl.-Ing. Hennes, Staatssekretär Hanns Schreiner, Prof. Manfred Regitz, Baudirektor Walter Keßler und Ltd. Baudirektor Rudolf Coen (v.l.n.r.). Foto: TUK
Beim Richtfest des neuen Fachbereichsgebäudes dabei: Dipl.-Ing. Hennes, Staatssekretär Hanns Schreiner, Prof. Manfred Regitz, Baudirektor Walter Keßler und Ltd. Baudirektor Rudolf Coen (v.l.n.r.). Foto: TUK
Das Chemiegebäude kurz vor seiner Fertigstellung. Foto: TUK
Das Chemiegebäude kurz vor seiner Fertigstellung. Foto: TUK
Die Baumaßnahmen waren sehr umfangreich. Foto: TUK
Die Baumaßnahmen waren sehr umfangreich. Foto: TUK

Ein „Lindwurm“ prägt die Mitte des Campus

Universitätsbibliothek, Regionales Rechenzentrum und der Fachbereich Informatik beziehen die Gebäude 32 bis 36

Nachdem für den Neubau der Zentralbibliothek im Sommer 1983 die Aushubarbeiten begonnen hatten, wurde das Gebäude 1984 im Rohbau fertiggestellt. Der sogenannte „Lindwurm“ (Bau 32–36) wurde in verschiedenen Abschnitten zwischen 1986 und 1988 übergeben.

In der neuen Zentralbibliothek findet Literatur für Forschung und Lehre Platz

Gebäude 32, die neue Heimat der Zentralbibliothek, wurde im Mittelpunkt des Campus angesiedelt und bot den Universitätsangehörigen neben allgemeiner und fachübergreifender Literatur und den Lehrbuchsammlungen auch Dissertationen, Altauflagen oder ausgesonderte Bestände der Bereichsbibliotheken. Die Patentschriften- und Normenauslegestelle wurde ihr angegliedert.

Auf 5.600 Quadratmetern Hauptnutzungsfläche bot das neue Gebäude anfangs auch Räumlichkeiten für den AStA, das Studierendenwerk und die Verwaltung sowie für die Abteilung Foto-Repro-Druck.

Insgesamt 17 Millionen DM Baukosten waren für diesen Bauabschnitt angesetzt. Offiziell eingeweiht wurde die Zentralbibliothek am 27. Oktober 1986. Am Ende der Dekade konnte die Universitätsbibliothek insgesamt 450.000 Ausleihen und knapp 630.000 Lesesaalbenutzer verzeichnen.

Die Gebäude 32 bis 36 nehmen langsam Form an. Foto: TUK
Die Gebäude 32 bis 36 nehmen langsam Form an. Foto: TUK
Die Universitätsbibliothek 1985 in fast fertigem Zustand. Foto: TUK
Die Universitätsbibliothek 1985 in fast fertigem Zustand. Foto: TUK
Der Leiter der Zentralbibliothek, Dieter Johannes, bei seiner Festansprache anlässlich der Einweihung des neuen Gebäudes. Foto: TUK
Der Leiter der Zentralbibliothek, Dieter Johannes, bei seiner Festansprache anlässlich der Einweihung des neuen Gebäudes. Foto: TUK
Der Präsident, Professor Dr. Dieter Maaß, überreicht dem Leiter der Zentralbibliothek, Dieter Johannes den symbolischen Schlüssel für das neue Gebäude
Der Präsident, Professor Dr. Dieter Maaß, überreicht dem Leiter der Zentralbibliothek, Dieter Johannes den symbolischen Schlüssel für das neue Gebäude. Foto: TUK

Regionales Rechenzentrum

Gebäude 34 wurde im Rahmen einer Festveranstaltung am 5. Juni 1989 offiziell eingeweiht, die Übergabe war bereits im Jahr 1988 erfolgt. Mit Baukosten von 13 Millionen DM war eine neue Fläche von 2.760 Quadratmetern entstanden, die Servern, Technik und Mitarbeitern auf dem Universitätscampus neue Entfaltungsmöglichkeiten bieten sollte.

Der Umzug von Gebäude 12 nach Gebäude 34 wurde nach detaillierter Vorbereitung mit den beteiligten Partnern Zentrale Betriebseinheit Technik, Bauamt, Bundespost und der Firma Siemens in weniger als hundertstündigem Einsatz rund um die Uhr bewältigt. Das Verlagern des Kerns des lokalen Netzes nahm dagegen einige Wochen in Anspruch, weil insgesamt einige tausend Kontakte im Rechenzentrum und auf dem Campus neu verlötet werden mussten. 

Durch die im Neubau gegebene räumliche Erweiterung für Maschinen- und Benutzerräume konnten ein PC-Pool sowie zwei Terminalräume mit zusammen circa 80 Arbeitsplätzen für Benutzer, insbesondere auch für rechnergestützte Lehrveranstaltungen, zur Verfügung gestellt werden.


Pioniere der Digitalisierung bekommen ein neues Zuhause

Vom wachsenden Bedarf an IT-Lösungen und -Systemen in Wirtschaft und Wissenschaft profitierend, war auch der Fachbereich Informatik vom steigenden Platzmangel betroffen. Eine neue Wirkungsstätte musste geplant werden und so entstand das Konzept für Gebäude 36.

Neben den Arbeitsgruppen Computergraphik, Datenverarbeitungssysteme und Systemsoftware sowie Teilen des Sonderforschungsbereichs „Künstliche Intelligenz“ war im Gebäude anfänglich auch das Zentrum für Rechnergestützte Ingenieursysteme angesiedelt.

Im darauffolgenden Jahr wurde der Anbau fertiggestellt, in dem die Fachbereichsbibliothek und zwei Seminarräume sowie eine Cafeteria ihren Platz fanden.


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Hochspannung garantiert

Das Hochspannungslabor des Fachbereichs Elektrotechnik in Gebäude 19 wurde ebenfalls am 5. Juni 1989 eingeweiht. Es diente zur systematischen wissenschaftlichen Erforschung der Isolationseigenschaften von Nichtleitern und des Verhaltens von Blitzentladungen. Dazu ließen sich in dem fensterlosen Gebäude Spannungen von bis zu einer Million Volt und Blitze mit Schlagweiten von bis zu 1,5 Metern künstlich erzeugen.

Doch die Hochspannungshalle diente von Beginn an nicht nur der internen Forschung, sondern erfüllte auch Prüfaufträge aus der Industrie. Aufgrund ihrer besonderen Schirmungseigenschaften wurde die Halle später in den 90er Jahren durch die Technologietransferstelle Elektromagnetische Verträglichkeit des Landes Rheinland-Pfalz für EMV-Geräteprüfungen nach europäischen Standards genutzt.


Das Materialprüfamt – Symbiose von Materialprüfung, -forschung und -lehre

Ebenfalls um Prüfungen drehte sich alles in den neuen Räumlichkeiten des Materialprüfamts (MPA). Nach zweijähriger Bauzeit wurde Gebäude 60, welches das MPA zukünftig beherbergen sollte, am 21. April 1988 mit über 300 geladenen Gästen offiziell eingeweiht.

Hauptaufgabe des Prüfamtes, das bereits seit 1973 der pfälzischen Hochschule angegliedert war, war die Erstellung amtlicher und wissenschaftlicher Gutachten vorwiegend im Bauwesen. Der Neubau verfügte über moderne Laboreinrichtungen, um beispielsweise chemische und physikalische Untersuchungen durchzuführen. Dazu gehören etwa Feinstrukturuntersuchungen mit Röntgenstrahlen, Korrosionsuntersuchungen, Prüfung von Baustoffen wie Mörtel, keramische Baustoffe oder Beton sowie Bodenprüfungen und Wasseranalysen.

Das MPA arbeitete in den neuen Räumlichkeiten auf dem Gebiet der Material- und Werkstoffkunde hauptsächlich interdisziplinär, vor allem mit den Fachbereichen Bauingenieurwesen und Chemie. Es entstanden zahlreiche Kooperationen mit der Industrie. Zudem konnte die Universität über das MPA den Studierenden des Fachbereichs Bauingenieurwesen eine praxisnahe Ausbildung ermöglichen.


Neue Sport- und Freizeitanlage macht den Campus attraktiver

Fast zehn Jahre dauerte es, bis die Universität Kaiserslautern nach langem Ringen mit den entsprechenden Entscheidern grünes Licht für den Bau einer Sport- und Freizeitanlage auf dem Campus erhielt.

Bis dahin war das freiwillige Sportprogramm in öffentlichen Sportstätten und umliegenden Schulen angeboten worden, doch der steigende Zulauf und die Verankerung des Hochschulsports im Hochschulgesetz stellten die Weichen für die Planung und Umsetzung des neuen Sportgeländes. Insgesamt sollten 5,3 Millionen DM als Budget für das Bauvorhaben zur Verfügung stehen.

Mit der Fertigstellung, Einweihung und Inbetriebnahme der neuen Universitätssportanlage im Februar 1983 wurden neue, dringend erforderliche Übungsräume geschaffen, um die sportlichen Aktivitäten weiterentwickeln und optimieren zu können. Alleine die neue Sporthallte umfasste 1.900 Quadratmeter. So konnte sich sowohl die Zahl der wöchentlichen Nutzungen und der angebotenen Sportarten als auch der prozentuale Anteil der Hochschulangehörigen, die sich sportlich betätigen wollten, massiv erhöhen.

Götz Birnmeyer, Referent für den Hochschulsport (Bildmitte, zweiter von rechts), engagiert sich beim Tennistraining. Foto: TUK
Götz Birnmeyer, Referent für den Hochschulsport (Bildmitte, 2.v.r.), engagiert sich beim Tennistraining. Foto: TUK
Auch Volleyball zählte zum Programm des Hochschulsports. Foto: TUK
Auch Volleyball zählte zum Programm des Hochschulsports. Foto: TUK

Universität erweitert sich im Osten: Drittmittelpark

Um für die vielfältigen Forschungsaktivitäten im Rahmen von Drittmittel-Forschungsprojekten den notwendigen Raum zu schaffen, entwickelte die Universität Kaiserslautern ein Konzept für sogenannte „Drittmittelgebäude“, das sie in den nachfolgenden Jahren auch umsetzte. Die Gebäude wurden, wie alle anderen Hochschulbauten auch, mit 50% Landesmitteln und 50% Bundesmitteln finanziert.

Das erste Drittmittelgebäude (Geb. 56) war mit Physik- und Chemielaborräumen ausgestattet und bot vorrangig Naturwissenschaftlern und Ingenieuren in den Forschungsschwerpunkten „Materialwissenschaften“ und „Biotechnologie“ optimale Arbeitsmöglichkeiten. Baubeginn war im Februar 1986, bereits im Juli 1987 wurde das Gebäude vom Bauherrn an die Universität übergeben. Das Drittmittelgebäude umfasst 4.000 Quadratmeter Hauptnutzungsfläche und ist mit 100 Büroräumen, 43 kleineren und 24 größeren Laboren, drei chemisch-technischen Laboren, zwei Seminarräumen und vier Besprechungsräumen ausgestattet. Die Baukosten dafür beliefen sich auf 21,5 Millionen DM.

Das zweite Drittmittelgebäude (Geb. 57/ Einweihung Juni 1989) war im Wesentlichen den Forschungsschwerpunkten „Informationstechnik“ und „Rechnergestützte Ingenieursysteme“ vorbehalten. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Forschungsgruppen des Fachbereichs Informatik und das CIM-Centrum Kaiserslautern (CCK) nutzten das Gebäude gemeinsam. Um bei verschiedenen Veranstaltungen Platz für ein größeres Publikum zu haben, wurde in den Bau auch eine Rotunde integriert, in der bis zu 150 Personen sitzend Platz finden.

Ein dritter Bauabschnitt (Geb. 58) wurde im September 1991 fertiggestellt und an das Institut für Verbundwerkstoffe (IVW) übergeben (Baubeginn Februar 1990).

Die Universität Kaiserslautern weiht Gebäude 57 mit der Rotunde 1989 offiziell ein.
Die Universität Kaiserslautern weihte Gebäude 57 mit der Rotunde 1989 offiziell ein. Foto: TUK
Gebäude 58 wurde 1991 fertiggestellt.
Gebäude 58 wurde 1991 fertiggestellt. Foto: TUK
Nach nur einjähriger Bauzeit wurde das Gebäude 56 1987 übergeben.
Nach nur einjähriger Bauzeit wurde das Gebäude 56 1987 übergeben. Foto: TUK

ESA – Das etwas andere Wohnheim

Nach fünfjähriger Bauzeit wurde 1986 am Rande des Campus eine ganz besondere studentische Unterkunft eingeweiht, die auf den ersten Blick an ein Gewächshaus erinnert: das Studierendenwohnheim ESA.

Die Abkürzung ESA steht für „EnergieSparende Architektur“. Beginn der 80er Jahre hatte Prof. Heinrich Eissler, Fachgebiet Baukonstruktion, die Idee, ein energieeffizientes Wohngebäude zu entwerfen. Als das Kultusministerium Rheinland-Pfalz unter Hinweis auf andere Selbstbauprojekte, wie das Studierendenwohnheim Bauhäusle in Stuttgart-Vaihingen oder die Erdhügelhäuser des Studentenwohnheims Stuttgart-Hohenheim, den Bau eines energieeffizienten Wohngebäudes auf dem Campus der Universität anregte, setzte Eissler gemeinsam mit dem Architekten Wolf Hoffmann den Entwurf für die energiesparende studentische Unterkunft um.

Die Besonderheit beim Bau dieses Wohnheims war die starke Beteiligung von Studierenden aus den Fachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen und Raum- und Umweltplanung. Mehr als 100 Studierende und rund 20 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiteten an dem Modellprojekt mit dem Ziel, ein möglichst energieautarkes Wohnhaus mit Nutzung der Sonnenenergie zu errichten. Natur und Pflanzen wurden in der Gestaltung der Außenanlagen direkt am Pfälzer Wald wie auch im Wohngebäude selbst stark in den Vordergrund gestellt. Verstärkt wurde die Wirkung des Hauses als Wohnbiotop durch das Haus-in-Haus-Prinzip. Die Studierenden bewohnen gemauerte oder mit viel Phantasie aus Holz entwickelte Wohnzellen, die dem Gebäude den ihm typischen Charakter eines Gewächshauses mit Wohnfunktion verleiht.

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