Jubiläum 2020

1990 – 1999

In Kaiserslautern entsteht ein exzellenter Forschungsstandort

1990 konnte die Universität Kaiserslautern auf 20 erfolgreiche Jahre zurückblicken, in denen sie sich in der Landschaft der technischen Hochschulen in der Bundesrepublik einen respektablen Platz erarbeitet hatte. Dies wurde nicht nur durch anerkennende Kommentare aus dem Wirtschafts-, Wissenschafts- und Bildungsbereich deutlich, sondern auch durch das steigende Vertrauen der Drittmittelgeber und die Gründung und Ansiedlung namhafter Forschungsinstitute im direkten Umfeld der Universität. Kaiserslautern befand sich auf dem Weg zu einem bedeutenden Wissenschaftsstandort im Südwesten Deutschlands.   

So stand die Universität in den 90er Jahren, nach zwanzig Jahren intensiver Campusentwicklung, erneut vor großen baulichen Veränderungen, diesmal vor den Toren des Universitätsgeländes. Entlang der Trippstadter Straße entstanden neue Forschungsinstitute wie 1995 das Institut für Technologie und Arbeit und das Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik sowie 1996 das Institut für Experimentelles Software Engineering, das 1999 zum ersten Fraunhofer-Institut in Rheinland-Pfalz wurde. Zudem wurden auch auf dem Campus weitere Forschungseinrichtungen eröffnet: Das Institut für Verbundwerkstoffe nahm 1991 seine Arbeit auf und 1998 wurde das Institut für Biotechnologie und Wirkstoff-Forschung gegründet.

Aber auch die Universität wuchs weiter: Im März 1990 bezog die Technische Betriebszentrale ihre neuen Räumlichkeiten. Mit dem Zentrum für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung (ZFUW) bot die Universität Kaiserslautern ab 1992 zudem neue Studienmöglichkeiten für Berufstätige an. 1994 wurde mit Bau 42 ein neues Prestigegebäude eingeweiht, in dem künftig Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen unterkommen sollte. Im Juni 1997 bezogen schließlich die Beschäftigten der Verwaltung Gebäude 47, ein 12-stöckiges Bürohochhaus, von dem aus zukünftig die Geschicke der Universität gelenkt wurden.

Die Studierendenzahlen erreichten zum Beginn dieser Dekade neue Rekordzahlen. Im Wintersemester 1989/90 überstieg die Zahl der Erstsemesterstudierenden erstmals die 2.000er-Marke, im Wintersemester 1991/92 wurde die Schallmauer von insgesamt 10.000 Studierenden durchbrochen, was die Universität erneut über ihre Belastungsgrenzen brachte. Auch wenn die Landesregierung Stellenzuwächse ermöglicht hatte, so blieb die personelle Grundausstattung im Vergleich zu anderen Hochschulen weiterhin im Rückstand.

Erst ab dem Wintersemester 1992/93 begannen die Studierendenzahlen, parallel zu einem bundesweiten Trend, der sich bis zum Ende des Jahrzehntes fortsetzte, vor allem in den Ingenieurswissenschaften und der Informatik wieder zu sinken. Dies brachte zwar einerseits eine leichte Entlastung der Studiensituation, änderte aber an der mangelnden Grundausstattung der gesamten Universität wenig. Dennoch arbeitete man in vielen Bereichen weiter an der Diversifizierung des Studienangebots und an der Verbesserung der Lehrqualität.

Der Gesamthaushalt der Universität erreichte 1990 rund 148 Millionen DM, wovon circa 32,3 Millionen DM von dritter Seite, also von öffentlichen und privaten Geldgebern, beigesteuert wurde. Im Laufe der Dekade konnte das Haushaltsvolumen auf insgesamt 256,5 Millionen DM gesteigert wurden, wovon knapp 51,8 Millionen DM Drittmittel ausmachten.

1993 wurde an der Universität Kaiserslautern erstmals ein Controlling-System für die Bereiche Studium, Lehre und Prüfungen etabliert. Ziel war es, die Universitätsleitung und die Fachbereiche bei den Steuerungsaufgaben von Forschung und Lehre zu unterstützen und die Beschaffung und Bereithaltung der dafür relevanten Informationen und ihre ständige Transparenz über EDV-Lösungen zu erreichen.

Zu Beginn des Jahrzehnts macht Universitätspräsident Prof. Dr. Klaus Landfried auf die zu erwartenden Herausforderungen aufmerksam, die mit der Deutschen Einheit und den damit verbundenen Umleitungen von Forschungsfördermitteln des damaligen Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMFT) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in die neuen Bundesländer einhergehen würden. Die damit zukünftig erschwerte Einwerbung von Drittmitteln könne eine Abwanderung von hochqualifizierten Nachwuchswissenschaftlern in die Wirtschaft nach sich ziehen, warnte er damals im Vorwort zum Jahresbericht 1991, was sich wiederum auf die Neubesetzung von vakanten Professuren auswirken würde.

1997 kam es dann zu einem doppelten Wechsel in der Hochschulleitung. Der bisherige Kanzler Prof. Dr. Hermann Fahse, der seit 1974 das Amt bekleidete, verabschiedete sich in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Stefan Lorenz, der bis dahin Personal- und Organisationsreferent im rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung gewesen war.

Die Wahl zum neuen Universitätspräsidenten konnte Ende des Jahres Prof. Dr. Günter Warnecke für sich entscheiden. Sein Vorgänger Prof. Dr. Klaus Landfried wurde noch im selben Jahr zum Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gewählt.

In der Nähe des Universitätscampus siedeln sich Forschungsinstitute an (links: Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Bildmitte: Institut für Oberflächen- und Schichtanalytik; rechts: Fraunhofer-Institute). Foto: TUK
In der Nähe des Universitätscampus siedeln sich Forschungsinstitute an (links: Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Bildmitte: Institut für Oberflächen- und Schichtanalytik; rechts: Fraunhofer-Institute). Foto: TUK
Auf dem Campus eröffnet das Institut für Verbundwerkstoffe in Gebäude 58. Foto: Koziel
Auf dem Campus eröffnet das Institut für Verbundwerkstoffe in Gebäude 58. Foto: TUK

Zeittafel wichtiger Ereignisse

März 1990Die Technische Betriebszentrale nimmt in neuen Räumen ihre Arbeit auf.
November 1991Das Institut für Verbundwerkstoffe (IVW) siedelt sich auf dem Campus an.
Mai 1992Universität Kaiserslautern gründet Zentrum für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung (ZFUW).
Juni 1993Drei neue Gebäude werden eingeweiht: Gewächshaus des Fachbereichs Biologie, Laborhalle für die Bauingenieure und neues Lagergebäude für Sondermüll.
Dezember 1994Neues Gebäude für Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen wird feierlich eröffnet.
1995Institut für Technologie und Arbeit (ITA) bezieht Gebäude in der Trippstadter Straße.
Januar 1996Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) nimmt Arbeit auf (ab 2001 Fraunhofer-Institut).
1996Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) wird als erste Einrichtung der Fraunhofer Gesellschaft gegründet.
Juli 1996Kindertagesstätte auf dem Unicampus wird eingeweiht.
Juni 1997Neuer Verwaltungsturm (Geb. 47) auf dem Campus ist bezugsfertig.
Juli 1997Regierungsdirektor Stefan Lorenz wird Kanzler der Universität und tritt damit die Nachfolge von Prof. Hermann Fahse an, der sich Ende März in den Ruhestand verabschiedet hatte.
August 1997Universitätspräsident Prof. Dr. Klaus Landfried tritt sein Amt als HRK-Präsidenten an, in das er bereits im Februar gewählt worden war.
Herbst 1997Universität erhält neues Logo.
November 1997Die durch den Weggang von Professor Landfried notwendig gewordenen Neuwahlen kann Prof. Dr.-Ing. Günter Warnecke für sich entscheiden, er tritt sein Amt zum 1.1.1998 an.
1998Universität Kaiserslautern eröffnet Institut für Biotechnologie und Wirkstoff-Forschung (IBWF).

1990 - 1999

Die Grundsteine für eine exzellente Forschung am Standort Kaiserslautern waren bereits in den 70er und 80er Jahren durch strukturelle und personelle Entscheidungen gelegt worden. Trotz der stetig wachsenden Herausforderung der Kapazitätsüberlastungen durch die steigenden Studierendenzahlen, schaffte man es mit verschiedenen Landesprogrammen und Hilfe aus dem Strukturfond, die Ressourcensituation etwas zu entspannen. So konnten sich beispielsweise die mit Landesmitteln eingerichteten Forschungsschwerpunkte weiterhin positiv entwickeln, der Schwerpunkt Biotechnologie mit der Bewilligung erheblicher Mittel der DFG sogar ein Graduiertenkolleg einrichten. Auch die Finanzierung der Sonderforschungsbereiche wurde nach jeweils sehr positiver Begutachtung seitens der DFG verlängert.

Einen besonderen Erfolg konnte der Fachbereich Physik Anfang der 90er Jahre verzeichnen: mit 70.000 DM pro Wissenschaftler und Jahr erreichte er die mit Abstand höchste Förderquote aller physikalischer Fachbereiche in Deutschland.

Von diesen positiven Entwicklungen profitierte der gesamte Standort, denn die der Universität angegliederten Forschungsinstitute erfuhren ebenfalls eine starke Ausweitung. Nach der Einwerbung mehrerer großer Projekte konnte beispielsweise das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) die Zahl der Mitarbeiter auf über 60 steigern. Auch dem Zentrum für Praktische Mathematik, einer gemeinsamen Einrichtung der Universität Kaiserslautern und der Technischen Hochschule Darmstadt, gelang es, durch eine Millionenförderung der Volkswagenstiftung, seine erfolgreiche Arbeit weiter fortzusetzen.

Die Drittmitteleinnahmen stiegen ebenfalls signifikant. Hatte die Universität 1986 noch 17 Millionen DM eingeworben, so waren es 1990 bereits 32,3 Millionen und 1999 rund 51,8 Millionen DM. Diese Entwicklung war zwar erfreulich, schlug sich aber in einer steigenden Inanspruchnahme der personellen und sachlichen Ausstattung der Universität nieder, vor allem in der Verwaltung und den Werkstätten, die nun aufgefangen werden musste.

In den einzelnen Fachbereichen wurde diese positive Entwicklung durch die Einrichtung von Forschungszentren und DFG-Forschungsgruppen sowie in der Bewilligung von Graduiertenkollegs sichtbar. So wurden 1991 ein Graduiertenkolleg „Technomathematik“ und ein Graduiertenkolleg für Laser- und Teilchenspektroskopie bewilligt, ein weiteres vom Fachbereich Chemie mit dem Titel „Phosphorchemie als Bindeglied verschiedener chemischer Disziplinen“ beantragt und 1992 bewilligt. Im selben Jahr entstand ein Zentrum für Laserentwicklung und Laseranwendung unter der Federführung des Fachbereichs Physik in Zusammenarbeit mit Maschinenwesen und Elektrotechnik.

Letztere kooperierten auch bei der Einrichtung eines Zentrums für Mechatronik, das sich vor allem dem Wissenstransfer, aber auch der Forschung und Entwicklung auf diesem modernen interdisziplinären Gebiet der Ingenieurwissenschaften widmete.

Im Jahr 1994 konnte der Fachbereich Informatik einen seiner bis dato größten wissenschaftlichen Erfolge verzeichnen. Die DFG richtete dort erneut einen Sonderforschungsbereich ein, der sich um das Thema „Entwicklung großer Systeme mit generischen Methoden“ kümmern sollte. Konkret bedeutete das die Erforschung neuer softwaretechnologischer Methoden und Verfahren, durch die große und immer komplexere Softwaresysteme mit vorgegebener Qualität und planbaren Kosten entwickelt werden konnten. Neben dem SFB 124 und dem SFB 314 war dies der dritte Sonderforschungsbereich, an dem der Fachbereich Informatik maßgeblich beteiligt war, wobei der zuletzt eingerichtete komplett alleine durch die Kaiserslauterer Forscher getragen wurde. 

1997 wurde das Schwerpunktprogramm „Systemtheoretische Verfahren zu Führungen transeuropäischer Energiesysteme“ des Fachbereichs Elektrotechnik von der DFG genehmigt und setzte ein weiteres Zeichen für die breite Forschungsexzellenz der Universität Kaiserslautern.

Einen Überblick über die Inhalte der Forschungsprojekte, die Themengebiete der Arbeitsgruppen sowie die Kooperationsmöglichkeiten erhielt die Öffentlichkeit ab 1998 über eine eigene Forschungsdatenbank im Internet.

Die sinkenden Studierendenzahlen der letzten Jahre und das steigende Angebot des Arbeitsmarktes machten sich gegen Ende der Dekade in der schwindenden Nachfrage nach Diplomanden- und Doktorandenstellen bemerkbar, die die Universität dringend zur Bearbeitung ihrer laufenden Forschungsprojekte benötigte.


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Zehn Jahre nach Einrichtung der Kontaktstelle für Innovations- und Technologieberatung (KIT) konnten die engagierten Mitarbeiter zu Beginn der 90er Jahre, beispielsweise auch durch die Integration der Informationsvermittlungsstelle (IVS), ihre Aktivitäten weiter ausbauen. Verschiedene Veranstaltungsformate, wie ein Unternehmer-Professoren-Stammtisch, der bereits 1987 eingeführt worden war, setzten in der Wirtschaft und Industrie der Region wichtige Impulse. Hervorzuheben ist, dass viele solcher Formate ohne das persönliche Engagement der beteiligten Mitarbeiter und Professoren, auch außerhalb ihrer Arbeitszeiten, nicht möglich gewesen wäre.

Man hatte sich als Ziel gesetzt, eine Strategie des aktiven Kontaktierens zu verfolgen, um im Wettbewerb mit anderen Hochschulen untereinander die vielfältigen Transferaufgaben bewältigen zu können.

Die KIT verstand sich als Dienstleister und Mittler zwischen den Technologieangeboten der Universität einerseits und den entsprechenden Anfragen der Industrie, der Gebietskörperschaften und der Kommunen andererseits. Hierbei bleib es für die Universität außerordentlich wichtig, transferrelevante Kontakte in die Region zu unterhalten, um das umfassende Angebot der Institute und Fachbereiche transparent machen zu können. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, war es unabdingbar, in größeren Netzwerken zu agieren. So wurde die KIT im Jahr 1996 Partner im grenzüberschreitenden Technologie-Transfer-Projekt Regiotec im Rahmen des INTERREG-II Programmes der EU, dessen Ziel die Intensivierung des grenzüberschreitenden Technologietransfers in der Großregion war. Des Weiteren beteiligte sich die KIT 1998 im Arbeitskreis „Forschung und Entwicklung im Rhein-Neckar-Dreieck“, um die transferrelevanten Kontakte und Kooperationen mit dieser wichtigen Region weiter auszubauen.


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Zu Beginn der 90er Jahre kam es erneut zu einem dramatischen Anstieg der Einschreibungen, die die Universität über ihre Belastungsgrenzen brachte. In der Folge wurde für die stark gefragten Fächer Maschinenbau und Elektrotechnik ein örtlicher Numerus clausus beantragt und schließlich auch genehmigt. Dies führte dazu, dass mehr als die Hälfte der in Kaiserslautern studierbaren Fächer mit örtlichen oder allgemeinen Zulassungsbeschränkungen belegt waren. Doch auch in Fächern wie Chemie, Physik und Bauingenieurwesen, die bisher noch nicht so stark betroffen gewesen waren, wurde man plötzlich mit unerwarteten Zuwächsen konfrontiert, die wiederum personelle und räumliche Engpässe nach sich zogen. Zu wenige Praktikumsplätze und damit verbundene Wartezeiten innerhalb des Studiums waren die Folgen für die Studierenden, denen man dringend begegnen musste.

Trotz der schwierigen Umstände konnte das Lehrangebot weiter ausgebaut werden. 1991 wurden das Brückenfach „Technische Chemie“ sowie der Studiengang „Informatik für das Lehramt an Gymnasien“ eingeführt. Im selben Jahr konnte in Zusammenarbeit zwischen mehreren Fachbereichen der Universität und mit dem Akademischen Lehrkrankenhaus Kaiserslautern ein Lehrangebot in „Medizinischer Physik und Technik“ erarbeitet werden. Im Studium Generale wurde mit einer viersemestrigen Zusatzausbildung in technischen Fremdsprachen begonnen.

Die zwischenzeitliche Entlastung mancher Studiengänge durch die sinkenden Studierendenzahlen ab dem Wintersemester 1992/93 war in den meisten Fällen nur wenig spürbar, erlaubte es der Universität aber, auch durch die Zuweisung von Sondermitteln des Wissenschaftsministeriums, zahlreiche Projekte durchzuführen, die der Verbesserung der Lehre dienten.

So verfolgte man beispielsweise kontinuierlich die Bemühungen, Studierenden durch Reformen der Studiengänge einen Abschluss in der durch die Rahmenprüfungsordnungen festgelegten Regelstudienzeiten zu ermöglichen. Auch die inhaltliche Modernisierung der Lehrpläne mit dem Ziel einer größeren internationalen Vergleichbarkeit von Studiengestaltung und Abschlüssen wurde angegangen.

Erst gegen Ende der Dekade stieg die Zahl von Neu- und Ersteinschreibungen wieder an und stabilisierte sich, was auf die geburtenstarken Jahrgänge sowie auf die Einrichtung neuer Brückenstudiengänge, ein Reagieren auf den Arbeitsstellenmarkt und die kontinuierliche Verbesserung des Lehrangebots zurückzuführen war.


Neue Studiengänge machen Angebot attraktiver

Dem Rückgang der Studierendenzahlen im Laufe der 90er Jahre begegnete die Universität Kaiserslautern unter anderem mit der Einrichtung neuartiger Brückenstudiengänge zwischen verschiedenen Fachbereichen, beispielsweise mit den Studiengängen Technoinformatik und Elektrische Informationstechnik, welche beide ab dem Wintersemester 1993/94 zwischen den Fachbereichen Informatik und Elektrotechnik angesiedelt waren. Außerdem wurde 1994 mit den Vorbereitungen zum Aufbau eines interdisziplinären Studienprogramms (Studium Integrale) begonnen, welches aus verschiedenen Bausteinen bestand. So sollten im Rahmen eines Modellversuchs Studierende verschiedener Fachrichtungen gemeinsam an praxisrelevanten Projekten arbeiten und der Lehrstuhl für Philosophie der Naturwissenschaft und Technik in den Studienbetrieb anderer Fächer integriert werden. Auch das Studium Generale und die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen gehörten zum neuen Programm. 

Zum Wintersemester 1997/98 wurde eine Reihe von neuen modernen Studiengängen installiert, die das Angebot der Universität Kaiserslautern für die Zielgruppe attraktiver machen sollten. Dazu gehörten die Brückenstudiengänge Wirtschaftsingenieurwesen Richtung Informatik, Verfahrens- und Umwelttechnik sowie die Studiengänge Chemie-Wirtschaftsingenieurwesen und Diplom-Wirtschaftschemie. Außerdem wurde erstmals in Deutschland ein Fernstudien-Früheinstieg in das Physikstudium (FiPS) angeboten, an dem gleich zu Beginn 55 Fernstudierende aus der gesamten Bundesrepublik teilnahmen. Ein erster Schritt in Richtung Internationalisierung der Diplomstudiengänge wurde im gleichen Jahr mit der Einführung des englischsprachigen Studienprogramms „Mathematics International“ vollzogen, welches ein Hauptstudium mit obligatorischem Auslandsstudium beinhaltete. Gleichzeitig startete der deutschlandweit erste integrierte deutsch-französische Wirtschaftsingenieur-Studiengang im Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik.

Ein Jahr später kam der Lehramtsstudiengang „Diplomhandelslehrer Technik“ sowie der anwendungsorientierte interdisziplinäre Studiengang Angewandte Informatik, mit den Vertiefungsmöglichkeiten „Betriebliche Informationssysteme“ und „Eingebettete Systeme“ hinzu, außerdem der Studiengang „Master of Science in Electrical Engineering“ als Master-Plus-Programm im Fachbereich Elektrotechnik und der Diplomstudiengang „Umweltverfahrenstechnik“ im Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik.

Im Zuge der Internationalisierung rückten gegen Ende der 90er Jahre erstmals auch internationale Abschlüsse wie Bachelor und Master in den Fokus der Studiengangsplanungen.


Studierendenmarketing wird ausgebaut

Als weitere Maßnahme begann die Universität, ihre Marketingmaßnahmen gegenüber Schülern auszubauen, um sie für ein Studium in Kaiserslautern zu begeistern. Mitte der 90er Jahre verstärkte man dann auch die direkte Ansprache von Schülerinnen, deren Anteil in den technischen Fachbereichen als steigerungsfähig angesehen wurde. Kreative Veranstaltungskonzepte wie der „Tag der Naturwissenschaft und Technik für Schülerinnen“, an dem über 1.000 Schülerinnen und 50 engagierte Lehrkräfte teilnahmen, oder der ebenso stark frequentierte „Tag der Mathematik“ wurden 1996 erstmals durchgeführt. Drei Jahre später waren es bereits mehr als 2.500 Besucherinnen, die für den „Tag der Naturwissenschaft und Technik für Schülerinnen“ auf den Campus der Universität Kaiserslautern kamen – ein Trend, der auch am Anteil der weiblichen Studierenden an der Gesamtstudierendenzahl beobachtet werden konnte. So entwickelten sich die Zahlen von 23,2% im Wintersemester 1996/97 in den folgenden Jahren auf mehr als 27% im Wintersemester 1999/2000.


Fernstudium als weitere Säule des Lehrbetriebs

Mit der Gründung des Zentrums für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung (ZFUW) im Mai 1992 richtete man sich mit dem Studienangebot erstmals an Berufstätige und erschloss sich so eine neue Zielgruppe. Im Zentrum des ZFUW-Angebots standen anfangs Fernstudienprojekte, darunter Fächer wie Medizinische Physik und Technik, Erwachsenenbildung und Total Quality Management und verschiedene wissenschaftliche Weiterbildungen, auch mit Kooperationspartnern sowie Mitarbeiterfortbildungen, die im Laufe der Jahre immer weiter an den Marktbedarfen entwickelt wurden. Die Nutzung neuer Medien in der Lehre und der Ausbau des Tele-Teaching waren ebenfalls Garanten für ein weiteres Wachstum des Fernstudienzentrums. Neben dem Studienangebot etablierten sich am ZFUW im Laufe der Zeit auch einige Forschungsprojekte, die sich auf die Qualitätssicherung in der Weiterbildung und die Didaktik des Erwachsenenlernens im Fernstudium fokussierten.


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Weitere Baumaßnahmen führen zu einer Verdichtung des Campus

Wie sich bereits in den 80er Jahren abgezeichnet hatte, wurde auch in der dritten Dekade nach der Universitätsgründung die Raumnot zum zentralen Thema der Universitätspolitik. Steigende Studierendenzahlen sowie die positiven Entwicklungen in der Forschung ließen den Bedarf nach passenden Räumlichkeiten überproportional steigen und führten die Auslastung von Hörsälen und Seminarräumen an ihre Grenzen.

Nachdem schließlich die politisch Verantwortlichen von der dramatischen Raumsituation vor Ort überzeugt werden konnten, gab es „grünes Licht“ für ein neues Gebäude für Maschinenwesen und Wirtschaftsingenieurwesen, ein neues Verwaltungsgebäude sowie ein Studentenhaus. Diese Baumaßnahmen würden die gesamte Dekade prägen und das Campusgelände weiter verdichten, was zum Wegfall von größeren Parkflächen führte. Der Versuch, entsprechende Ausweichmöglichkeiten auf dem Parkplatz an der Bremerstraße unterhalb des Betzenbergs durch die Einführung eines Park- & Ride-Systems zu schaffen, scheiterte aufgrund mangelnder Akzeptanz 1990.

Parkplatzsituation und Verkehr auf dem Universitätsgelände wurden zum Dauerthema und regten eine Diskussion über ein neues Verkehrskonzept für die Universität mit Beteiligten der Stadt, den für den Busverkehr zuständigen Technischen Werken Kaiserslautern und dem Regionalen Verkehrsverbund an. Eine grundlegende Lösung der Park- und Verkehrsprobleme musste her und so wurde in diesem Rahmen die Einführung eines Studierenden- und Jobtickets, einer Parkraumbewirtschaftung sowie eine auf die Busanbindung abgestimmte Verkehrsplanung und -führung angestrebt.

Die Einführung des Semestertickets für Studierende im Wintersemester 1992/93 und die des Jobtickets für Bedienstete zum 1. Oktober 1994 führten vorübergehend zu einer ersten spürbaren Entspannung des Parkplatzproblems.


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Hier schlägt das technische Herz der Universität

Im Frühjahr 1988 begann der Bau der Technischen Betriebszentrale, die als Gebäude 20 bereits am 8. März 1990 offiziell eingeweiht wurde. In den neuen Räumlichkeiten konnten alle universitären Versorgungsbetriebe, die bisher auf sieben Standorte verteilt waren, unter einem Dach zusammengefasst werden.

Die Aufgabe der Technischen Betriebszentrale, kurz TBZ, bestand in der Betriebsführung der Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen der Universität sowie dem Überwachen und Warten ihrer technischen Ausrüstung. Hierzu gehörten betriebstechnische Anlagen für Wasser, Strom, Gas, Wärme, Kälte oder auch Drucklufterzeugung. Zudem beherbergte sie die neue 20-kW-Stromübergabestation, die Fernmeldeanlagen und die Gebäudeleittechnik. Darüber hinaus zeichnete die TBZ für die Telefonie verantwortlich: Dank einer neuen Fernsprechanlage konnten damals bis zu 3.000 Teilnehmer gleichzeitig telefonieren.

Weiterhin kümmerten sich die Mitarbeiter der TBZ um die haustechnische Instandhaltung, die Wirtschaftsdienste sowie um kleinere Umbauten.

In der Energiezentrale regulieren zwei Mitarbeiter an der Druckhaltung die Wärmeversorgung. Foto: TUK
In der Energiezentrale regulieren zwei Mitarbeiter an der Druckhaltung die Wärmeversorgung. Foto: TUK
Ein Mitarbeiter überprüft die Heißwasser-Kesselanlage in der Energiezentrale. Foto: TUK
Ein Mitarbeiter überprüft die Heißwasser-Kesselanlage in der Energiezentrale. Foto: TUK
Ein Mitarbeiter kontrolliert Temperaturen und Drücke an Verteilerbalken in der Betriebszentrale. Foto: TUK
Ein Mitarbeiter kontrolliert Temperaturen und Drücke an Verteilerbalken in der Betriebszentrale. Foto: TUK
Die Technische Betriebszentrale feierte 1988 Richtfest. Foto: TUK
Die Technische Betriebszentrale feierte 1988 Richtfest. Foto: TUK

Neue Gebäude erweitern die Möglichkeiten für die Fachbereiche Biologie, Bauingenieurwesen und Chemie

Gutes Klima für exotische Pflanzen erhoffte sich der Fachbereich Biologie, der an diesem Tag sein neues Gewächshaus einweihte. Das neue Warm- und Sukkulentenhaus bot Platz für Pflanzen aus den Tropen, Wüstengebieten und anderen Regionen. Zudem konnten Pflanzen zukünftig im Kalthaus überwintern.

Am Südrand des Universitätsgeländes entstand in Gebäude 67 die neue Laborhalle für den Fachbereich Bauingenieurwesen. Neben einer hydraulischen Versuchsanlage für Wasserbau beherbergte die Halle Laborflächen sowie Prüfstände für Grundbau und Erdmechanik.

Hinter dem Chemiegebäude wurde die neue Lagerhalle für Sondermüll gebaut. Hier konnten problematische Abfälle aus verschiedenen Fachbereichen bis zur endgültigen Entsorgung sicher zwischengelagert werden.


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Städtebauliche Akzente direkt an der Trippstadter Straße

Mit der Fertigstellung des Gebäudes 42 wurde die letzte große Baulücke auf dem Universitätsgelände geschlossen und es wurden städtebauliche Akzente gesetzt, die durch die wellenförmige Dachkonstruktion und durch die Hörsaalrundbauten auffallen. Dem Bau vorausgegangen war eine lange Planungsphase, in der die Baupläne oftmals verworfen und erneuert wurden. Auch stand die Finanzierung zunächst auf wackeligen Beinen. Nachdem die Entscheidung aber gefallen war, wurde das Gebäude in nur zwei Jahren Bauzeit fertig gestellt, am 28. September 1993 zur Nutzung übergeben und am 7. Dezember 1994 offiziell eingeweiht.
 
Das neue Gebäude bot auf insgesamt 5.100 Quadratmetern Platz für den Maschinenbau und das Wirtschaftsingenieurwesen. Neben den Bibliotheken der beiden Fachbereiche bot das neue Gebäude auch drei zweckmäßig ausgestattete Hörsäle, mit jeweils 550, 137 und 54 Sitzplätzen und modernstem medientechnischem Equipment. Im größten der drei Hörsäle, dem Audimax, wurde zudem ein Regieraum eingerichtet, von dem die technische Steuerung der Hörsäle sowie des Foyers übernommen werden kann.

Mit der Inbetriebnahme des Hörsaalgebäudes ging gleichzeitig ein Pilotprojekt in Betrieb: Eine Regenwassernutzungsanlage sammelte das Regenwasser vom Dach des Fachbereichsgebäudes, filterte die Schmutzteile aus und versorgte alle Toiletten im Gebäude, was den Frischwasserverbrauch an dieser Stelle erheblich reduzierte.

Die Baukosten beliefen sich auf rund 40 Millionen DM. Das Gebäude besticht durch sein Glasdach über dem Foyer sowie seine Glasfassaden an den Bibliotheken und dem Treppenhaus, die für eine lichtdurchflutete Atmosphäre im Inneren sorgen.

Gebäude 42 befindet sich direkt gegenüber der Mensa. Foto: TUK
Gebäude 42 befindet sich direkt gegenüber der Mensa. Foto: TUK
Der Bau 42 besitzt viele große Glaselemente, wie zum Beispiel über dem Foyer, die das Tageslicht hineinlassen. Foto: TUK
Der Bau 42 besitzt viele große Glaselemente, wie zum Beispiel über dem Foyer, die das Tageslicht hineinlassen. Foto: TUK
Von der Terrasse hat man einen guten Ausblick auf den Campus. Foto: Simone Wagner
Von der Terrasse hat man einen guten Ausblick auf den Campus. Foto: Simone Wagner

420 Tonnen Stahl für eine runde Verwaltungslösung

Das Wachstum der Universität in Forschung und Lehre ging auch mit einem stetig steigenden Aufwand in den Verwaltungsvorgängen einher. Dazu benötigte man ausreichend Personal und dafür wiederum genügend Platz. In den 90er Jahren waren die Verwaltungsangestellten schließlich an sieben verschiedenen Standorten verteilt, die teilweise bis zu einem Kilometer auseinanderlagen - eine große Herausforderung für die interne Kommunikation und reibungslose Prozesse.

Nach sieben Jahren Überzeugungsarbeit seitens der Universität fiel schließlich die Entscheidung für einen eigenen Verwaltungsbau, der auf 4.728 Quadratmetern alle Verantwortlichen und Prozesse unter einem Dach beherbergen sollte.

Nach nur insgesamt 15-monatiger Bauzeit feierte die „Dose“, wie der runde 12-stöckige Verwaltungsturm auch liebevoll genannt wird, Richtfest. Die offizielle Einweihung wurde am 5. Juni 1997 gefeiert.

Einmalig war zu diesem Zeitpunkt das landesweite Modell der Finanzierung auf Mietbasis. Da private Gelder zur Bauzeit günstiger als Bankkredite waren, wurden die Baukosten von rund 14 Millionen DM zu 95% über zwei private Kaiserslauterer Investoren und zu 5% über eine Mainzer Baufirma finanziert. Das Land schloss mit den Investoren einen Mietvertrag über 20 Jahre, um der Universitätsverwaltung ihren Platz in Bau 47 langfristig zu sichern.

Der damalige Wissenschaftsminister Prof. Dr. Jürgen Zöllner freute sich über eine solche alternative Finanzierungslösung, die er zwar als zukunftsweisend, aber nicht als ideal empfand. Dennoch begrüßte er eine damals verabschiedete Novelle des Hochschulbauförderungsgesetzes von Bund und Ländern, welche alternativen Planungs- und Finanzierungsverfahren Tür und Tor öffnete und es den jeweiligen Bauherren ermöglichte, Baumaßnahmen in der jeweilig wirtschaftlichsten Form zu realisieren.

Der fertiggestellte Turm wurde schnell zu einem der prägnantesten Wahrzeichen auf dem Universitätscampus und war selbst von der Autobahn A6 aus zu sehen.
Als i-Tüpfelchen wurde am 11. Januar 2014 schließlich das Logosymbol der TU Kaiserslautern, das „Tor der Wissenschaft“, als acht Meter hohes, sieben Meter breites und sechs Tonnen schweres Leuchtzeichen auf dem Dach des Gebäudes installiert.


Professor Dr.-Ing. Günter Warnecke, Präsident von 1997 – 2002

Professor Dr.-Ing. Günter Warnecke, Jahrgang 1937, studierte Maschinenbau an der Technischen Hochschule Hannover und promovierte dort in der Fachrichtung Fertigungstechnik. Nach seiner Promotion 1973 über die „Mikrogeometrie der Spanbildung bei metallischen Werkstoffen“ arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und später als Oberingenieur am Lehrstuhl und Institut für Fertigungstechnik der Technischen Hochschule Hannover, wo er die Abteilung „Technologie und Fertigungsverfahren“ leitete. Danach wechselte er in die Industrie und arbeitete dort in einigen leitenden Positionen.

1980 wurde er an die Universität Kaiserslautern als Professor für Fertigungstechnik und Betriebsorganisation an den Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik (früher Maschinenwesen) berufen. Hier baute Warnecke die neue Studienrichtung Fertigungstechnik und Betriebsorganisation auf.

Nach zwei Amtsperioden als Vizepräsident für Bau- und Raumangelegenheiten von 1988 bis 1994 widmete er sich wieder seinem Forschungsbereich, bevor er Ende 1997, nach notwendig gewordenen Neuwahlen, die Nachfolge von Prof. Dr. Klaus Landfried als Präsident der Universität Kaiserslautern antrat. Er blieb im Amt, bis 2002 Prof. Dr. Helmut J. Schmidt zu seinem Nachfolger gewählt wurde.

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