Jubiläum 2020

2000 - 2009

Steigende Studierendenzahlen und neue Forschungsprofile prägen den Weg in ein neues Jahrtausend

Der Beginn des Jahrtausends führte auch bei der Universität Kaiserslautern zu Neuerungen. Wie andere Hochschulen in Deutschland war sie in den ersten Jahren mit der Bologna-Reform und der Umstellung der Diplom- und Magister-Studiengänge auf das Bachelor- und Mastersystem beschäftigt. Um ihr naturwissenschaftlich-technisches Profil nach außen stärker zum Ausdruck zu bringen, nannte sie sich im September 2003 in Technische Universität Kaiserslautern (TUK) um. Damit wurde auch nach außen deutlich, dass sich in Kaiserslautern die einzige Universität mit technisch-naturwissenschaftlichem Schwerpunkt in Rheinland-Pfalz befand. Auch neue Forschungsschwerpunkte, die das Land förderte, sollten dabei einen Beitrag leisten. In diesem Rahmen entstanden unter anderem neue Forschungseinrichtungen wie das Landesforschungszentrum Optik und Materialwissenschaften und das Zentrum für Nutzfahrzeugtechnologie.

Bereits zu Beginn des Jahrzehnts setzte die Universität auf eine digitale Verwaltung: 2002 wurde das campusweite Kommunikations- und Informations-System (KIS) eingeführt. Es bietet ein aktuelles Vorlesungsverzeichnis und ermöglicht es, Hörsäle dezentral zu verwalten. Studierende können damit zudem ihren Stundenplan zusammenstellen. Mit anfangs 140.000 Zugriffen pro Woche stieß die neue Technik schnell auf Anklang auf dem Campus.

Die Anzahl der Studierenden entwickelte sich zunächst moderat, ab dem Wintersemester 2004/05 war aber ein deutlicher Anstieg zu verbuchen. Die doppelten Abiturjahrgänge zeigten ihre Auswirkungen: Im Wintersemester 2009/10 waren 12.150 Studierende eingeschrieben, im Wintersemester 2000/01 waren es noch 8.521. Um die steigenden Zahl von Studienanfängern aufzunehmen, erhielt die Universität ab 2007 Gelder aus dem Hochschulpakt von Bund und Ländern. Doch die vereinbarten Mittel deckten schon bald nicht mehr die Kosten. Dahingegen blieb die Zahl der Beschäftigten (2001: 1.226; 2009: 1.123) weitestgehend konstant.

Das Jahrzehnt prägten zudem neue Kooperationen: Die TU Kaiserslautern wurde Gründungsmitglied der Science Alliance Kaiserslautern (heute Science and Innovation Alliance Kaiserslautern, SIAK), einem regionalen Netzwerk, das Wissenschaft und Wirtschaft näher zusammenbringen sollte. Auch jenseits der Grenze engagierte sie sich: 2008 wurde sie strategischer Partner in der Universität der Großregion, in der Hochschulen aus Frankreich, Luxemburg, Belgien und Deutschland eng zusammenarbeiten, um eine grenzüberschreitende Hochschullandschaft zu schaffen.

Um mehr Entwicklungen aus der Forschung in die Anwendung und mehr Unternehmer- und Pioniergeist in die Köpfe auf dem Campus zu bringen, richtete die TU Kaiserslautern gemeinsam mit der Hochschule Kaiserslautern im Januar 2009 das Gründungsbüro ein.

War die Entwicklung der Universität in den vergangenen Jahrzehnten oftmals von großen baulichen Veränderungen geprägt, standen zu Beginn des neuen Jahrtausends andere Themen im Fokus. Die Universität arbeitete weiter daran, die Schärfung ihres Forschungsprofils voranzubringen und das Studienangebot auszubauen, um u.a. die nationale und internationale Sichtbarkeit zu erhöhen. Dabei sah sie sich oftmals mit klammen Kassen konfrontiert, meisterte aber dennoch ihren Weg.

2002 trat Universitätspräsident Prof. Dr. Helmut J. Schmidt sein Amt an. Er hat die Geschicke der Hochschule weit über das Jahrzehnt hinaus geleitet und hat der TUK entscheidende Impulse für ihr heutiges modernes Profil mitgegeben.

Das alte Logo der Universität.

Das neue Logo der Universität.

Zeittafel wichtiger Ereignisse

2002 – heuteAmtsantritt von Präsident Prof. Dr. Helmut J. Schmidt, Ablösung von Prof. Dr. Günter Warnecke als Präsident (1998–2002)
2003Universität legt eine Allgemeine Bachelorprüfungsordnung für die Umstellung der Studiengänge auf das Bachelor-Mastersystem vor.
Juni 2003Land und Universität unterzeichnen Zielvereinbarung für Forschungsförderung, neue Schwerpunkte nehmen Arbeit auf.
September 2003Universität Kaiserslautern nennt sich in Technische Universität Kaiserslautern um.
2007TU Kaiserslautern an neuem Sonderforschungsbereich beteiligt
März 2007TU Kaiserslautern wird Mitglied des neuen Netzwerks „Science Alliance Kaiserslautern e.V.“.
November 2007

TU Kaiserslautern wird vom Deutschen Hochschulsportverband ADH für ihre beispielhafte Entwicklung des Allgemeinen Hochschulsports zur Hochschule des Jahres ausgezeichnet.

Oktober 2008Hochschulen der aus Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg schließen sich im Netzwerk „Universität der Großregion“ zusammen.
Januar 2009TU Kaiserslautern und Hochschule Kaiserslautern richten gemeinsames Gründungsbüro ein.
Oktober 2009TU Kaiserslautern gewinnt Wettbewerb „Exzellenz in der Lehre“.

2000 - 2009

Ende 2002 waren die bislang sieben geförderten Forschungsschwerpunkte ausgelaufen. In einer Sitzung am 28. Januar 2003 entschied sich der Forschungsbeirat der Universität für neue Projekte. Vorausgegangen war zuvor die Konzeption neuer Schwerpunkte durch eine Struktur- und Entwicklungskommission des Senats. Im Sommer vereinbarte das rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerium mit der Universität im Rahmen eines Pilotprojektes die langfristige und strategische Förderung wichtiger Forschungskompetenzen. Am 18. Juni unterzeichneten Universitätspräsident Prof. Dr. Helmut J. Schmidt und Wissenschaftsminister Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner eine entsprechende Zielvereinbarung. In sechs Schwerpunkten sollten Arbeitsgruppen aus verschiedenen Fachbereichen zukünftig interdisziplinär gemeinsam forschen (siehe S. 112-113).

Kooperationen zwischen den Fachbereichen wurden auch in einem neuen Forschungszentrum groß geschrieben, das 2003 ebenfalls seine Arbeit aufnahm: Im Zentrum für Nanostrukturtechnologie und Molekularbiologische Technologie, kurz Nano+Bio Center (NBC), arbeiteten Forschergruppen aus Biologie, Physik und anderen Fachbereichen interdisziplinär zusammen. Dabei kamen unter anderem modernste Strukturierungs- und Analysemethoden zum Einsatz, um biologische und nicht-biologische Nanostrukturen herzustellen und zu untersuchen. Benötigt wurden diese beispielsweise in Lasertechnik, Optoelektronik und Magnetoelektronik. Das Land Rheinland-Pfalz und die Europäische Union stellten dazu insgesamt 5,4 Mio. Euro zur Verfügung. Offiziell eröffnet wurde das Zentrum im Rahmen einer Feierstunde am 25. Mai 2004. Das Zentrum wurde 2012 in NanoStructuringCenter (NSC) umbenannt.

Aber auch national setzte die Universität in der Forschung Akzente: Ab 2007 war sie am Transregio-Sonderforschungsbereich 49 (SFB/Transregio 49) „Systeme kondensierter Materie mit variablen Vielteilchenwechselwirkungen“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beteiligt. Sprecheruniversität war dabei die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Im Fokus standen Quantenoptik, Festkörperphysik und Chemie. Im SFB war auch das erste integrierte Graduiertenkolleg eingebunden, um Doktorandinnen und Doktoranden eine noch bessere Weiterqualifizierung zu bieten. Bereits seit 1999 bestand die Kooperation mit Homburger Forscherkollegen im SFB 530 „Räumlich-zeitliche Interaktionen zellulärer Signalmoleküle“, bei dem die Universität des Saarlandes die Federführung innehatte. Darüber hinaus waren Kaiserslauterer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Forschungsgruppen, Schwerpunktprogrammen (SPP) und anderen Projekten der DFG beteiligt, zudem wurden sie von Bundesministerien und anderen Einrichtungen gefördert. Dazu zählten beispielsweise das SPP „Die Bedeutung der Neuroglia für die Bildung, Funktion und Plastizität von Synapsen“ (ab 2004) und die DFG-Forschergruppe 559 „Materialien mit hoher Spinpolarisation“.

Dass sich die Schärfung des Forschungsprofils durchaus lohnte, zeigte der Anstieg der Drittmittel zum Ende des Jahrzehnts, wo sie bei 35,4 Millionen Euro lagen (2009), im Vergleich zu 55,7 Millionen DM im Jahr 2000. Um ihr naturwissenschaftlich-technisches Profil stärker in der Außenwahrnehmung sichtbar zu machen, nannte sich die Universität 2003 in Technische Universität Kaiserslautern um.

Den Grundstein für die weitere Profilierung in der Forschung im nachfolgenden Jahrzehnt legte 2008 die Forschungsinitiative Rheinland-Pfalz. Hierbei sollte der Vernetzung der Natur- mit den Ingenieurwissenschaften sowie den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften eine stärkere Bedeutung beigemessen werden (siehe S. 114-117). Mit ihrem Antrag bei der ersten Runde der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern 2006 war die TU Kaiserslautern nicht erfolgreich. Allerdings war der Fachbereich Physik ab 2007 an der Graduiertenschule „Materials Sciences in Mainz“ (MAINZ) beteiligt, die in diesem Rahmen ins Leben gerufen wurde.

Auf europäischer Ebene wurden 2006 zwei Netzwerke der Physik-Professoren Prof. Dr. Klaas Bergmann und Prof. Dr. Burkard Hillebrands mit sieben Millionen Euro im Rahmen des Programms „Marie Curie Research Training Network“ der Europäischen Union (EU) gefördert. Weiterhin war die TU Kaiserlautern bei verschiedenen EU-Projekten beteiligt, etwa bei „Highly Adaptable and Trustworthy Software using Formal Methods“.


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Um den Anteil von Frauen bei den Professuren zu erhöhen, legten Bund und Länder 2007 das Professorinnen-Programm auf. Auch die TU Kaiserslautern beteiligte sich in den folgenden Jahren daran. Schon früh hatte sie sich außerdem die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf die Fahnen geschrieben. Sie beteiligte sich 2001 als einzige rheinland-pfälzische Hochschule an einem bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb zur Einrichtung von Juniorprofessuren. Insgesamt erhielt sie den Zuschlag für 24 Juniorprofessuren in neun Fachbereichen. Das Bundesforschungsministerium stellte dazu 3,3 Millionen Euro zur Verfügung.

In verschiedenen Graduiertenprogrammen wurde darüber hinaus der wissenschaftliche Nachwuchs strukturiert ausgebildet. Auch hier wies die TU Kaiserslautern zahlreiche Erfolge vor: 2001 nahm zum Beispiel das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Graduiertenkolleg „Mathematik und Praxis“ seine Arbeit auf. Im Oktober 2002 starteten zwei weitere Kollegs: „Ingenieurmaterialien auf verschiedenen Skalen: Experiment, Modellierung und Simulation“ und „Nichtlineare Optik und Ultrakurzzeitphysik“. Gemeinsam mit der Universität des Saarlandes bot die Technische Universität Kaiserslautern ab 2003 das Graduiertenkolleg „Molekulare, Physiologische und Pharmakologische Analyse von zellulären Membrantransport“ an. International aufgestellt war das Graduiertenkolleg „Visualization of Large and Unstructured Data Sets: Applications in Geospatial Planning, Modelling and Engineering“ (ab 2005). Bundesweit war es das erste, bei dem Hochschulpartner aus dem Ausland beteiligt waren, in diesem Fall die University of California, die University of Utah und die Arizona State University. Koordiniert wurde es von dem Kaiserslauterer Informatik-Professor Dr. Hans Hagen. Es ging darum, große unstrukturierte Datenmengen zu visualisieren, wie sie beispielsweise Satellitenbilder oder Seismografen liefern.


Des Weiteren fördert die TU Kaiserslautern seit 2008 ihre Doktorandinnen und Doktoranden im Nachwuchsring. Er ist im Rahmen der Forschungsinitiative im Forschungszentrum Center for Mathematical and Computational Modelling gegründet und entwickelt worden. Finanziell unterstützt wurde er über vier Jahre von der Carl-Zeiss-Stiftung. Mit seinen Workshops und Seminaren bietet er Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern die Möglichkeit, sich sowohl zusätzliche fachspezifische Kompetenzen als auch „weichen“ Fähigkeiten anzueignen, die später im beruflichen Kontext für den persönlichen Erfolg relevant werden können.

Um beim Forschungstransfer zu helfen, neue Entwicklungen und Technologien der Hochschulen in die Wirtschaft zu tragen und den Unternehmergeist stärker zu etablieren, richtete die TU Kaiserslautern gemeinsam mit der Hochschule Kaiserslautern im Januar 2009 das Gründungsbüro ein. Mit seinen zwei Standorten dient es als zentrale Anlaufstelle für alle Gründungsinteressierten der beiden Hochschulen sowie der Forschungsinstitute im Umfeld.

Auch das Forschungsumfeld entwickelte sich in der vierten Dekade des neuen Jahrtausends weiter: Mit Partnern aus Industrie und Forschung gründete die TU Kaiserslautern die intelligente Fabrik der Zukunft. Am 10. Juni 2005 wurde die Technologie-Initiative SmartFactory KL e.V. als gemeinnütziger Verein ins Leben gerufen, mit dem Ziel, Akteure aus Industrie und Forschung in einem Industrie 4.0-Netzwerk zusammenzubringen, um gemeinschaftlich Projekte zur Fabrik der Zukunft umzusetzen. Beteiligt waren als Gründungsmitglieder neben der TU Kaiserslautern und dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) der Chemiekonzern BASF und die Technikunternehmen KSB, Pepperl+Fuchs, ProMinent sowie Siemens. In der Smart Factory, die ihren Sitz am DFKI in Kaiserslautern hat, stehen Industrie 4.0.-Anlagen und weitere Pilotanlagen, mit denen die Ingenieure ihre Technik weiterentwickeln und Produktionsabläufe smarter machen können. Zwei Jahre später, im März 2007, gründete sich die Science Alliance Kaiserslautern. Sie ist ein Netzwerk für digitale Transformation, Zukunftsinnovationen und interdisziplinäre Spitzenforschung. Über ihre Mitglieder aus Wissenschaft (Hochschulen und Forschungsinstitute) und Wirtschaft, insbesondere aus dem Mittelstand, ist sie regional verankert.


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  • Ambient Intelligence
    Mit neuen, smarten Technologien, die den Alltag erleichtern sollen, befasste sich der Forschungsschwerpunkt. Beteiligt waren die Fachbereiche Elektrotechnik und Informationstechnik, Informatik, Maschinenbau und Verfahrenstechnik, Mathematik sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.
  • Innovativer Leichtbau
    Neuartige Leichtbautechnologien standen im Fokus. In den Bereichen Konstruktion, Leichtbauwerkstoffe und Modellierung arbeiteten Ingenieur- und Naturwissenschaftler eng zusammen.
  • Materialien für Mikro- und Nanosysteme
    In diesem Schwerpunkt ging es um materialwissenschaftliche Aspekte auf der Mikro- und Nanometerskala. Dabei arbeitete der Fachbereich Physik eng mit Maschinenbau und Verfahrenstechnik zusammen. Im Fokus standen sowohl die Grundlagenforschung, die Charakterisierung der Materialien als auch unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten.
  • Mathematik und Praxis
    Der Fachbereich Mathematik entwickelte Methoden, um technische, organisatorische und naturwissenschaftliche Prozesse zu simulieren, kontrollieren und optimieren. Die Arbeitsgruppen der Mathematik kooperierten dabei eng mit Forschungsinstituten und Firmen aus ganz Europa.
  • Optische Technologien und lasergesteuerte Prozesse
    Wissenschaftler aus den Fachbereichen Chemie und Physik arbeiteten in diesem Schwerpunkt zusammen. Die Forscherteams befassten sich mit modernen optischen Technologien, Quantenoptik und lasergestützter Grundlagenforschung sowie Biophotonik.
  • Wirkstoffe für die Zukunft
    Neue molekularbiologische, synthetische und verfahrenstechnische Methoden sollten helfen, Naturstoffe aus Pflanzen und Mikroorganismen besser zugänglich zu machen.

Forschungsschwerpunkte ab 2008

Das Zentrum wurde im Juni 2008 von den sechs Fachbereichen ARUBI (Architektur, Raum- und Umweltplanung, Bauingenieurwesen), Biologie, Elektrotechnik und Informationstechnik, Informatik, Maschinenbau und Verfahrenstechnik sowie Mathematik gegründet. Fachübergreifend und interdisziplinär forschten Teams hier an Anwendungen, bei denen mathematische Modelle notwendig sind. Das waren beispielsweise Finanzmärkte, bildgebende Verfahren in der Medizin, Materialprüfung oder die Planung von Verkehrsströmen.

Hierin arbeiteten Forschergruppen aus Chemie, Maschinenbau und Verfahrenstechnik sowie Physik eng zusammen, um Grundlagen in die Anwendung zu überführen. Die Forschung war an der Schnittstelle von Licht, Spin und Materie angesiedelt. Es ging unter anderem um Spintronik, Photonik, Plasmonik, Metamaterialien, Bose-Einstein-Kondensate und optische Schalter.

Der Schwerpunkt widmete sich den Forschungsarbeiten zu hoch- und höchstfesten Stählen, Leichtmetalllegierungen, Hybridwerkstoffen, Filtermaterialien und Materialien in Partikelform. Es ging unter anderem um neuartige Leichtbaulösungen, neue Beschichtungen und Nanopartikel für die Arzneimittelproduktion. Die Entwicklungen waren insbesondere für die Automobil-und Flugzeugindustrie sowie Bio- und Medizintechnik von Bedeutung. Dabei standen Leichtbaulösungen in der Verfahrenstechnik und im Maschinenbau im Vordergrund des Interesses.

Hier standen vernetzte eingebettete Systeme im Mittelpunkt, die Aufgaben autonom lösen. Dabei handelte es sich um Minicomputer, die drahtlos mit ihrer Umgebung kommunizieren. Mithilfe von Sensornetzwerken sind sie in der Lage, ihre Umgebung zu beobachten und zu interpretieren. Die Forschung konzentrierte sich auf Hardware-Plattformen, Regelung, Kommunikation und Software-Architektur. Teams aus Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik, Bauingenieurwesen sowie Sozialwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften arbeiteten hierbei interdisziplinär zusammen.

In diesem Schwerpunkt ging es um Proteine und deren Funktion beim Transport von Ionen, Stoffwechselprodukten und Proteinen über verschiedene Membranen der Zelle. Dabei forschten 15 Arbeitsgruppen aus Biologie und Physik interdisziplinär zusammen.

Die Forscherteams entwickelten und charakterisierten neuartige, nanostrukturierte Katalysatoren und analysierten ihre Wirksamkeit. Zudem bestimmten sie ihre charakteristische Wirksamkeit und untersuchten technisch relevante Anwendungen. Beteiligt waren Arbeitsgruppen aus Chemie, Physik sowie Maschinenbau und Verfahrenstechnik.

Nachhaltige Bauwirtschaft stand im Mittelpunkt des Schwerpunktes. Teams aus den Fachrichtungen Wirtschaftswissenschaften, Raum- und Umweltplanung, Bauingenieurwesen und Architektur legten bei ihrer Arbeit den Fokus auf die Schonung von Ressourcen wie Bodenschätze, Land, Wasser, Luft und Energie, aber auch Gesundheit, Arbeitskraft und intellektuelle Potentiale.

Hier ging es um raumstrukturelle Entwicklungen. Arbeitsgruppen aus Raum- und Umweltplanung, Wirtschaft- und Sozialgeographie, Soziologie, Geodäsie, Landespflege, Architektur und Philosophie befassten sich mit Handlungsansätzen und Konzepten der Raumentwicklung. Das betraf die internationale, nationale, regionale, aber auch kommunale Ebene. Neben der Grundlagenforschung ging es um den Transfer der Forschungsergebnisse in Praxis und Politik.

Forscherteams aus Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Maschinenbau und Verfahrenstechnik arbeiteten interdisziplinär zusammen. Im Fokus standen Technologien, die bei Nutzfahrzeugen Verwendung finden sollten. Das ZNT kooperierte zudem mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, dem Institut für Oberflächen- und Schichtanalytik, dem Institut für Verbundwerkstoffe, dem Institut für Technik und Arbeit, dem Centrum für Produktionstechnik Kaiserslautern sowie den Fraunhofer-Instituten für Experimentelles Software Engineering und für Techno- und Wirtschaftsmathematik.

Umstellung der Studiengänge und gelebte Interdisziplinarität

Mit der Bologna-Reform, die im Juni 1999 von Vertretern aus 30 Staaten an der italienischen Universität in Bologna unterzeichnet worden war, wurde auch in Deutschland in den darauffolgenden Jahren das Studiensystem von Diplom- oder Magister- auf Bachelor- und Master-Abschluss umgestellt. Damit sollte international eine bessere Vergleichbarkeit erzielt und die Mobilität der Studierenden verbessert werden. Auch in Kaiserslautern verfolgte man schrittweise die Umstellung der Studiengänge, wie etwa im Bachelorstudiengang Biologie im März 2007. Zunächst mussten allerdings die Prüfungsordnungen in den einzelnen Studiengängen überarbeitet und angepasst werden. Eine Arbeitsgruppe, die zur Aufgabe hatte, die Prüfungsordnungen zu vereinheitlichen, verabschiedete 2003 eine allgemeine Diplomprüfungsordnung sowie eine Allgemeine Bachelorprüfungsordnung, die sie dem Wissenschaftsministerium des Landes zur Prüfung vorlegte. Neben Bachelor- und Masterstudiengängen sollte es in verschiedenen Fächern weiterhin Diplomstudiengänge geben wie zum Beispiel Architektur. Dabei hatten es die Fachbereiche selbst in der Verantwortung, zu entscheiden, bis wann sie die Umstellung auf das neue System vornehmen würden.

Zu Beginn des neuen Jahrzehnts war die Universität darüber hinaus bestrebt, ihr Studienangebot kontinuierlich attraktiver zu gestalten. So führte sie beispielsweise 2001 den deutsch-französischen Studiengang „Maschinenbau und Verfahrenstechnik“ ein, bei dem sie mit der École Nationale d'Ingénieurs de Metz (ENIM) zusammenarbeitete. In den kommenden Jahren folgten weitere Kooperationen mit dem Nachbarland.

Ab Oktober 2008 kooperierte die TU Kaiserslautern außerdem grenzüberschreitend mit einem Netzwerk von Hochschulen in Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Belgien: Die Europäische Union förderte im Rahmen des Interreg-Programms das Projekt „Universität der Großregion“ (UniGR) der Universitäten Saarbrücken, Lüttich, Luxemburg, Nancy und Metz. Die Projektkoordination (2008-2013) lag bei der Universität des Saarlandes. Die UniGR hatte sich zum Ziel gesetzt, in der Grenzregion einen gemeinsamen Hochschulraum zu schaffen, in dem die Mobilität der Studierenden zwischen den Universitäten sowie grenzüberschreitende Abschlüsse ermöglicht werden sollten. Es ging aber auch darum, Forschungsprojekte grenzüberschreitend zu vernetzen.

Im Wintersemester 2008/2009 war erstmals der internationale Masterstudiengang „Commercial Vehicle Technology“ im Studienangebot. Mit der Einführung des interdisziplinären Studiengangs zur Nutzfahrzeugtechnologie sollte eine Brücke zwischen Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik geschlagen werden. Damit setzte die TU Kaiserslautern ihren Weg fort, das interdisziplinäre Fächerspektrum auszubauen. 2003 wurden bereits Biophysik und Betriebswirtschaftslehre mit technischer Qualifikation eingeführt. Ab 2007 waren die Studiengänge Facility Management und Integrative Sozialwissenschaften neu im Programm. Die EU bewilligte im September 2009 die Förderung des internationalen Erasmus Mundus-Masterstudiengangs „European Master in Embedded Computing Systems“ (EMECS), der in Kaiserslautern von Prof. Dr. Wolfgang Kunz koordiniert wird. Die Universität arbeitete dazu eng zusammen mit ihren Partneruniversitäten im norwegischen Trondheim und dem englischen Southampton. Im Fokus stehen eingebettete Systeme. Hierbei handelt es sich um kleine Computer, die dafür sorgen, dass die Technik, in denen sie verbaut sind, reibungslos läuft. Sie findet sich etwa in Autos, Herzschrittmachern oder Smart Homes. Weitere internationale Studiengänge wie etwa „Mathematics International“ oder „Electrical Enineering“ sollten die Internationalisierung in der Lehre vorantreiben.

Auch das Angebot der Fernstudiengänge entwickelte sich kontinuierlich weiter, zum Beispiel nahm das Zentrum für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung (ZFUW) ab 2004 „Personalentwicklung“ und „Schulmanagement“ in sein Programm auf.

Mit ihrem Studienangebot punktete die Universität außerdem regelmäßig bei nationalen Hochschulvergleichen: Beim Vergleich des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) belegten etwa Mathematik und Informatik 2006 Spitzenplätze. Damit bescheinigte das Ranking der TU Kaiserslautern hervorragende Studienbedingungen.

Nur ein Jahr später, 2007, bestätigte ein Vergleich des Wirtschaftsmagazins „WirtschaftsWoche“ der Universität die hohe Qualität im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit einer Platzierung auf dem sechsten Platz und damit in den Top Ten deutscher Universitäten.

Im Oktober 2009 verbuchte die TU Kaiserslautern einen weiteren Erfolg: Mit ihrem zukunftsweisenden Lehrkonzept behauptete sie sich im Wettbewerb des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft und der Kultusministerkonferenz. Zusammen mit fünf anderen Universitäten wurde sie zum Sieger gekürt und erhielt eine Millionen Euro, um ihre Projekte in der Lehre umzusetzen. Dabei ging es der TU Kaiserslautern vor allem darum, die Studierenden als Partner zu sehen und sie stärker einzubinden, etwa mit dem Projekt „Kontaktstudierende“ in der Mathematik, dem Mentoren-Projekt in der Informatik, mit „Deutsch im Labor“ des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik und dem „IDEE“-Projekt (Integrated Design, Engineering, Education) aus Maschinenbau und Verfahrenstechnik.

Klamme Kassen und volle Hörsäle

Im Mai 2002 trat der neu gewählte Präsident Prof. Dr. Helmut J. Schmidt sein Amt und damit die Nachfolge von Prof. Dr. Günter Warnecke an. Der Beginn seiner Amtszeit war zunächst durch die Debatte um ein neues rheinland-pfälzisches Hochschulgesetz geprägt, das im September 2003 in Kraft trat und auch die Umbenennung der Universität in Technische Universität beinhaltete. Dem neuen Präsidenten kam dabei die Aufgabe zu, die Interessen seiner Universität miteinfließen zu lassen. Für seine Amtszeit nahm Schmidt sich unter anderem vor, die Internationalisierung voranzutreiben und die Zahl von 10.000 Studierenden zu erreichen und konstant zu halten. Bereits zum Wintersemester 2006/2007 war dieses Ziel erreicht: Die TU Kaiserslautern begrüßte 10.142 Studierende auf dem Campus. Dabei standen nicht nur bei den Präsenzstudiengängen die Zeichen auf Wachstum, sondern auch bei den Fernstudiengängen: Das ZFUW verzeichnete zum Beispiel 2009 im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Anstieg von 15% auf 3.172 Studierende. Hinzu kam, dass das Studienangebot der TU Kaiserslautern für ausländische Studierende immer attraktiver wurde: 2009 waren 1.628 Menschen aus dem Ausland auf dem Campus eingeschrieben. Das entsprach 14,4% der Studierenden und war eine Steigerung von 11% gegenüber dem Wintersemester 1999/2000. Ab 2004 kümmerte sich die „International School for Graduate Studies“ (ISGS) um die Belange der ausländischen Studierenden und Doktoranden. 



Bereits Anfang 2004 sorgte die Bundesregierung mit ihrer Idee „Brain up! Deutschland sucht seine Spitzenuniversität“ für viel Unmut in der Hochschullandschaft, sahen sich doch viele der Bildungseinrichtungen mit einschneidenden Sparmaßnahmen konfrontiert. Angesichts knapper Kassen ging es auch an der TU Kaiserslautern um einen Einstellungsstopp. Im akademischen Mittelbau fehlte Personal, was teilweise auch in der Lehre zu spüren war. Mit einem Protestzug zur Landeshochschulpräsidentenkonferenz an der Fachhochschule Kaiserslautern unter Führung von Präsident Schmidt am 18. Februar 2004 wollte die Universität geschlossen ein Zeichen setzen, um Öffentlichkeit und Politik auf die prekäre finanzielle Situation des Personalhaushalts hinzuweisen. Die Einbeziehung aller Beteiligten – von den Beschäftigten bis zu den Studierenden – war Schmidt im Laufe seiner Amtszeit immer wichtig. So nahm die Studierendenschaft der TU Kaiserslautern auch nicht am deutschlandweiten Bildungsstreik 2009 teil. Sie pochte aber auf Änderungen. Landauf, landab waren die jungen Menschen unzufrieden mit den Folgen der Bologna-Reform und mit der Einführung der Studiengebühren. In Rheinland-Pfalz fielen diese Kosten allerdings erst an, wenn die Regelstudienzeit überschritten wurde. Hier positionierten sich Hochschulleitung und Senat aber kritisch gegenüber den Plänen der Landesregierung, die vorsahen, dass Studierende ein Guthaben vom 1,75-Fachen der Regelstudienzeit erhalten. Überschritten sie diese zeitliche Grenze, wurden Gebühren fällig. In Kaiserslautern wies man darauf hin, dass dies die soziale Situation vieler junger Menschen nicht ausreichend berücksichtigte. Die Hochschulleitung in Kaiserslautern suchte im Vorfeld der deutschlandweiten Proteste das Gespräch mit den Studierenden, um gemeinsam nach Lösungen für die entstehenden Probleme zu suchen.



Für die Mitte und das Ende der 2000er Jahre, aber auch für das darauffolgende Jahrzehnt prognostizierten Experten für Deutschland aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge einen deutlichen Anstieg der Studienanfänger. Daher unterzeichneten Bund und Länder im August 2007 den Hochschulpakt, der den Hochschulen Gelder zur Verfügung stellte, um mit der steigenden Zahl der Studierenden fertig zu werden. Die Hochschulen verpflichteten sich wiederum im Vergleich zum Bezugsjahr 2005, eine bestimmte Anzahl von Erstsemestern aufzunehmen. Bereits 2008 erreichte die TU Kaiserslautern mit 11.332 Eingeschriebenen ihren damaligen Höchststand bei der Anzahl von Studierenden. Gegenüber dem Land hatte sie sich im Hochschulpakt verpflichtet, jährlich 453 Studierende bis 2010 neu aufzunehmen. Allerdings wurde diese Zielzahl bereits Ende 2008 mit 1.277 deutlich überschritten. Ein Haushalt mit den knapper werdenden finanziellen Mitteln bei steigenden Studierendenzahlen prägte den Alltag. Doch für die nächste Runde des Hochschulpakts, die 2011 anstehen sollte, sah die Hochschulleitung optimistisch in die Zukunft, da sich das Land bereit erklärt hatte, den Zuwachs bei Natur- und Technikwissenschaften extra zu fördern.


Unverhoffter Geldsegen lässt optimistisch in die Zukunft blicken

Am Ende des Jahrzehnts konnte sich die TU Kaiserslautern schließlich über einen Geldsegen freuen: Sie erhielt 2009 zwölf Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung. Damit waren Mittel frei, neue Professuren zu schaffen, aber auch erforderliche Baumaßnahmen umzusetzen. Insgesamt waren sechs Millionen Euro für Neu- und Umbaumaßnahmen vorgesehen. Dabei arbeitete die TU Kaiserslautern mit dem Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung zusammen.


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Professor Dr. Helmut J. Schmidt, Präsident von 2003–2020

18 Jahre Universitätsleitung: Wegbereiter für einen erfolgreichen
Forschungs- und Studienstandort Kaiserslautern



Der gebürtige Westfale Helmut Schmidt studierte Biologie und Chemie an der University of British Columbia in Vancouver, Kanada, und an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, gefördert durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes. In Münster promovierte er auch und habilitierte schließlich in Zoologie. 1981 erhielt er den Dissertationspreis der Universität Münster und 1992 den Bennigsen-Förderpreis des Landes NRW. Von 1981 bis 1984 arbeitete er als PostDoc an der Indiana University in Bloomington/Indiana, USA. Nach einem Heisenberg-Stipendium an der University of California in San Francisco wurde er 1995 als Professor für Ökologie an den Fachbereich Biologie der TU Kaiserslautern berufen.

Bereits als junger Privatdozent sammelte Schmidt Erfahrungen in der Hochschulpolitik, so war er in den 90er Jahren als Sprecher der Initiative Münsteraner Privatdozenten und von 1994 bis 1998 im Präsidium des Deutschen Hochschulverbandes aktiv. An der Universität Kaiserslautern wählte ihn der Fachbereich Biologie 1997 zum Dekan. Im Jahr darauf konnte er erstmals die Wahl zum Vizepräsidenten der Universität Kaiserslautern für sich entscheiden und wurde 2002 in diesem Amt bestätigt. Im Mai desselben Jahres wurde er mit großer Mehrheit zum Präsidenten der Universität gewählt. 2007 folgte seine Wiederwahl. Mit überwältigender Mehrheit wurde er 2013 im Amt bestätigt. Somit ist er der erste Präsident in der 50-jährigen Geschichte der TU Kaiserslautern, der für eine dritte Amtszeit gewählt wurde.

2005 verlieh ihm das Shonan Institute of Technology in Japan die Ehrendoktorwürde. Zudem kürte ihn der Deutsche Hochschulverband (DHV) im März 2015 zum „Rektor/Präsident des Jahres“.



Schmidt ist Vorsitzender des Vorstandes der Stipendienstiftung Rheinland-Pfalz und Mitglied im Universitätsrat der Universität Salzburg. Darüber hinaus war er von 2005 bis 2008 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Protozoologie.

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