Jubiläum 2020

Fachbereiche prägen Forschungsleben auf dem Campus

Einblicke in ihre Entwicklung

Die junge Universität startete zunächst mit den drei Fachbereichen Mathematik, Physik und Technologie. Letzterer fasste die Fachgebiete Elektrotechnik, Maschinenwesen, Bauwesen, Erziehungswissenschaften zusammen. Im Laufe der Jahre kamen neue Lehr- und Forschungsgebiete hinzu. Teilweise richtete die Universität dazu eigene Fachbereiche ein, wie zum Beispiel 1972 für Biologie und Chemie oder 1975 für Informatik. Andere wurden zunächst zusammengefasst. Dies war etwa bei Architektur, Raum- und Umweltplanung (RU) und Erziehungswissenschaften der Fall. 1978 erfolgte hier eine Auftrennung in die beiden Fachbereiche Sozialwissenschaften sowie Architektur/Raum- und Umweltplanung. Die beiden letztgenannten bildeten zusammen mit dem Bauingenieurwesen 1979 den Fachbereich ARUBI. Der Name setzte sich aus den Anfangsbuchstaben der Fachgebiete zusammen. Eine Aufteilung in eigene Fachbereich erfolgte 2011. Die Sozialwissenschaften schlossen sich 1985 mit dem neuen Fachgebiet Wirtschaftswissenschaften zusammen. 2003 folgte die Trennung in zwei eigenständige Fachbereiche. Heute hat die TU Kaiserslautern zwölf Fachbereiche: Architektur, Bauingenieurwesen, Biologie, Chemie, Elektrotechnik und Informationstechnik, Informatik, Maschinenbau und Verfahrenstechnik, Physik, Raum- und Umweltplanung, Sozialwissenschaften sowie Wirtschaftswissenschaften.

Jeder einzelne Fachbereich kann auf eine andere Geschichte zurückblicken, wie etwa der Fachbereich Elektrotechnik, der beim Konzept in der Gründungsphase eigentlich gar nicht vorgesehen war. In die Entwicklung der Physik geben auf den folgenden Seiten Prof. Dr. Ingolf Volker Hertel und Prof. Dr. Hartmut Hotop Einblick. Prof. Dr. Helmut Neunzert berichtet aus der Mathematik und Prof. Dr. Hans Rudolf Güttinger aus der Biologie. Wie es als erste Professorin an der Universität im Fachbereich Architektur war, schildert Prof. Elke Seitz auf den kommenden Seiten. Ein Student der Anfangsjahre war Prof. Dr. Gerhard Steinebach. Er ist bis heute eng mit der Universität verbunden.


Frau Seitz, sie waren die erste Professorin an der TU Kaiserslautern im Fachbereich Architektur. Sie haben von 1995 – 2014 das Fachgebiet „Entwerfen und Raumgestaltung“ geleitet. Was führte Sie nach Kaiserslautern? Welche Beweggründe gab es und welches Umfeld haben Sie beim Start vorgefunden?

Zunächst einmal bedanke ich mich herzlich für die Gelegenheit zu diesem Interview. Rückblickend ist die Zeit meiner fast 20-jährigen aktiven Tätigkeit als Professorin am Fachbereich Architektur der TU Kaiserslautern wie im Fluge vergangen. Ihre Frage zu den Beweggründen zur Professur erklärt sich sicher durch meine frühe Liebe zur Architektur, sowie die Freude an der Vermittlung und wissenschaftlich-theoretischen Vertiefung dieser Thematik.  Aber der Reihe nach:

Nach abgeschlossener Bauzeichnerlehre und einem Architekturdiplom der FH Mainz absolvierte ich ein zusätzliches Studium an der TU Darmstadt und schloss dieses mit einem weiteren Examen als Dipl.-Ing. ab.

Bereits als Studentin bekam ich die Chance, als wissenschaftliche Hilfskraft an einem renommierten Fachgebiet der TU Darmstadt arbeiten zu dürfen. Diese frühen Erfahrungen halfen mir bei meiner späteren wissenschaftlichen Tätigkeit. 

Als Architektin begann ich früh eigenständige Entwürfe baulich umzusetzen. Zunächst alleine, später als Projektleiterin im Büro Prof. Dr. hc. Max Bächer. Das Spektrum reichte von der Planung privater und öffentlicher Gebäude über den Städtebau bis hin zur Innenarchitektur. Spannend war auch die Teilnahme an nationalen und internationalen Architekturwettbewerben.

Erneut an die TU Darmstadt zurückgekehrt machte mir die Lehre als wissenschaftliche Assistentin am Fachgebiet Entwerfen und Raumgestaltung große Freude. Als die Professorenstelle für eben diesen Lehrgebietsschwerpunkt an der Universität Kaiserslautern ausgeschrieben wurde, konnte ich mich im üblichen Bewerbungsverfahren unter 65 Bewerberinnen und Bewerbern durchsetzen. 
 
  
Wie haben Sie ihre Anfangszeit als erste Professorin empfunden?

Zunächst war alles neu: die Kollegen, die Studierenden, die eigenen Mitarbeiter, das Sekretariat. Man ist aufgeregt, möchte alles richtig machen, hat genaue Vorstellungen über Studieninhalte und organisatorische Abläufe und möchte diese auch qualitätsvoll umsetzen.

Dass ich eine Sonderrolle als erste Professorin an der Universität einnehmen könnte, war mir zunächst nicht bewusst. Erst als sich nach wenigen Tagen die anonymen Aufkleber in den Fluren mit Sprüchen über die „Quotenfrau“ zu häufen begannen, habe ich begonnen über mein weibliches Dasein in männerdominierten Arbeitsbereichen nachzudenken. Ich war erstaunt, dass das Geschlecht zu Beginn meiner Tätigkeit offensichtlich eine Rolle spielte, da die Anzahl der Studentinnen bereits in den 1990er Jahren fast 50 % der Studierenden betrug. Nach wenigen Monaten verschwanden die Aufkleber und der Spuk war vorbei.

 
Das Phänomen der kleinen Anfeindungen gibt es also nicht erst seit Social Media?

Viel Vertrauen und Zuspruch erhielt ich vom damaligen Präsidenten der Universität Dr. Klaus Landfried und der gesamten zentralen Hochschulverwaltung.

Sicherlich wäre es für den Einstieg einfacher gewesen, ein Professorinnen-Netzwerk vorzufinden um sich insbesondere auch auf wissenschaftlichem Gebiet auszutauschen. Heute ist das zum Glück an der TU Kaiserslautern kein Thema mehr, ein tolles Netzwerk ist geknüpft und die Zahl der Professorinnen ist gestiegen.

Insgesamt habe ich meine Professur als eine spannende und erfüllende Aufgabe gesehen. Es war ein großes Geschenk mit so vielen jungen, begabten und aufgeschlossenen Studierenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeiten zu dürfen. Die überschaubare Größe der Fakultät ermöglichte ein persönliches und vertrauensvolles Miteinander von Kolleginnen und Kollegen.

 
Sie haben das Thema der Quotenregelung angesprochen. Wie stehen Sie dazu?

Früher war das Wort „Quote“ negativ besetzt. Es wurde gleichgesetzt mit „nicht qualifiziert“. Heute bedeutet Quotenregelung das Recht auf Chancengleichheit. Ich halte es für unumgänglich, gerade bei der Vergabe von Spitzenpositionen Quoten in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft einzuführen.

Jeder Stellenbesetzung geht ein qualifiziertes Berufungsverfahren voraus. Warum also sollte bei gleicher Qualifikation nicht einer Frau – bzw. in frauendominierten Bereichen einem Mann – auf Grund des Proporzes der Vorzug gegeben werden? Gesellschaften bestehen annähernd jeweils zur Hälfte aus Frauen und Männern. Wie gut die berufene Person ist, wird sie im Laufe ihrer Tätigkeit unter Beweis stellen müssen. Diese Chance sollte man ihr aber zunächst einmal unvoreingenommen einräumen.
 
 
Wie sehen Sie die Entwicklung auf der Ausbildungsebene der Architektur?

Architektur und Umwelt, Lehre und Studium unterliegen einem immerwährenden lebendigen Prozess – und das ist gut so. Architektur orientiert sich an gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen und an den Bedingungen des Marktes.

Bereits in meiner fast 20-jährigen Laufbahn als Professorin an der TU Kaiserslautern haben sich einschneidende Veränderungen in der Lehre abgezeichnet. Der Wechsel der Hochschulabschlüsse vom Diplom-Ingenieur hin zu Bachelor und Master-Abschlüssen brachte eine Verschlankung von Studienplänen und Studiendauer mit sich.

Noch immer sind sich die Landesverbände der Architektenkammern nicht einig, ob ein sechssemestriger Bachelorabschluss berufsqualifizierend sei. Vielleicht kann man es so beschreiben: Früher war das zehnsemestrige Architekturstudium zum Dipl.-Ing. ganzheitlich angelegt. Alle entwurfsrelevanten Faktoren spielten in der Lehre eine entscheidende Rolle. Aspekte sowohl des konzeptionellen Entwerfens wie auch die Fähigkeit zur Ausführungsplanung eines komplexen Bauwerks standen im Fokus der Architekturausbildung. Das alles kann man in der gebotenen Tiefe nur schwerlich in der Kürze eines sechssemestrigen Bachelorstudiums vermitteln.

Wie es scheint steht heute mehrheitlich die Spezialisierung des Architektenberufs im Mittelpunkt des politischen und gesellschaftlichen Interesses. Darauf reagiert die wissenschaftliche Ausbildung mit einer unüberschaubaren Anzahl von spezialisierten Masterabschlüssen. Insofern hat sich die Ausbildung und mit ihr das Berufsbild gewandelt. 

Wie heißt es so richtig: Die Zeiten ändern sich und wir uns in ihnen. 

 
Warum sollte man heute Architektur studieren?

Ein Architekturstudium gehört zu den schönsten und spannendsten Studiengängen. Es zeichnet sich durch eine Vielzahl unterschiedlichster Lehrangebote aus, die alle das wirkliche Leben tangieren. Wir bewegen uns tagtäglich und zu jeder Zeit in Räumen – privaten, städtischen oder landschaftlichen Räumen. An der Planung dieser Räume mitzuwirken ist ein Privileg, sie maßvoll zu gestalten, nachhaltig und dennoch visionär. Dem Entwurfsgedanken Materie zu verleihen, an der Gestaltung der Umwelt mitzuwirken, das ist doch Ziel und Ansporn genug für eine sich erfüllende berufliche Perspektive.

 
Was würden Sie heute Architekturstudierenden mit auf den Weg geben?

Macht euch ein Bild vom vielseitigen Beruf des Architekten, bringt Leidenschaft mit, Durchhaltevermögen, seid Neugierig und kritikfähig, lasst euch darauf ein, immer wieder etwas Neues dazu zu lernen. Architektur ist dem stetigen Wandel unterworfen und jedes Bauwerk stellt unterschiedliche Anforderungen an Planung und Ausführung. Macht euch auf den Weg, studiert auch im Ausland, lernt neue Freunde und Kulturen kennen, blickt über den Tellerrand, macht die Augen auf – und dabei nicht nur hinsehen, sondern wahrnehmen.

 
Was war Ihr spannendstes Projekt an der TU Kaiserslautern?

Da gab es zahlreiche, es ist schwierig nur eines zu benennen.
Die Zusammenarbeit mit der UNAM, der Architekturfakultät Universidad National Autónoma de México gehört mit Sicherheit dazu. Dabei ging es um die Neugestaltung eines Wohnquartiers in der Innenstadt von Mexico City. Dem Entwurfsseminar folgte die Präsentation der Projekte während einer zweiwöchigen Exkursion durch Mexico mit 25 Studierenden.

Eine besondere Herausforderung bestand ebenfalls in der Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam, in der wir alternativer Entwurfskonzepte eines energieautonomen Hauses zur Wassergewinnung in Südafrika unter der Maßgabe ressourcensparender Optimierung entwickelten. Ein Prototyp wurde in Jansenville, Südafrika, realisiert.

Interessant waren auch interdisziplinäre Zusammenarbeiten, z.B. mit der Akademischen Direktorin Cornelie Leopold: „Architektur und Musik“ und „Aspekte der Frauen-und Genderforschung in Architektur und Planung“.

 
Auf welche Forschungsergebnisse können Sie zurückgreifen?

Jede Entwurfsaufgabe ist ein Forschungsprojekt:  Mein wissenschaftliches Interesse lag in der Vermittlung architekturtheoretischer Raumideen und deren Umsetzungen in realisierbare und zeitgemäße architektonische Entwürfen. Ergebnisse der Seminar- und Entwurfsstudien fanden Ihren Niederschlag in zahlreichen Fachgebietspublikationen.

 
Gibt es ein aktuelles Gebäude, das Sie besonders mögen?

Ein zeitloses Gebäude ist immer auch ein aktuelles Gebäude! Einer meiner Favoriten ist das
Haus Tugendhat, 1930, von Mies van der Rohe in Brünn.
 
Die damals für den Wohnungsbau noch ungewöhnliche Stahlskelettkonstruktion ermöglichte die raumumhüllenden Außen- und Innenwände unabhängig von ihrer tragenden Funktion einzusetzen und damit großzügig ineinandergreifende Funktionsflächen und offene Ausblicke in den Landschaftsraum zu ermöglichen. Einbindung in die Topografie, Funktionalität, Materialwahl und Detailqualität sind kongenial.
 

Macht das gute Architektur aus?

Unter anderem. Architektur muss im weitesten Sinne den Menschen nützlich sein. Gute Architektur überzeugt dazu mit einer sich selbst erklärenden Schönheit und Gestalt, sie muss altern können und noch nach Jahrhunderten die Menschen in Staunen versetzen und ihnen ein Lächeln abringen können. 

 
Nach Ihrer fast 20-jährigen Lehr-und Forschungsarbeit als Professorin, sowie Ihre Tätigkeit in zahlreichen Gremien der TU Kaiserslautern sei die Frage erlaubt:  Wie verbringen Sie Ihre Zeit nach dem aktiven Dienst?
 
Noch spiele ich nicht Golf, obwohl ich große Lust dazu hätte!
Zunächst war es ungewohnt, sich nicht mehr auf die kommende Vorlesung vorbereiten zu müssen. Nach kurzer Zeit gewöhnt man sich an einen neuen Lebensrhythmus und findet zunehmend Muse, sich den genussvollen Dingen des Lebens zuzuwenden: dem Lesen und Reisen, den Besuchen von Ausstellungen, Vorträgen, Theatern und Konzerten. Das weiß ich zu schätzen.
Viele Freunde sind noch immer irritiert, dass man Zeit für ein längeres Gespräch findet. Zudem berate ich Freunde beim Bauen und saniere und baue selbst noch in kleinerem Umfang.

 
Gab es für Sie eine alternative Berufswahl? Was wären Sie geworden, wenn nicht Architektin?

Gerne Regisseurin am Theater oder beim Film. Die gezielte Anwendung dramaturgischer Elemente in der Architektur war für mich schon immer von Interesse und demzufolge Bestandteil meiner Lehre. Die Erzeugung von Atmosphären und Stimmungen und die Reaktion der Menschen darauf haben mich von jeher fasziniert.

 
Können Sie den Lesern noch ein Sprichwort aus der Architektur mitgeben?

Der von mir hochgeschätzte finnische Architekt Alvar Aalto sagte einmal: 
„Nothing is as dangerous in architecture as dealing with separated problems. If we split life into separated problems we split the possibilities to make good building art.“
 
In der Architektur und im Leben gibt es keine einsamen Probleme, alles hängt mit allem zusammen. Das ist doch klug – und so fein aus dem Leben gegriffen.

 
Frau Professorin Elke Seitz, wir danken für das Gespräch.


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Ein Beitrag von Prof. Dr. Hans Rudolf Güttinger

Wie alles begann …

Es waren die renommierten Persönlichkeiten der Universität Mainz, die die Vorstellungen zur biologischen Lehre und Forschung an der noch jungen Universität in Kaiserslautern deutlich prägten. Zur damaligen Zeit war die systematische Botanik in Mainz eine der international angesehensten Arbeitsgruppen.

Die systematische Botanik war vor allem eine beschreibende Wissenschaft. „Die Erfassung der Vielfalt der Arten und ihre Formenmannigfaltigkeit“ stand damals noch im Zentrum des Interesses, während heutzutage genetische und molekulare Ausrichtungen an Modellorganismen dominieren.

Bevor die ersten Berufungen erfolgten, plante und baute die Universität Kaiserslautern umfangreiche Gewächshäuser für die Botanik, in denen bis heute eine sehr beeindruckende Abteilung „Tropischer Regenwald“ zu finden ist, sowie eine umfassende Zoologische Sammlung.

1970 wurde Prof. Dr. Erwin Tretzel (1920-2001) für den Lehrstuhl Allgemeine Zoologie nach Kaiserslautern berufen – noch bevor die Neubauten 11 bis 14, in denen die Biologie ihren Sitz hatte, fertig gestellt waren. Mit seinen früheren Arbeiten am Zoologischen Institut in Erlangen über Imitationen menschlicher Pfiffe durch Singvögel hatte er nicht nur in der Fachwelt, sondern auch in der damaligen Tagespresse intensiv diskutierte Beiträge verfasst. Er war in der Gründungsphase nicht nur für die Vorbereitungen des Studienbeginns in der Biologie zuständig, sondern übernahm auch übergeordnete, allgemeine Aufgaben zum Aufbau der Universität und stand anschließend dem Fachbereich Biologie nahezu zehn Jahre als Dekan vor. Besondere Hingaben prägten ihn: der Aufbau einer Zoologischen Sammlung und Exkursionen mit Studenten. Seine vor Tagesanbruch beginnenden Vogelstimmen-Exkursionen sind seinen damaligen Studenten noch heute lebhaft in Erinnerung.

1972 begann im noch völlig leerstehenden Neubau Gebäude 13 der biologische Lehrbetrieb mit 16 Erstsemester-Studentinnen und -Studenten. In langen Diskussionen mit seinen Assistenten, aber auch mit den Studierenden, entwickelte Prof. Tretzel mit uns gemeinsam die Lehrinhalte. Für mich als Assistent persönlich, aber auch für die Studierenden war dieser Aufbau aus dem „Nichts“, für Kaiserslautern neu. Faszinierend war auch, wie mir kaum bekannte Inhalte durch gezielte Hinweise der Studierenden in die Kurse eingebracht wurden. Die Unterschiede zwischen Lehrenden und Studierenden waren minimal, das Gemeinschaftsgefühl groß. Der damalige produktive Dialog war in den Gründungsjahren einzigartig!

1973 kam Prof. Dr. Herbert Huber (1931-2005) als Systematischer Botaniker von der Universität Merida in Venezuela an die Universität. Seine Zeit in Südamerika beeinflusste ihn in späteren Lebensabschnitten zu einer starken Bevorzugung von tropischen Organismen. Als Botaniker verfügte er aber auch über ausgezeichnete Kenntnisse zu Käfern, Schmetterlingen und Meeresmuscheln. So war es für ihn selbstverständlich, dass wirregelmäßig zu mehrwöchigen botanischen und zoologischen Exkursionen mit Studenten zum Beispiel in die Pyrenäen, nach Sizilien und 1980 in den Regenurwald von Sri Lanka aufbrachen. Letztere hat mit ihren intensiven Kontakten zu einheimischen Führern bei unseren Studierenden bleibende Erinnerungen hinterlassen. Wir erlebten nicht nur eine kaum überblickbare Formenmannigfaltigkeit, ein Stimmenkonzert der tropischen Insekten in der Dämmerung und während der Nacht, sondern auch süße Düfte sowie hässlich erregenden Gestank von Blüten.

Prof. Huber hatte einen sehr persönlichen Stil. Er skizzierte oft ihm sehr wichtige Aspekte nur andeutungsweise und regte dadurch zu einem eigenen, selbständigen Einarbeiten in unterschiedliche Themenkreise an. Er war auch ein Dozent, der historische Bezüge herausarbeitete und oft aktuelle Modeströmungen der Biologie genüsslich parodierte.

Sein Nachfolger war Prof. Dr. Burkhard Büdel, der ab 1997 an der TU Kaiserslautern forschte und lehrte. Er ist einer der Pioniere der biologischen Krustenforschung. Flechten, Algen und Moose waren sein Hauptforschungsgebiet. Seine Expeditionen brachten ihn rund um die Welt. Gemeinsam mit Studierenden untersuchten wir tropische Lebensgemeinschaften, Pflanzen und Tiere im Jahr 2000 in Costa Rica. Fünf weitere Exkursionen führten uns im Laufe der folgenden Jahre nach Helgoland. Meine Aufgabe war es dabei, die Strandfauna, Küstengewässer und Meeresvögel auf der Nordseeinsel zu beobachten. Dabei bildete das Studium der Unterschiede im Flugverhalten zwischen Meeres- und Landvögeln einen Schwerpunkt.


Die Situation 2019

Das frühere universitäre Interesse für Botanische Gärten und Zoologische Sammlungen hat sich nicht nur in Kaiserslautern stark verringert. Jedoch bleiben sie wichtige historische Zeugen der Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte.

Für das 50-jährige Jubiläum werden deshalb für den Fachbereichsgarten und die Zoologische Sammlung neue Wirkungsmöglichkeiten im Rahmen der Öffentlichkeitsbildung, auch für Familien mit Kindern, durch eine veränderte Darstellung, persönliche Führungen und einer zusätzlichen Präsentation im Internet gesucht.


Fachbereichsgarten

Im Fachbereichsgarten steht seit der Gründungszeit die Abteilung „Tropischer Regenwald“, wo eine echt tropische Atmosphäre erlebbar ist und eine Vielzahl von tropischen Nutzpflanzen, wie der Kakaobaum, zu bewundern sind.

Neu ist der „Bauerngarten“ im Freien hinzugekommen. Hier werden nicht nur Blumen und unsere täglichen Nahrungsmittel als Pflanzen mit ihren Wurzeln, Blättern, Blüten und Früchten, sondern auch ihre wildwachsenden Stammformen gezeigt. Seine Besonderheit ist, dass sowohl alltägliche Blumen und Nutzpflanzen aus dem konventionellen Erwerbsanbau als auch eine Vielfalt von Gemüse- und Kräutersorten aus der „Biozüchtung“ angebaut werden. Diese Sorten schmecken vielseitiger, aromatischer als die Sorten aus dem Supermarkt.

Der Bauerngarten vermittelt heute Anregungen und Hilfestellungen zum Selbstanbau von geeigneten Gemüse- und Kräutersorten auf den Balkonen und Gärten (Urban Gardening). Hauptaufgabe des Gartens ist es, Pflanzen für Lehrveranstaltungen wie „Systematische Botanik“ und „Physiologische Botanik“ zur Verfügung zu stellen, wie sie heute zum Beispiel die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Ekkehard Neuhaus und Prof. Dr. Matthias Hahn anbieten.


Zoologische Sammlung

Zwischen 1973 und 2011 hat der Präparator Burkard Hasenbein für die Zoologie und Ökologie eine umfangreiche Sammlung über die einheimische Tierwelt aufgebaut, wie zum Beispiel eine Sammlung über Insekten, Schmetterlinge, Säuger und Vögel.

Im Jubiläumsjahr 2020 sollen nun erstmals exemplarische Beispiele aus einer historischen, faunistisch wichtigen Schmetterlings-Sammlung gezeigt werden, die Rudolf Heuser (1894-1970) in Kaiserslautern, im Pfälzer Wald und im Landstuhler Bruch zwischen 1920 und 1970 gesammelt hatte. Nach seinem Tod hatte die Universität sie aufgekauft. In der Präsentation sollen die prachtvollen Augenmuster der verschiedenen Schmetterlingsarten den Schwerpunkt bilden. Gemeinsam mit Peter Spitzley, Geschäftsführer des Fachbereichs Architektur, erstellt die Biologie zudem eine neue Ausstellung zu Vogelarten der Region und wie sich diese an Besonderheiten in ihren Lebensräumen angepasst haben.


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Ein Beitrag von Prof. Dr. Helmut Neunzert

1973 hatte ich mich, als Associate Professor an der RWTH Aachen, auf die Stelle eines ordentlichen Professors für „Mathematische Grundlagen für Physik und Technik“ an der neugegründeten Universität TrierKaiserslautern beworben. Kaiserslautern und die Pfalz waren für einen Oberbayern wie mich, der nach seinem Studium in München 13 Jahre in Aachen und Umgebung gelebt hatte, ein recht unbekanntes Land; von der Mathematik in Kaiserslautern wusste man aber, dass sie mit überraschend starken, sehr „reinen“ Mathematikern besetzt war. Das war für einen „Angewandten“ wie mich natürlich eine Herausforderung.

Als ich 1974 den Ruf angenommen hatte, zog ich in eine Stadt, die, von Wald umgeben, noch weitgehend vom amerikanischen Militär geprägt war. Ich kam an eine sehr kleine, sehr junge Universität mit etwa so vielen Studierenden wie ein größeres Gymnasium Schüler hat und an einen wissenschaftlich recht rührigen Fachbereich, dessen Anfängervorlesungen maximal 20 Studierende folgten. Viele dieser an sich wenigen Studenten waren politisch sehr aktiv, es gab alle Sorten von politischen Aktionen, von flammenden Reden auf den Tischen der Mensa bis hin zu gelegentlichen Verbindungen zur RAF. Den Diskussionen, vor oder nach den Vorlesungen, auf den Gängen, manchmal im Freien, entkam niemand.

Nur ein Jahr später trennte die Landesregierung die beiden Universitätsstandorte Trier und Kaiserslautern wieder und die neue Universität Kaiserslautern konnte sich ihrer eigentlichen Aufgabe widmen: nämlich die technisch-naturwissenschaftliche Hochschule des Landes zu werden, deren Forschung internationalen Standards entsprach. Dieses Ziel jedenfalls verfolgte der erste Präsident der Universität, Helmut Ehrhardt, mit großer Umsicht und Energie. Der Fachbereich, weitgehend geprägt von seinem langjährigen Dekan Walter Thimm, wuchs schnell.

Thimm hatte noch in Königsberg (Ostpreußen) studiert, war ein guter, reiner Mathematiker mit viel Herz für die Studierenden. Meine Rolle, die Mathematik für die Natur- und Ingenieurwissenschaften zu organisieren, war in diesem Spannungsfeld herausfordernd und anregend: hier die „reinen“ Kollegen, die froh waren, sich darum nicht kümmern zu müssen, dort die Ingenieure und Physiker, die nach Kräften mithalfen, eine moderne, anspruchsvolle Mathematikausbildung für ihre Studenten zu entwickeln.

So wuchsen die beiden Aspekte der Mathematik – die reine Mathematik, die ihre „platonischen“ Gegenstände oft ästhetisch betrachtet, sie „spielerisch“ sucht und findet, und die angewandte Mathematik, die neue Ordnungsmuster erfinden will, um Probleme der realen Welt zu lösen – gleichermaßen stark in Kaiserslautern. Der Ruf der Kaiserslauterer Mathematik wurde immer besser, die Studierendenzahlen wuchsen und bald saßen in den Anfängervorlesungen etwa 150 Hörer. Die Stärken der reinen Mathematik lagen in der algebraischen Geometrie, vertreten durch die Kollegen Thimm und Trautmann, in der Algebra durch Herrn Lüneburg und in der Funktionalanalysis durch Herrn Schock. Ein „Multigenie“ war wohl der Kollege Brakhage, der zu verschiedenen Gebieten zwar meist wenige, dafür aber äußerst originelle Beiträge leistete. Die angewandte Mathematik setzte ihre Orientierung in Richtung Physik und Technik auch dadurch in die Tat um, dass sie 1980 als erste weltweit den Studiengang „Technomathematik“ konzipierte und einführte. Die Kollegen Thimm, Schock und ich waren die Treiber dieses etwas gewagten Unternehmens, das erst viele Widerstände aus Kollegenkreisen erfuhr, später aber dann eine weite Verbreitung nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern bis hin nach Indien erlebte.

Etwa um dieselbe Zeit beteiligte sich der Fachbereich gemeinsam mit den Mainzer Kollegen, Mathematik als Fernstudium unter starker Beteiligung des Mediums Fernsehen (FIM = Fernstudium im Medienverbund) zu entwickeln. Etwa die Hälfte der später ausgestrahlten einstündigen ZDF-Sendungen waren von Kaiserslautern geprägt.

Dem Kollegen Thimm folgte bald Gerd-Martin Greuel, der die algebraische Geometrie weiter stärkte; er wurde später Leiter des weltberühmten mathematischen Forschungsinstituts in Oberwolfach. Die angewandte Mathematik erweiterte sich um Stochastik, mit den Kollegen Heinrich von Weizsäcker und Jürgen Franke, und Systemtheorie mit Dieter Prätzel-Wolters.

Besonders wichtig war es, dass sich die beiden „Pole“, die Reinen und die Angewandten, fachlich und persönlich näherkamen; sie verstanden, dass sie beide wichtig waren und ihre Zusammenarbeit den Fachbereich stärker machte. Man half sich gegenseitig, man lobte einander auch „draußen“ – sicher ein wesentlicher Grund dafür, dass es der Fachbereich Mathematik bis heute unter die Top 5 schafft.

So um 1985 war ich zu Gast am International Center of Theoretical Physics (ICTP), einem von dem pakistanischen Nobelpreisträger Abdus Salam gegründeten UNESCO-Institut in Triest. Dort verstand ich, dass die Welt voll ist von intelligenten jungen Nachwuchswissenschaftlern, die sehr gerne von uns die Verbindung von Mathematik mit realer Welt lernen wollten. Meine damalige Mitarbeiterin Marion Schulz-Reese überzeugte den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Bonn, dass er viele Jahre lang immer für circa 20 Studierende aus Asien, Afrika oder Südamerika das zweijährige Studium in „Industrial Mathematics“ finanzierte.

Das spornte auch die anderen Kollegen an, sodass der Fachbereich später mit seinem Programm „Mathematics International“ zu den ausländerstärksten Fachbereichen der Universität wurde. Dieser enge Kontakt mit den Menschen aus „exotischen“ Ländern, hat unser aller Leben sehr geprägt.

25 Jahre nach der Universitätsgründung hatte sich der Fachbereich Mathematik in Kaiserslautern zu einem der forschungsstärksten, innovativsten und internationalsten mathematischen Fachbereiche deutschlandweit entwickelt.

Ich selbst bekam 1995 mit der Gründung und Leitung des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) eine neue Aufgabe, in der mir Dieter Prätzel-Wolters nach meiner Emeritierung folgte – und heute leitet dieses Institut eine Mathematikerin, die in den 80er Jahren in meiner Anfängervorlesung saß: Anita Schöbel. Das ist gelebte Kontinuität, ebenso wie das fortgesetzte gute Ranking des Fachbereichs, das die jüngeren Kollegen weiter sichern.


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Ein Beitrag von Prof. Dr. Ingolf Volker Hertel  (vollständige Version)

Am 1. Oktober 1970 begannen wir unsere Lehr-, Forschungs- und Verwaltungstätigkeit an der neu gegründeten Universität Trier-Kaiserslautern – gewissermaßen als mobile Einsatztruppe der Universität Mainz, von wo aus wir während der ersten Monate wöchentlich hin und her pendelten. Die Studenten waren bereits in Kaiserslautern, als wir offiziell in unsere neuen Ämter eingewiesen wurden: Dieter Andrick als Akademischer Rat, in der Funktion eines Fachbereichssekretärs, Franz Linder als Wiss. Rat und Professor (H2), ebenso wie ich und Ewald von Puttkamer als Akademischer Rat, zuständig für die EDV des Fachbereichs Physik – vier vormalige Assistenten von Helmut Ehrhardt am Mainzer Institut für Physik, der nun H4-Professor und Gründungspräsident an der neuen Universität war. Zusammen mit unseren Diplomanden und Doktoranden, die wir ebenfalls aus Mainz rekrutierten, waren wir ein starkes Team auf dem Gebiet der experimentellen Atom-, Molekül- und optischen Physik. Sieben Professuren (davon vier H4) waren für die Experimentalphysik geplant und weitere sechs Professuren für Theoretische Physik (Schwerpunkt Teilchenphysik).

Ende November wurde ich zum ersten Dekan des Fachbereichs Physik gewählt, und bis Anfang des Sommersemesters 1971 hatten wir bereits zwei H4-Berufungen, Wolfgang Demtröder (Molekülspektroskopie) und Jürgen Geiger (Elektronenstreuung), erfolgreich ausverhandelt und auf den Weg gebracht (die Berufungslisten waren im Sommer 1970 noch vom Gründungsausschuss beschlossen worden): ein gemessen an typischen Zeitskalen für universitäre Berufungen ganz außerordentliches Tempo.Wolfgang Demtröder begann bereits im Sommersemester 1971, die Anfängervorlesung „Physik mit Experimenten II“ zu lesen. Im Laufe der Jahre ist daraus sein umfassendes, mehrbändiges Werk „Experimentalphysik“ geworden, das heute für jeden Physikstudenten in Deutschland die Standard-Einführung geworden ist.

Die ersten Jahre waren für uns alle extrem anstrengend und arbeitsreich. Fleißiges Schaffen, oft bis zur Erschöpfung, Geduld und Stehvermögen waren unverzichtbar. Zum einen war die Finanzsituation nie wirklich befriedigend (Aber wo ist sie das schon jemals?) und wir mussten der Landesregierung in harter Überzeugungsarbeit mühsam näherbringen, dass die notwendigen Erstinvestitionen wie auch die Dauerfinanzierung für einesolche Universität weit über dem zunächst leichtfertig abgeschätzten Kostenrahmen lagen. Hatten wir diesen Aspekt durchaus vorab geahnt, so hatte uns allen wohl jede Vorstellung über die Fülle der bei einer solchen Neugründung zu erledigenden Aufgaben gefehlt. Wir hatten ja buchstäblich auf der grünen Wiese (genauer: im grünen Pfälzerwald) eine neue Universität von null aus aufzubauen – es war nichts verfügbar von all der Infrastruktur, dem Regelwerk und dem kundigen Personal, an welche man sich bis dahin als selbstverständlich an einer Universität gewöhnt hatte.

Alles musste neu geschaffen werden und sollte vor allem besser werden als an all den alten Universitäten. Jeder, der damals diesen Sprung ins kalte Wasser gewagt hatte, ging voller Engagement, ja Enthusiasmus, an diese Aufbauarbeit. Das Gesamtergebnis kann sich heute sehen lassen. Geplant waren im Gründungsmemorandum der Landesregierung 2.000 Studienplätze in Mathematik, Chemie und Biologie und für die Ausbildung von Gewerbelehrern. Heute bietet die TU ein breites Fächerspektrum mit mehr als dem Fünffachen an Studienplätzen an. Der Ruf der Technischen Universität Kaiserslautern ist sehr gut, in einzelnen Themenbereichen herausragend.

Den Weg dahin durfte ich bis zu meiner Berufung an die Freie Universität Berlin im Oktober 1978 miterleben und aktiv mitgestalten. Ich will an dieser Stelle nur kurz die Gründung des ersten Kaiserslauterner Sonderforschungsbereichs (SFB) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erwähnen, den ich als Sprecher mit auf den Weg bringen konnte.

Einen erheblichen Teil meiner Schaffenskraft und viel Herzblut habe ich diesem Zusammenschluss von Forschungspotenzial an der jungen Universität gewidmet. Der Grundgedanke hat mich bereits von Anfang an bewegt: Am 14. Januar 1971 antwortete der für unser Fach zuständige DFG-Referatsleiter auf meine entsprechende Anfrage unter anderem …, dass es noch keinen Sonderforschungsbereich über Fragen der Molekülphysik gibt. Es wäre durchaus begrüßenswert, wenn sich eine der Hochschulen in stärkerem Maße – und Ansätze sind ja hierfür in Trier-Kaiserslautern vorhanden – mit dieser Frage beschäftigen würde.

Die Atom- und Molekülphysik war unsere Stärke, und somit war meine Marschrichtung für die kommenden Jahre vorgegeben. 1971 galt es aber zunächst einmal, nationale und internationale Reputation für den Standort zu erwerben und sich in Zusammenarbeit zu üben. Viele Einzelschritte und Aktivitäten waren dafür erforderlich – Vieraugengespräche, Arbeitstreffen, Gruppenseminare, kleinere Tagungen, Gasteinladungen, Gremienarbeit …

Unverzichtbar war jedenfalls ein langer Atem und die tiefe Überzeugung, dass dies ein guter gemeinsamer Schritt für die Universität sein würde. Ganz wichtig war dabei auch die Einbindung der Theorie und speziell des Arbeitskreises von Wilfried Meyer (Theoretische Chemie). Hilfreich waren sicher unsere erfolgreiche Drittmitteleinwerbung im Normalverfahren und in DFG-Schwerpunktprogrammen.

Am 21. Oktober 1977 reichten wir den Antrag auf Einrichtung und Förderung eines Sonderforschungsbereichs „Energietransfer bei atomaren und molekularen Stoßprozessen“ bei der DFG ein. Auch wenn der Antrag gut vorbereitet war und wir die zuständigen Referenten bei der DFG vorab informiert hatten, erregte er dort einige Aufmerksamkeit, ja Erstaunen: Eine so junge Universität, gerade mal eben Mitglied der DFG geworden, will einen Sonderforschungsbereich haben, beantragt also gewissermaßen einen Anteil an den Kronjuwelen der deutschen Forschungsförderung!?

Die Begutachtung fand im Frühling 1978 statt. Besonders bemerkenswert war dabei die Anwesenheit des großen Maier-Leibnitz, der damals Präsident der DFG war. Der Präsident als Vorsitzender einer Gutachterkommission, das sprengte völlig den üblichen Rahmen solch einer Veranstaltung. Man erklärte uns, hinter vorgehaltener Hand, dass der Präsident sich „diese jungen Leute in Kaiserslautern“ selbst ansehen wollte, die es wagten, aus einer so jungen Uni heraus einen SFB-Antrag zu stellen. Im Verlaufe der Begutachtung und Begehung unseres Labors (im neuen Physikgebäude) konnte man aber bemerken, dass Maier-Leibnitz und die Gutachter ganz allgemein, uns gegenüber zunehmend freundlicher, ja sympathisierend wurden.

Kurzum, wir bestanden die Begutachtung mit Bravour, und insgesamt, so hörte man hinter den Kulissen, wurde unser Vorhaben aufs Höchste gelobt. In den einschlägigen deutschen Fachkreisen blickte man fortan aufmerksam auf Kaiserslautern. Mit dem Bewilligungsschreiben vom 15. Juni 1978 an den Präsidenten der Universität Kaiserslautern teilte die DFG der Universität Kaiserslautern mit, dass uns für die zweite Hälfte des Haushaltsjahres 1978 ein Betrag bis zu rund 1,3 Millionen DM bewilligt und für die folgenden Haushaltsjahre 1979/1980 insgesamt knapp 4,77 Millionen DM in Aussicht gestellt wurden – was damals eine Menge Geld war.

Der SFB 91 erwies sich in den Folgejahren als hinreichend krisenfest. Hartmut Hotop, mein Nachfolger (auf der dann in H4 umgewandelten Stelle) ergänzte das Programm in hervorragender Weise. Das Abschlusskolloquium fand am 25./26. Februar 1993 statt – zu diesem Zeitpunkt war ich inzwischen auf die Gutachterbank gerückt.

So schloss sich also der Kreis erfolgreich, und ich durfte dabei sein – am Ende wie am Anfang.


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Ein Beitrag von Prof. Dr. rer. nat. Hartmut Hotop

1978 erreichte mich in Kiel die Kunde aus Kaiserslautern über einen dort bewilligten Sonderforschungsbereich (SFB 91) mit dem Thema „Energietransfer bei atomaren und molekularen Stoßprozessen“ und bald danach die Neuigkeit, dass Ingolf Hertel, einer der Gründungsväter des SFB 91, einen Ruf an die FU Berlin angenommen hatte. Kurz zuvor waren diverse Labors im Fachbereich Physik, dessen Gruppen den SFB 91 wesentlich trugen, bei einem durch einen Unfall verursachten Brand massiv beschädigt worden, auch die von Ingolf Hertel. Dieser Brand bescherte der Universität Kaiserslautern durch einen Artikel in der BILD-Zeitung bundesweite Aufmerksamkeit. 1979 wurde die Nachfolge Hertel verhandelt. Ich hatte mich beworben, weil mich die Mitarbeit in einem SFB reizte und mein Forschungsprofil passte. Als mich der Ruf erreichte, waren die Gefühle zwiespältig zwischen der längerfristigen Forschungsperspektive und der Belastung für die Familie durch die Wechsel Freiburg-Kiel-Kaiserslautern.

Hatte ich doch erst im Frühjahr 1977 am neugebauten Institut für Experimentalphysik der Universität Kiel eine gut ausgestattete Professur übernommen und damit begonnen, gemeinsam mit Martin-W. Ruf, der mir aus Freiburg auf eine Assistentenstelle gefolgt war, eine Arbeitsgruppe aufzubauen. Die uns dort zur Verfügung stehenden Mittel für Forschung und Lehre gaben uns erhebliche Freiheit bei der Beschaffung von Geräten, vor allem im atom- und molekülphysikalischen Labor sowie im Fortgeschrittenen-Praktikum, welches wir betreuten. Außerdem arbeiteten wir an vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft geförderten Experimenten am Synchrotronstrahlungslabor HASYLAB am DESY in Hamburg. Eigentlich ideale Bedingungen.

In den Berufungsverhandlungen in Kaiserslautern tat sich dann eine unerwartete „Baustelle“ auf, als ich mit der Uni-Leitung und dem Fachbereich Physik über die Ablöse der aus der Grundausstattung in Kiel beschafften Geräte sprach. Das Problem bestand darin, die Mittel für die abgelösten Geräte – wie von mir gewünscht – dem Institut für Experimentalphysik (IfE) zukommen zu lassen. Eine finanzielle Ablöse wäre nicht dem IfE, sondern der Universität Kiel insgesamt zugutegekommen. Schließlich siegte der Pragmatismus beider Universitäten, um das bestehende Problem für beide Seiten sinnvoll zu lösen. Die Kanzler in Kiel und Kaiserslautern einigten sich auf „Dauerleihgaben“. Die Universität Kiel stellte mir zur weiteren Nutzung, letztlich bis zu meiner Pensionierung, die in Kiel beschafften Geräte als Leihgabe zur Verfügung; die Universität Kaiserslautern stellte dem IfE in Kiel Geräte im Wert der Ablöse als Dauerleihgabe zur Verfügung, die nach Wünschen des IfE in Kaiserslautern beschafft und in Kiel ausgeliefert wurden.

Am 1. April 1980 trat ich meine Stelle in Kaiserslautern an, einige Monate später folgte Martin-W. Ruf auf die Stelle eines Akademischen Rats. Wir haben den Wechsel bis heute nicht bereut, denn hier erwartete uns ein ebenso professionelles wie enthusiastisches Arbeitsumfeld, welches von den Akteuren der ersten Jahre stark geprägt war. Was wäre Kaiserslautern heute ohne seine Technische Universität und die damit zusammenhängenden Aktivitäten und Institute?


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Professor Steinebach hat die Entwicklung der TU Kaiserslautern von Anfang an begleitet.

Für die TU Kaiserslautern ist Prof. Dr. Gerhard Steinebach gewissermaßen ein Kind der ersten Stunde. Von 1973 bis 79 studierte er hier Raum- und Umweltplanung, ab 1999 hatte er eine Professur inne und auch heute noch begleitet er die Stadt und die Universität als Ratgeber und Ideenentwickler.

„Ich war der Auffassung, dass das Thema Umwelt für die Zukunft besonders bedeutsam sein würde“, sagt Prof. Dr. Gerhard Steinebach. Daher begann der gebürtige Wiesbadener nach Studienmöglichkeiten zu suchen. „Das Angebot war aber sehr beschränkt. Es gab Raum- und Umweltplanung in Kaiserslautern und Raumplanung in Dortmund. Ich habe mich für beide Studiengänge beworben und die erste Zulassung kam von Kaiserslautern.“

Die noch junge Uni war damals eher eine Großbaustelle. „Es wurde überall gebaut und gefühlt waren praktisch alle Studierenden im Bau 1 untergebracht, inklusive Mensa“, erinnert er sich.

„Dass die Raumplanung zunächst überwiegend aus Fächern der Architektur bestand, war mir nicht bewusst. Tatsächlich gab es, als ich begonnen hatte, noch keine adäquate Prüfungsordnung“, fährt er fort. Erst im Dezember 1974 ist die erste Prüfungsordnung in Kraft getreten. „An dieser haben meine Kommilitonen und ich aktiv mitgewirkt. Da war ich bereits im dritten Semester und seit anderthalb Jahren im Senat der Doppel-Universität Trier-Kaiserslautern.“

So gestaltete Steinebach das Studium der Raum- und Umweltplanung in den jungen Jahren der Universität noch während seines Studiums als Senatsmitglied maßgeblich mit. Und auch in den folgenden Jahren hielt er seiner Alma Mater weiter die Treue. Er war stark in die Forschung eingebunden, deren Entwicklung er in den kommenden Jahren ebenfalls prägen sollte: Nach seinem Abschluss als Diplomingenieur arbeite er bis 1988 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Lehrgebiet Verwaltungs- und Rechtslehre des Bauwesens, der Raumplanung und des Umweltschutzes bei Prof. Dr. Rudolf Stich. Hier begann er auch seine Promotion über Lärm- und Luftreinhaltegrenzwerte. Im Rückblick die absolut richtige Entscheidung, wie er sagt: „Professor Stich war für mich als Mensch ein Vorbild. Er war als Professor in hohem Maße wissenschaftlich und praktisch anerkannt, insbesondere auch mit dem, was er von der juristischen Seite im Studiengang vertreten hat.“

Nach der Zeit in der Wissenschaft wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit: Mit seinem Doktorvater Stich und seinem Kollegen Karl-Wilhelm Porger gründet er die Forschungs- und Informations-Gesellschaft für Fach- und Rechtsfragen der Raum- und Umweltplanung. Er erhält zahlreiche Aufträge etwa vom Bund, von Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Als Gutachter ist er in der ganzen Republik gefragt. Sein Unternehmen wächst bis auf 25 Mitarbeiter. Nebenbei ist er als Lehrbeauftragter an der Uni tätig und wird dort zum Honorarprofessor ernannt. „Damit war für mich der weitere Berufsweg in der Kombination von Uni und Praxis vorgezeichnet“, sagt er.

Doch es sollte anders kommen: Er wird 1999 zum Professor für Stadtplanung berufen. „Die ersten zwei Jahre habe ich intensiv Übungen und Vorlesungen vorbereitet und systematisiert.“ Hinzu kamen zahlreiche Forschungsprojekte. „In den 80er Jahren sind etwa Umweltthemen verankert worden. Ab den 90er Jahren war die Projektorientierung gefordert“, sagt er über die Entwicklung seines Fachbereichs. „Heute haben ganzheitliche Stadtentwicklungskonzepte und integrierte Stadtentwicklungsplanungen eine Renaissance erlebt.

Im Grunde geht es darum, den Bestand vernünftig zu pflegen und nachhaltig weiterzuentwickeln. Das gilt auch für die TU Kaiserslautern, die ich seit 47 Jahren kenne und die ich in mehr als 33 Jahren Tätigkeit in den Selbstverwaltungsgremien mitgestalten konnte.“ 2017 wird er in den Ruhestand verabschiedet, bleibt der TU Kaiserslautern aber als Seniorforschungsprofessor erhalten. Außerdem wird er zum „Chief Urban Officer“ (CUO) der Stadt Kaiserslautern ernannt und begleitet die digitale Transformation.

Prof. Steinebach hat vom Studium bis heute den Wandel der Technischen Universität Kaiserslautern erlebt und mitgestaltet. Auch jetzt begleitet er sie auf dem Weg zur „smarten Universität“ ins nächste Jahrzehnt. Dabei arbeiten Stadt und Hochschule zum Beispiel eng bei digitalen Technologien wie autonomisiertem Fahren und 5G zusammen, um unter anderem Forschung zu neuer Mobilität vor Ort zu testen und in den städtebaulichen Wirkungen zu bewerten.


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Zusammenfassung eines Beitrags von Werner Freise in „Beiträge zur Geschichte der TU Kaiserslautern“ zum 40-jährigen Bestehen der Universität. Ein Zeitzeuge berichtet über die ersten 10 Jahre der Elektrotechnik in Kaiserslautern

Der Fachbereich Elektrotechnik war zunächst im Gründungskonzept der neuen Universität Trier-Kaiserslautern nicht enthalten. Erst im Laufe der sich an den Gründungsbeschluss anschließenden Vorbereitungsphase wurde vereinbart, die bis dahin an der Universität Mainz bestehende Ausbildung für Berufsschullehrer Technik zusätzlich nach Kaiserslautern zu verlegen, sodass danach für den Kaiserslauterer Universitätsteil die Bezeichnung „Naturwissenschaftlich-Technische Fakultät“ gewählt wurde, in der die Fachbereiche Mathematik, Physik und Technologie zusammengefasst waren und die zum Wintersemester 1970/71 ihren Studienbetrieb aufnehmen sollten.

Der Fachbereich Technologie erhielt die Aufgabe der Berufsschullehrer-Ausbildung für die Bereiche Bauwesen, Maschinenbau und Elektrotechnik. Für die ersten beiden Bereiche sowie für die begleitende Berufspädagogik wurden einige Professoren von Mainz nach Kaiserslautern versetzt, für das Lehrgebiet Elektrotechnikwurden zwei Stellen ausgeschrieben, eine für „Starkstromtechnik“ und eine für „Frequenztechnik“, die im Sommer 1970 mit den Professoren Freise und Weber besetzt werden konnten. Diese forderten von Beginn an eine angemessene materielle und personelle Ausstattung, um auch die Forschung in Form von wissenschaftlichen Ingenieurstudiengängen besser berücksichtigen zu können.

Zum Beginn des Universitätsbetriebs am 1. Oktober 1970 zogen die Abteilungen Elektrotechnik und Maschinenbau des Fachbereichs Technologie in die Räumlichkeiten der Ingenieurschule in der Morlauterer Straße, während alle anderen in den ehemaligen Gebäuden der Pädagogischen Hochschule (Bau 1-3) untergebracht wurden.

Die Räume in der Ingenieurschule waren leer, keine Möbel, kein Telefon. Aus aufgestapelten eigenen Büchern und einfachen Holzplatten entstanden Tische und Stühle, zum Telefonieren wanderte man mehr als einen Kilometer weit zur Telefonzelle am Rathaus, denn die Benutzung des Telefons der Ingenieurschule war hinsichtlich der Kostenübernahme nicht geklärt. Nach wenigen Tagen war aber im Universitätsbereich das Notwendigste „gefunden“ und wurde mit eigenen Fahrzeugen und Dachgepäckträgern unauffällig in die Ingenieurschule entführt. Freundliche Bekannte bei der Post verhalfen ganz unkonventionell und ohne Rechnung zu einem eigenen Telefonanschluss.

Der Lehrbetrieb begann in Kaiserslautern am 15. Oktober 1970 mit insgesamt 191 Studenten, davon 22 in der Elektrotechnik und 37 im Maschinenbau. Diese waren, nicht wie in den anderen Studiengängen, ausnahmslos Lehramtskandidaten, übernommen von der Universität Mainz und auf fast alle Semester verteilt und hatten somit auch unterschiedliche Kenntnisse. Dafür mit nur fünf Personen das notwendige und richtige Lehrangebot bereitzustellen erforderte eiliges Feststellen der Kenntnisse, schnelles Anpassen des Lehrangebots und eine enorme Lehrbelastung mit bis zu 30 Wochenstunden pro Kopf, zuzüglich der dafür nötigen Vorbereitungen. Es musste sehr improvisiert werden, glücklicherweise mit jeweils kleinen Hörerzahlen, so dass meist „am runden Tisch“ studiert werden konnte.

Man sollte dabei bedenken, dass die 70er Jahre sehr von studentischen Unruhen geprägt waren. Der enge Kontakt im Kleingruppenbetrieb entspannte zwar manches, dennoch war es zum Beispiel nicht möglich, Türen auch mal abzuschließen; besonders die aus Mainz gekommenen, in Unruhe schon erprobten Studenten setzten sich für beliebig freien Zugang durch, auch mit Gewalt. Bei Namensschildern an den Türen wurden nur Vornamen geduldet, man wurde nur mit Vornamen angeredet, alle und alles sollte gleich sein, bis hin zu gleichen Stühlen. Mit Widerstand wäre nur mehr Ärger entstanden, also ließ man ihn bleiben. Der aus der Industrie gekommene Professor hatte als ehemaliger „Industrie-Knecht“ spezielle Gegner. Von den Studenten wurde nicht nur jeder Kontakt zur Industrie als unzulässig, weil schmutzig, bekämpft. Man musste auch vom AStA vorbereitete Kontakt-Verzichtserklärungen unterschreiben. Dafür war allerdings bei der Lehrbelastung sowieso nur mit Mühe Zeit zu finden.

Doch der noch junge Fachbereich vernetzte sich auf anderen Ebenen schnell. So nahm man zügig Kontakt zum Fakultätentag Elektrotechnik (FTE) auf und arbeitete eng mit dem Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE) zusammen, um bei der Fachwelt möglichst schnell ins Bewusstsein zu rücken.

Auf Dauer war die Unterbringung in der Ingenieurschule wegen der damit verbundenen Arbeitsbedingungen und der großen Entfernung zum Uni-Bereich, wo die meisten Vorlesungen stattfanden, nicht zumutbar. Auch erlaubten die Arbeitszeit-Regeln der Ingenieurschule abends kein Arbeiten, der Wachhund, der nach Abschluss des eingezäunten Areals am späten Nachmittag losgelassen wurde, sorgte für so manche zerrissene Hose. So zogen Maschinenbau und Elektrotechnik im Sommer 1971 in das leerstehende „Hotel Brenner“ gegenüber dem Hauptbahnhof, dessen allgemeiner Zustand mit schiefen Böden, bröckelndem Putz und undichten Fenstern und Türen eher schlecht war. Einige Zimmer wurden von der Universität als Gästezimmer genutzt, andere durch das Herausnehmen von Wänden zu Hörsälen und Laboratorien umgewandelt, in denen sogar mit Hochspannung bis 100.000 Volt experimentiert wurde. Das im Erdgeschoss befindliche „Wienerwald“-Restaurant verlieh dem gesamten Gebäude einen spezifischen Duft. Der Gewölbekeller, auch „Brenner“-Keller, hingegen wurde mit viel Engagement und handwerklichem Geschick zu einem beliebten Abend-Treff umgebaut, in dem so manche Feierlichkeit begangen wurde. Trotz personeller Engpässe entstand in den neuen Räumlichkeiten eine enge Gemeinschaft, zu der jeder seinen Beitrag leistete.

Industrie und Behörden stellten in dieser Zeit weiterhin kostenlos wesentliche Dinge für den Aufbau der Labor-Praktika zur Verfügung, ohne die ein erfolgreicher Lehrbetrieb nicht möglich gewesen wäre. Das Nachrichtentechnische Labor wurde in der ehemaligen Dienstmädchen-Kammer eingerichtet. Der Frühstücksraum wurde mit einem Analogrechner und einem gebrauchten großen Digitalrechner zum Rechenzentrum umfunktioniert – sicher das einzige mit Seidentapete.

Die Fassade des Hotels Brenner wurde wegen ihrer prominenten Lage gegenüber dem Bahnhof für so manche Protestaktion gegen die Einsparbemühungen der Landesregierung genutzt.

Nach und nach wurden weitere Professuren besetzt, doch auch die Studierendenzahlen wuchsen weiter an, was zur Folge hatte, dass nun auch der Platz im Hotel Brenner an seine Kapazitätsgrenzen stieß. Gleichzeitig mit der Trennung der Universität Trier-Kaiserslautern wurden auch die beiden Abteilungen Maschinenbau und Elektrotechnik eigenständige Fachbereiche. Der Maschinenbau bezog noch im selben Jahr das zunächst als Übergangslösung geplante „Aufbau- und Verfügungszentrum“ (AVZ), die Elektrotechnik konnte nach Verzögerungen bei anderen Baumaßnahmen erst 1977/1978 einziehen – teilweise in einer Blitzbesetzung, um einer vorzeitige Belegung des ebenfalls schnell wachsenden neuen Fachbereichs Informatik, zuvorzukommen.

Um den Zusammenhalt untereinander durch den großen Nutzflächenzuwachs nicht zu verlieren, wurde im Sockelgeschoss von Gebäude 11 ein Lagerraum, der noch Kabelreste vom Umbau enthielt, vor einer Promotionsfeier im Sommer 1978 fast über Nacht zum „Nachbrenner“-Lagerraum umgewandelt und zunächst unauffällig von der Fachbereichsleitung bewirtschaftet. Erst als sich die Diskussionen um die Raumnutzung etwas beruhigt hatten, wurde die Bewirtschaftung offizieller und an die Studierenden übergeben – die Geburtsstunde des „Nachbrenners“.


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