Katholische Minoritenkirche und Minoritenkloster Maria Schutz

 

Bismarckstraße 63
1928/1929, 1947/1948
Architekten Hans und Fritz Seeberger

 

 

 

Ansicht, Foto: Sabrina Dohle, Lehrgebiet gta, TU Kaiserslautern (2007)

 

Ansicht
Foto: Sabrina Dohle, Lehrgebiet gta, TU Kaiserslautern (2007)

 

 

 

 

 

Die Baugeschichte der Katholische Minoritenkirche (Gelöbniskirche) hängt eng mit dem angegliederten Kloster zusammen. Zunächst wurde 1926/1927 auf dem ehemaligen Grundstück des St. Antonius-Kirchenbauvereins nach den Plänen von Hans Seeberger ein zweiflügliger Klosterbau für den Orden der Minoriten, deren Geschichte in Kaiserslautern bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, errichtet. In einem der beiden Klosterflügel wurde bis zur Erbauung der Kloster- und Pfarrkirche eine provisorische Kapelle eingerichtet. Im Zuge eines Gelöbnisses des damaligen Bischofs Michael Faulhaber von Speyer, eine Kirche zu errichten, falls die Pfalz von Zerstörungen während des Ersten Weltkriegs verschont bliebe, wurde 1928/1929 ebenfalls nach Plänen von Hans Seeberger die Gelöbniskirche Maria Schutz erbaut.
Das zweiflüglige Klostergebäude (1926/1927) der Minoriten stößt heute mit seinem senkrecht zur Bismarckstraße angeordneten Flügel gegen die südliche Chorwand der Kirche Maria Schutz. Von hier wird zum einen eine Verbindung zum Chor und zum anderen zum Kreuzgang der Kirche hergestellt. Das im Erd- und Obergeschoss verputzte Konventgebäude ruht auf einem Sockelgeschoss aus Sandstein. Die Fassaden werden durch eine gleichmäßige Anordnung von Zwillingsfenstern gegliedert. Die introvertierte Klosterhoffassade des südlichen Klosterflügels wird durch die Andeutung eines Kreuzganges im Erd- und Obergeschoss gestaltet. Die nach Osten abgewalmten Dachflächen waren ursprünglich mit Schiefer in einer Bogenschnittplattendeckung eingedeckt. Die Grundrisse der beiden Klosterflügel zeigen eine einheitliche Struktur: Ein mittiger Gang erschließt die an den Fassaden positionierten Räume. Der ehemalige Eingang des Klosters befand sich an der Bismarckstraße, wurde aber nach dem Zweiten Weltkrieg in den anderen Flügel verlegt. Die kleinen Zellen der Ordensbrüder befinden sich im Obergeschoss und orientieren sich jeweils zur Stadt. Die größeren Gemeinschaftsräume befinden sich dagegen an der Klosterhoffassade.
Die Katholische Minoritenkirche wurde 1928/1929 kurz nach der Fertigstellung des Klosters gleichfalls nach den Plänen von Hans Seeberger errichtet. Die aus Sand- und Ziegelstein in gotisierenden Formen erbaute, dreischiffige Basilika wird über spitzbogige Arkaden im Chor und über einen dem südlichen Seitenschiff zugeordneten Kreuzgang mit dem angrenzenden Kloster verbunden. Eine Doppelturmfront prägt den monumental erscheinenden Westbau der Kirche. Enggestellte, schlitzartige Blendbögen gliedern die Turmfassaden. Ursprünglich vorhandene spitze Turmhelme wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und durch flache Pyramidendächer ersetzt. Über den drei spitzbogigen Stufenportalen des Westbaus befinden sich aus Sandstein gearbeitete Skulpturen des Erzengels Michael, der Gottesmutter Maria und Ludwigs des Heiligen. Eine Fensterrose betont die gotisierende Gestaltung der Kirche. Das Mittelschiff wird anhand von schmalen, spitzbogigen Lanzettfenstern in der Obergadenwand belichtet. Den schlichten, weiß verputzten Innenraum prägen niedrige, spitzbogige Arkaden zwischen dem flach eingedeckten Mittelschiff und den Seitenschiffen. Der Chor mit einem Spitztonnengewölbe öffnet sich an seiner Südseite mit Arkaden und einer Empore im Obergeschoss zum angrenzenden Klosterbereich.

Gunnar Geschwill

 

Literatur

Hans Seeberger: Festschrift Gelöbniskirche Maria Schutz und Minoritenkloster Kaiserslautern. Kaiserslautern 1929