CampusKultur

Regiolekte, Soziolekte, Jugendsprache

Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Erich Schmidt

Donnerstag, 6. Dezember, 18.00 Uhr
Gebäude 42, Raum 110

1898 wurde erstmals in der Sprachgeschichte des Deutschen eine einheitliche überregionale Aussprachenorm geschaffen. Die Übernahme der vormaligen Bühnennorm durch den Rundfunk um 1930 und das Fernsehen nach 1950 bewirkt eine radikale Umwertung des gesprochenen Deutschen. War bis dahin für die Mehrheit der Sprecher_innen ein landschaftlich geprägtes „Sprechen nach der Schrift“ die einzige Form des Hochdeutschsprechens, so lässt sich seither eine von Nord nach Süd voranschreitende Abwertung feststellen. Der Dialekt wird in verschiedenen Regionen kaum mehr weitergegeben. Der Regiolekt, d.h. die Weiterentwicklung des ehemaligen landschaftlichen Hochdeutsch, unterliegt gegenläufigen Veränderungen: Er verliert seine gesamtgesellschaftliche Akzeptanz, wird aber gleichzeitig für seine Sprecher_innen zum zentralen Ausdruck kultureller Identität, die das individuelle Verhalten massiv beeinflusst.

Warum werden die Regiolekte verschiedener Sprachlandschaften so extrem unterschiedlich bewertet? Lässt sich das Vertrauen, das sich Menschen, die denselben Regiolekt sprechen, nachweislich entgegenbringen, mit linguistischen Fakten in Verbindung bringen?

Prof. Dr. Jürgen Erich Schmidt leitet seit 2000 das Forschungszentrum „Deutscher Sprachatlas“ in Marburg. Er war langjähriger Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen und ist Leiter des geisteswissenschaftlichen Langzeitprojekts „regionalsprache.de“ der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur.

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