Nachhaltigkeit an der TUK

Kaffeewende an der TUK: Nachhaltiger Kaffeegenuss

Mit den neu eingeführten wiederverwendbaren Kaffeebechern bieten wir eine nachhaltige Alternative zu den nun kostenpflichtigen Einwegbechern.

Der angebotene Kaffee in den Mensen und Cafeterien des Studierendenwerks Kaiserslautern wird aus nachhaltig zertifizierten (ökologisch angebaut und fair gehandelt) Kaffeebohnen zubereitet. 

Im Projekt Beschaffungswende wird perspektivisch angestrebt auch für die Bewirtung von Gästen und auf Veranstaltungen nachhaltigen Kaffee anzubieten. 

Heiß gegossen - kalt abserviert

 

 

Der Abschied vom kostenlosen Einwegbecher

Wer bin ich schon, dass ich die Welt verändern könnte? Aber wer bin ich denn, dass ich es nicht wenigstens versuchen kann!

Nicht jedem mag sich auf den ersten Blick erschließen, warum in der Mensa seit 28. August 2017 ein neuer „Mehrwert“-Becher hausiert und die altbackenen kostenlosen Einwegbecher weitestgehend verschwunden sind. Beliebter als eine Volkspartei, setzte fast jeder zweite Kunde auf das „To Go“-Kultobjekt des vergangenen Jahrtausends. Ermöglichte ein Einwegbecher doch ein komfortables Manövrieren des eigenen Heißgetränkes aus dem Atrium und an die sonnigen Tische davor. Zudem ist die mit Kunststoff beschichtete Pappe der Garant für ein natürliches Geschmackserlebnis und mit ihrer Leichtbaustruktur in puncto Robustheit kaum zu übertreffen. Letztlich sorgte ein solcher Einwegbecher auch für eine gute Frequentierung der Restmüllbehälter auf dem Campus, sofern er nicht zuvor seine Flugkünste im Wind demonstriert.

Das neue Kaffee-Konzept des Studierendenwerks Kaiserslautern und des Nachhaltigkeitsbüros der TUK stellt den verantwortungsvollen Kaffeegenuss facettenreich in den Mittelpunkt. Bereits seit Februar 2013 werden die angebotenen hochwertigen Arabica-Kaffeebohnen fair gehandelt und entstammen aus kontrolliert ökologischem Anbau. Die Mindeststandards für nachhaltige Umwelt- und Sozialverträglichkeit sind durch die bekannten Zertifikate „Fairtrade“ und „Bio“ gewährleistet. Mit einem der besten Wasser Deutschlands – dem Kaiserslauterer Trinkwasser von der Roten Hohl – aufgebrüht steht dem verantwortungsbewussten Kaffeegenuss nichts im Wege.

Doch was geschieht nach dem Kaffeegenuss mit dem anfallenden Müll, der konsequenterweise im Sinne der Produktverantwortung nach dem Prinzip vom Rohstoff zum Rohstoff („cradle-to-cradle“) in den Fokus rückt? Der aufgebrühte Kaffeesatz wird im Kapiteltal direkt nordöstlich der Stadt durch Upcycling in den bekannten „PalatiHum“ Kompost verwandelt und erzeugt nebenbei noch Fernwärme und Elektrizität. Porzellanbecher und Gläser werden in modernen Spülmaschinen gereinigt und das Abwasser am Kaiserslauterer Blechhammerweg in einer der ersten und seltenen energieneutralen Kläranlagen Deutschlands zur Rückführung in die Natur aufbereitet. Da sich der kleine namensgebende Bach - die Lauter –durch die Zuführung des geklärten Abwassers der Stadt um ein Vielfaches vergrößert, müssen zusätzlich sogar die strengsten Grenzwerte eingehalten werden.

Was übrig bleibt ist der Einwegbecher. Trotz all jener genannten famosen Charakteristika muss er im Restmüll landen. Jedes Jahr mussten auf dem Campus die rund 60.000 ausgegebenen Becher eingesammelt werden und auf Kosten der Allgemeinheit der aufwändigen Abfallbeseitigung zugeführt werden. Welche unglaubliche Menge das ist, konnten die Mensagäste Mitte August 2017 vor den Treppenaufgängen selbst beobachten: Jeden Tag einer Woche wurde die angefallene Menge an Einwegbechern aufgehäuft. Am Ende der Woche sammelten sich fast 1.500 Becher an. Das ist jede Woche ein großer, vierrädriger Restmüll-Container voll mit Einwegbechern: mehr als der Gesamtrestmüll in größeren Mietshäusern! Die jährliche Menge von rund einer Tonne Restmüll wird nicht recycelt, sondern in einem Müllheizkraftwerk in Ludwigshafen oder Pirmasens verbrannt. Dorthin wird er mit einer großen Flotte an LKW extra transportiert. Der nicht verbrannte Rest landet für die Ewigkeit auf der Deponie und füllt das Kaiserslauterer Kapiteltal mit der Zeit auf Bergesgröße auf. Damit die Kaiserslauterer und der Pfälzer Wald möglichst wenig von den ausgeschwemmten Schadstoffen belastet werden ist eine permanente und nie endende Überwachung von Nöten. Der Restmüll wird so zum teuersten der klassischen Müllfraktionen.

Infolgedessen ist eine Änderung unausweichlich. Die Entscheidung dazu ist nicht leichtfertig gefallen, da das Studierendenwerk vor allem den Bedürfnissen von Studierenden und Universitätsangehörigen gerecht werden will und soll. Vielmehr wurde sie in einem einjährigen Entscheidungsprozess entwickelt mit unzählbaren Gesprächen und Diskussionen zwischen freiwillig engagierten Studierenden und Mitarbeitenden der Initiative „FuTUre Nachhaltigkeit“, dem Nachhaltigkeitsbüro, der Abteilung für Hochschulkommunikation und der unieigenen Druckerei. Viele Lösungsansätze und Konzepte anderer Universitäten wurden auf Herz und Nieren geprüft. Erkenntnisse waren unter anderem, dass ein plumpes einseitiges Verbot von Einwegbechern selten alleine zum Ziel führt. Auch aufwändige Pfandsysteme und komplexe Preisgestaltungen verursachen fast immer extreme Unzufriedenheit bei allen Beteiligten.

Das Ergebnis ist eine Botschaft: Die individuelle Entscheidung für eine nachhaltige Entwicklung unseres Planeten liegt jeden Tag aufs Neue in der Hand jeden Gastes. So wird das Bewusstsein um die Verantwortung für unsere Erde und unseren Campus täglich sichtbar. Die globalen Folgen der eigenen Entscheidung müssen sich in den individuellen Konsequenzen wiederspiegeln. Der verantwortungsvolle Kaffeegenuss aus einmal beschafftem und tausendfach wiedernutzbarem Mehrweggeschirr verursacht keine zusätzlichen Kosten. Porzellantassen und Gläser dürfen den Mensabereich nicht verlassen und sind zur Wiederverwendung für andere Gäste unaufgefordert zurückzubringen. Für die Mitnahme kann jeder passende Mehrwegbecher eingesetzt werden. Wer wie bereits über 100 andere Gäste gerne den erprobten und passenden Becher in schickem Design von Studierendenwerk und „FuTUre Nachhaltigkeit“ nutzen möchte, wird knapp über dem Beschaffungspreis für nur 5 Euro an der Information oder im Atrium fündig. Zahlreiche Bäckereien in Kaiserslautern und in Deutschland unterstützen die Verwendung von Mehrweggeschirr durch Preisvorteile. Für den Notfall hält das Studierendenwerk an der Kasse im Atrium bis auf den Deckel kompostierbare Einwegbecher bereit, die sich dem Kaffeesatz beim Upcycling aus der Biotonne anschließen können. Trotzdem gilt: Kein Müll ist der beste Müll! Im Gegensatz zur extrem billigen konventionellen Becher-Variante für den teuren Restmüll fallen dadurch die Kosten für die Herstellung und Entsorgung des Einwegbechers von 30 ct direkt beim Verursacher an und belasten nicht mehr die Allgemeinheit der Universität.

Mit diesem Schritt positioniert sich das Studierendenwerk unter der Geschäftsführung von Herrn Zimmer mutig und klar zu einer nachhaltigen Entwicklung der TUK, aber auch der weiteren Standorte der Hochschule in Kaiserslautern, Pirmasens und Zweibrücken. Im Monatsrückblick zeigt sich bereits jetzt, dass die Zahl der verbrauchten Einwegbecher an der TUK von monatlich 5.000 Stück auf rund 300 Stück gesunken ist. Abschied heißt, dass etwas Neues kommt und Abschied sagen heißt auch „Hallo“. Vielleicht sagt der ein oder andere nun auch Hallo zu einem neuen Becher oder anderen Genießerinnen und Genießern von Heißgetränken, wenn man sich beim Zurückbringen benutzter Tassen und Gläser trifft. Und vielleicht trifft auch der neue Becher der Kampagne öfter auf neue fremde Freunde hier.

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