Neben Selbstständigkeit und Fernstudiumein eigenes Buch veröffentlichen

TUK-Alumnus Olaf Walter im Interview

 

Olaf Walter ist einer der beiden Geschäftsführer der Wagner & Walter GmbH, einem Beratungsunternehmen in Stahnsdorf.

Am Fernstudienzentrum DISC der TUK hat er Systemische Beratung mit Vertiefung in Organisations- und Personalentwicklung studiert.
Anfang 2019 ist sein eigenes Buch erschienen, das Trainern, Coaches und Beratern helfen soll, sich in ihrem Tun selbst zu reflektieren.

 

Herr Walter, können Sie uns zunächst etwas über Ihren bisherigen beruflichen Werdegang erzählen?

Ich habe bis 2009 sehr erfolgreich als Key-Account Manager in der Medizinprodukte-Branche gearbeitet. Dabei hat für mich die Qualität der Kommunikation mit Kunden und Kollegen immer einen sehr hohen Stellenwert gehabt. Neben dem Beruf habe ich immer wieder Weiterbildungen in diesem Bereich gemacht und begonnen, mich mit systemischem Denken und Fragetechniken zu beschäftigen. Als ich während meiner Trainer-Ausbildung ein Referat über Lösungsorientierung im Coaching gehalten habe, war ich fasziniert von dieser Methodik. Seitdem hat mich die Beschäftigung mit dieser Thematik nicht mehr losgelassen. Im August 2009 habe ich dann beschlossen, mich als Berater selbständig zu machen, und ich gründete mit meinem Geschäftspartner ein eigenes Beratungsunternehmen.

 

Welche Aufgaben übernehmen Sie und mit welchen Themen setzen Sie sich dort auseinander?

Ich bin hauptsächlich als Organisationsberater tätig. Das bedeutet, sich mit sämtlichen Erscheinungsformen in Arbeits- und sozialen Systemen auseinanderzusetzen, die auftreten, wenn Veränderungsprozesse in Teams und/oder Unternehmen anstehen. Menschen dabei zu begleiten ihr Umfeld und die damit verbundenen Prozesse sinnvoll zu gestalten, betrachte ich als meine wichtigste Aufgabe. Hierbei kommt es darauf an, Anregungen und Impulse zu geben, die Fähigkeiten und Ressourcen aktivieren, und die Selbstorganisation zu fördern. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass Gefühle und Werte eine wesentliche Rolle in solchen Veränderungsprozessen spielen und die Würde des einzelnen gewahrt werden sollte. Eine hochkomplexe Aufgabe, die Übersicht, Einfühlungsvermögen und klare Strukturen im Denken und Handeln erfordert.

 

Was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrem Beruf? Was finden Sie am spannendsten?

Die Personen, der Mensch steht für mich immer im Vordergrund. Ich mache mir als Berater, Trainer und Coach Gedanken darüber, welche Intervention hilfreich sein könnte und versuche die beteiligten Personen anzuregen, eigene Lösungen zu entdecken oder zu erfinden. Das ist für mich eine hochkreative Tätigkeit und es bereitet mir große Freude, wenn dabei Ideen entstehen, auf die ich selbst z.B. niemals gekommen wäre, oder neue Wege in Unternehmen beschritten werden, die aus dem System selbst heraus entwickelt wurden. Spannend dabei ist, mich selbst zurückzunehmen und elastisch mit meinen eigenen Ambivalenzen umzugehen. Das erfordert einiges an Disziplin und gleichzeitig Lockerheit.

 

Woher schöpfen Sie Ihre Motivation?

„Menschen dabei zu begleiten für sich selbst neue sinnstiftende Räume und Möglichkeiten zu eröffnen, in denen Veränderungen Gestalt annehmen können, ist ein wunderbares Erlebnis.“

 

Sie haben kürzlich Ihr eigenes Buch veröffentlicht mit dem Titel „Zum systemischen Denken in Training, Coaching und Beratung – Ein Metamodell zur Orientierung im systemischen Fragenraum“. Um was geht es in dem Buch? Wie kam es dazu?

Ich habe, wie eingangs erwähnt, vor etwa zehn Jahren damit begonnen, mich mit systemischem Denken zu befassen. Ich habe mich damit beschäftigt, wie ich als Coach, Trainer und Berater für meine Klienten nützliche Interventionen planen kann und welche hilfreichen Fragen dazu erforderlich sind. Dabei erschien es wichtig für mich, eine Möglichkeit zu entdecken, die Qualität meiner Beobachtungen zu erfassen und gleichzeitig die Auswirkungen meiner Fragetechniken zu reflektieren. Damit entstand die Idee ein Ordnungsgebilde zu entwickeln, welches mir als Denkwerkzeug dient und mich in meiner Kreativität anregt. So erstellte ich die ersten Dimensionen eines Metamodells, welches mir als systemischer Fragenraum diente. Heute habe ich viele relevante systemische Strukturen, Aspekte, Ebenen und Prinzipien erfasst, die den Coach, Berater etc. dabei unterstützen können, taugliche Hypothesen zu bilden und nützliche Interventionen auszuwählen. Die Auswirkungen können dann anhand dieses Denkschemas reflektiert und wieder weitere Maßnahmen entwickelt werden. Das Modell gibt mir damit Sicherheit im Umgang mit komplexen Situationen und unterstützt mich in der Selbstreflexion.

 

Haben Sie ein Erfolgsrezept?

Rezepte haben durchaus etwas pragmatisches. Der Vorteil ist, dass man sie abwandeln, verfeinern und kreativ anwenden kann. Im Kontext von Coaching und Beratung ist das Metamodell so etwas wie eine Rezeptur für gelingende Prozessbegleitung. Persönlich ist für mich ein Prinzip relevant, welches ich überhaupt nicht trivial finde. Nämlich: Weitermachen! Damit folge ich einer systemischen Sichtweise, eben dann, wenn eine Sache nicht funktioniert, etwas anderes auszuprobieren.

 

Wie hat Sie das Studium an der TUK auf Ihre heutige Tätigkeit vorbereitet?

Ich habe vorher schon an anderen Universitäten studiert. Was mich an meinem Studiengang an der TUK am meisten begeistert hat, war die Haltung der Dozenten. Hier wurde Wissen wirklich freigiebig geteilt und viel Wert darauf gelegt, mich gut zu betreuen. Ich konnte meine Ziele gut verfolgen und das Studium erfolgreich absolvieren. Der hohe Praxisbezug war dabei sehr nützlich. Neue Erkenntnisse konnte ich sofort in der Praxis verwerten.

 

Wenn Sie an Ihr Studium zurückdenken, gibt es etwas, woran Sie besonders gerne denken? Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Studienzeit?

Ich habe sehr interessante Menschen kennengelernt, mit denen ich heute noch verbunden bin. Sich aufgehoben fühlen unter Gleichgesinnten war für mich eine schöne Erfahrung. Am meisten habe ich die Phasen der intensiven Zusammenarbeiten in den Präsenzphasen genossen.

 

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Kommilitoninnen und Kommilitonen?

Ja, mit einigen arbeite ich sogar in verschiedenen Projekten zusammen. Der Austausch zu systemischen Fragestellungen ist mir nach wie vor wichtig und ich freue mich über Anregungen und Feedback.

 

Was raten Sie unseren Studierenden im Hinblick auf ihre Berufswahl?

Das wichtigste für mich ist die Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen, Motivationen und Werten. Das schafft Kongruenz. Ein Motto könnte sein: Walk, what You talk!


2019

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TUK-Alumnus Olaf Walter

Fachbereich:
Distance and Independent Studies Center (DISC)

Studiengang:
Systemische Beratung mit Vertiefung in Organisationsentwicklung und Personalentwicklung

Studienbeginn und Abschlussjahr: 2015-2018

 

Informationen über die Wagner & Walter GmbH finden Sie hier.

Näheres über das Buch „Zum systemischen Denken in Training, Coaching und Beratung Ein Metamodell zur Orientierung im systemischen Fragenraum“ erfahren Sie hier

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