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Foto: LBB/ Reiner Voß, view

Richtkranz gehisst: Rohbau des Forschungsgebäudes LPME an der TU Kaiserslautern ist fertiggestellt

(v.l.n.r.) Dr. Michael Meister, parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Wissenschaftsminister Clemens Hoch, TUK-Präsident Prof. Dr. Arnd Poetzsch-Heffter, LPME-Sprecher Prof. Dr.-Ing. Jan C. Aurich vom Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik an der TUK, Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen sowie Norbert Höbel, Leiter der LBB-Niederlassung Kaiserslautern. Foto: LBB/ Reiner Voß, view

Rund 15 Monate nach dem symbolischen Spatenstich ist der Rohbau für den Forschungsneubau LPME (Laboratory for Ultra-Precision and Micro-Engineering) auf dem Campus der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) fertiggestellt. Beim traditionellen Hissen des Richtkranzes am 15. September nahm der parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Michael Meister, teil. Weitere Grußworte sprachen hochrangige Vertreter der Landesregierung, der Technischen Universität und vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung, der den Neubau managt. Die bauliche Fertigstellung des Gebäudes ist für Herbst 2022 geplant, eine mehrmonatige Inbetriebnahmephase für die komplexe Gebäudetechnik schließt sich an.

 

Die TU Kaiserslautern erhält mit LPME ein interdisziplinäres Zentrum für anwendungsbezogene Spitzenforschung auf dem Gebiet der Ultrapräzisions- und Mikrotechnologie. Rund 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fachrichtungen Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Physik und Informatik werden künftig unter einem Dach an den Grenzen des technologisch Machbaren forschen. Im LPME gewonnene Erkenntnisse sollen direkt in Anwendungen überführt werden, zum Beispiel reibungsreduzierte Maschinenelemente (Laufflächen für Dichtringe und Kettenbolzen), auf Patienten maßgeschneiderte Produkte der Medizintechnik, produktspezifische Sicherheitsmerkmale (Druckformen für Banknoten) sowie die Kalibrierung von Messgeräten für die Rauheit von Oberflächen. Die Baukosten von rund 43 Millionen Euro werden von Land und Bund etwa zur Hälfte getragen. Weitere 11 Millionen Euro fließen für die Ersteinrichtung und Großgeräte. Die TU hatte den Forschungsneubau beim Wissenschaftsrat beantragt und 2018 die Förderempfehlung erhalten.

 

Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung: „Die Bundesregierung investiert in den Forschungsbau LPME in Kaiserslautern rund 26 Millionen Euro. Wir wollen die Voraussetzungen schaffen für anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung in Schlüsselbereichen unter einem gemeinsamen Dach. Methoden des Maschinenbaus, der Verfahrenstechnik, der Physik und der Informatik werden hier gebündelt. Die zu erwartenden Ergebnisse für die Forschung, insbesondere neue Technologien für Anlagen- und Fahrzeugbau, für Optik und Medizintechnik können bereits in wenigen Jahren in die Anwendung überführt werden und so zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland beitragen. “

 

„Forschung und Wissenschaft sind das Fundament für technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt in unserem Bundesland. Das Projekt LPME ist neben LASE eines von mehreren Bauprojekten auf dem Campus, die dazu beitragen, die Technische Universität Kaiserslautern als modernen und zukunftsfähigen Wissenschaftsstandort noch weiter auszubauen. Seit 2010 hat das Land, auch mit finanzieller Beteiligung des Bundes, rund eine Milliarde Euro in den Ausbau seiner Hochschulen verausgabt. Dieses hohe Niveau wollen wir auch in Zukunft beibehalten und damit einmal mehr verdeutlichen, welch hohen Stellenwert für uns hochmodern ausgestattete, innovative Hochschulstandorte in Rheinland-Pfalz haben“, so Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen.

 

Der dreigeschossige Neubau des LPME an der Gottlieb-Daimler-Straße bietet bei einer Gesamtfläche von rund 6.500 Quadratmetern rund 3.100 Quadratmeter für Labore, Kommunikationszonen, Büros und einem Seminarraum. Die Forschungsprogrammatik des LPME ist in die Bereiche Herstellung, Charakterisierung, Modellierung und Simulation sowie Anwendung gegliedert. Die Arbeiten in diesen Bereichen wechselwirken sehr stark miteinander und bedürfen der ständigen Kooperation und Abstimmung.

 

Um die Ziele von LPME erreichen zu können, müssen die geplanten Forschungsvorhaben in durchgehenden Prozessketten und in geschlossener Laborumgebung durchgeführt werden. Im Neubau sind deshalb drei integrierte Laborbereiche angelegt. Sie bieten unterbrechungsfreie Reinraumbedingungen zwischen Herstellung und Charakterisierung, die Messergebnisse werden dadurch noch präziser. Ein weiteres Forschungsziel, die IT-gestützte Erstellung von simulativ-experimentellen Modellen, wird durch die Zusammenarbeit der Beteiligten unter einem Dach erst möglich.

 

„Für die TU Kaiserslautern ist das neue Forschungsgebäude ein weiterer Meilenstein in unserer erfolgreichen Forschungsstrategie und in unserer kontinuierlichen Campusentwicklung. Das LPME wird den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie den Studierenden optimale Bedingungen bieten", erläuterte Prof. Dr. Arnd Poetzsch-Heffter, Präsident der Technischen Universität Kaiserslautern. „Wir sind schon jetzt im Bereich der Ultrapräzisions- und Mikrotechnologie hervorragend aufgestellt und werden diese Expertise unter den neuen erstklassigen Bedingungen noch entscheidend vorantreiben. Das LPME-Forschungsprogramm trägt bereits weitere Früchte. Die Kolleginnen und Kollegen entwickeln darauf aufbauend das Cluster MePrecise, welches aktuell in der geförderten Konzeptionsphase des Zukunftscluster-Wettbewerbs des Bundes verortet ist.“

 

Wissenschaftsminister Clemens Hoch sagte: „Die Ultrapräzisions- und Mikrotechnologie gehört zu den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Ob in der Medizintechnik, der Optik oder dem Fahrzeugbau - Ultrapräzisions- und Mikrotechnologien kommen verstärkt zum Einsatz. Aber entscheidend für innovative und erfolgreiche Forschung sowie den Transfer in die industrielle Anwendung ist die gelebte interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Physik und Informatik. Der neue Forschungsbau wird dazu beitragen, dass der Brückenschlag zwischen interdisziplinärer Grundlagenforschung und der Anwendung gelingt. Durch die konsequente Ausrichtung der rheinland-pfälzischen Forschungspolitik auf die Förderung profilbildender Forschungsbereiche an unseren Hochschulen wurden seit 2008 über die Forschungsinitiative die Rahmenbedingungen für exzellente Forschung mit über 265 Mio. Euro nachhaltig verbessert - bis 2023 sind jährlich weitere 20 Mio. Euro dafür eingeplant.“

 

Die Architektur des rechteckigen Gebäudes mit den Grundmaßen 66 mal 50 Meter und einer Gesamthöhe von 14 Metern übernimmt die Grundstruktur des benachbarten Forschungsneubaus LASE (Laboratory for Advanced Spin Engineering) und nutzt – wie dieses – die Vorteile des abfallenden Geländes. Das Gebäude gliedert sich in einen westlichen dreigeschossigen Kopfbau (Sockel-, Erd- und Obergeschoss), einen mittleren Bereich mit größtenteils zwei Geschossen sowie einen zwei- bis dreigeschossigen Bereich, der Versuchshallen und Reinraumbereiche mit einem darüber liegenden großen Technikbereich umfasst. Das Sockelgeschoss liegt an der Gottlieb-Daimler-Straße unterhalb des Straßenniveaus, an der Gebäuderückseite steht es hingegen frei. Im Sockelgeschoss werden unter anderem Labore für Feinmessungen und Mikroproduktion angeordnet, die möglichst erschütterungsarm auf der Gründung stehen müssen. Im erdberührten Bereich befinden sich außerdem Technik- und Lagerräume ohne Tageslichtbedarf. Die Laborsysteme und ihre hochinstallierte Technik stellen besondere Ansprüche an den als Stahlbeton-Konstruktion ausgeführten Baukörper. So ist die elastisch gebettete Bodenplatte unter dem Laborbereich bis zu 80 Zentimeter dick. Für den Prüfstand im Feinmessraum im Sockelgeschoss wurde ein dreiteiliges Sonderfundament hergestellt, das schwingungsentkoppelt auf pneumatisch gelagerten Federdämpfern ruht.

 

Wie bei dem fast fertiggestellten benachbarten Forschungsgebäude LASE war auch bei dem LPME die große Herausforderung ein Objekt zu planen und zu bauen, das es in dieser Art noch nicht gibt“, sagte Norbert Höbel, Leiter der LBB-Niederlassung Kaiserslautern. „Die Anforderungen an das Gebäude und seine Einrichtungen sind enorm und erfordern besondere bauliche Konstruktionen und komplexe technische Anlagen auf höchstem Niveau. Die besondere Schwierigkeit dabei ist alle Komponenten, baulicher und technischer Art, so zu planen und zu bauen, dass diese nachher in einem reibungslosen Zusammenwirken die extrem hohen Anforderungen der vorgesehenen Forschungstätigkeit erfüllen können. Man kann auch sagen: Mit den beauftragten Planungsbüros haben wir für das sehr spezielle Forschungsprogramm einen baulichen ,Maßanzug` entworfen, und die Bauunternehmen sind gerade dabei, ihn dem LPME auf den Leib zu schneidern.“

 

Die beiden Zugänge an der Westseite führen auf unterschiedlichen Ebenen in das zweigeschossige Foyer. Im Inneren verbindet eine Treppenanlage den oberen Haupteingang im Erdgeschoss an der Gottlieb-Daimler-Straße mit dem unteren Zugang auf Sockelgeschoss-Ebene. Im Zusammenspiel mit dem großzügigen Innenhof, durch den das Tageslicht in die angegliederten Besprechungsräume gelangt, bildet das Foyer das kommunikative Zentrum des Hauses.

 

Die Fassadengestaltung des LPME setzt auf den Kontrast zwischen großen geschlossenen Flächen und der Transparenz großzügiger Glas- und Fensterflächen entlang des Foyers an der Westseite sowie an den Kommunikations- und repräsentativen Bereichen. Die geschlossenen Außenwandflächen erhalten eine wärmegedämmte vorgehängte Fassade mit Platten aus verzinktem Stahlblech. Im Innenraum ist Sichtbeton ein wichtiges Gestaltungselement. Flure und Begegnungszonen haben strukturierte Betonoberflächen in Grau oder Schwarz. Die Struktur entsteht durch die Verwendung von OSB-Platten (Grobspanplatten) als Schalungsmaterial beim Betonieren. Auch die Decken in den Treppenhäusern werden in Sichtbetonqualität ausgeführt und in den Bürobereichen bleiben tragende Betonstützen sichtbar.

 

Entlang der westlichen Gebäudefassade verbindet eine großzügige Treppe die beiden Eingangsbereiche. Seitlich der Trittstufen laden breite Sitzstufen mit Holzauflagen zum Verweilen ein. An der Südwest-Ecke des Gebäudes ist eine große Treppenanlage vorgesehen, die zur Ecke Zufahrtsstraße/Gottlieb-Daimler-Straße führt. Weitere Sitzgelegenheiten sowie Fahrradstellplätze sind entlang der Südfassade an der Gottlieb-Daimler-Straße vorgesehen. Dort werden mehrere Bäume gepflanzt.

Ergänzende Information: Den Richtspruch verkündete Bauleiter Udo Schmitz von der Implenia Deutschland GmbH.

Quelle: Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (Landesbetrieb LBB)

Die TU Kaiserslautern

Die TU Kaiserslautern (TUK) ist eine ingenieur- und naturwissenschaftlich ausgerichtete Forschungsuniversität mit internationaler Sichtbarkeit. Ihren Studierenden bietet sie zukunftsorientierte Studiengänge sowie eine wissenschaftliche Ausbildung mit moderner Infrastruktur und gutem Praxisbezug. An der TUK gibt es neben exzellenter Einzelforschung eine Vielzahl koordinierter Forschungsverbünde. In der Grundlagenforschung sind dies mehrere von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Sonderforschungsbereiche und Transregios. Die Themenbereiche der anwendungsorientierten Forschung werden meist in enger Kooperation mit den zehn Forschungsinstituten am Standort bearbeitet. Indem die TUK Forschungsstärke mit Wissens- und Technologietransfer verbindet, schlägt sie nicht zuletzt die Brücke zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Als Campus-Universität am Rande des Pfälzerwaldes zeichnet sie sich durch kurze Wege, ein partnerschaftliches Miteinander und naturnahe Lebens- und Arbeitsqualität aus.

Pressekontakt

Julia Reichelt
Stabsstelle Universitätskommunikation

Tel.: +49(0)631/205-5784
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